England erlebt eine fast beispiellose Invasion. Das Problem: Es handelt sich um Oktopusse, die auf ihrem Weg unzählige andere Meeresbewohner auffressen

An der Südküste Englands sind so viele Oktopusse zu finden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Fraglich bleibt, wie lange dieser Zustand anhält.

Eine englische Hafenstadt zwischen Freund und Sorge über das massenhafte Auftreten von Oktopussen. (Bilder: Andrew Testa für die New York Times, stock.adobe.com - Henner Damke) Eine englische Hafenstadt zwischen Freund und Sorge über das massenhafte Auftreten von Oktopussen. (Bilder: Andrew Testa für die New York Times, stock.adobe.com - Henner Damke)

In Brixham im Südwesten Englands wurden zwischen Januar und August über 12.000 Tonnen an Oktopussen versteigert, wie Xataka.com berichtet.

Eigentlich sind die Tiere laut dem Magazin dort vergleichsweise selten, doch inzwischen habe sich Brixham regelrecht zur Krakenhauptstadt des Landes entwickelt.

Im Detail:

  • Laut Professor Steve Simpson von der Universität Bristol liegen die britischen Gewässer am nördlichen Rand des Verbreitungsgebiets der Tiere. Doch der Temperaturanstieg hat ihre deutlich vermehrte Ansiedlung begünstigt (via New York Times).
  • Einerseits ermöglicht das Fischern eine unerwartete und bedeutende Einnahmequelle. Xataka spricht von einem zusätzlichen Verdienst in Höhe von 10.000 Britischen Pfund – pro Woche.
  • Andererseits fressen die Raubtiere die Bestände anderer Meeresbewohner wie bestimmter Krustentiere massenhaft auf, was die Einnahmen entsprechender Fischer stark bedroht.

Video starten 5:15 NASA-Video aus dem Jahr 2009: Wie der Klimawandel die Ozeane beeinflusst


Die Geschichte wiederholt sich unter anderen Bedingungen

Laut Xataka ist es im Jahr 1950 in Südengland schon einmal zu einem deutlichen Anstieg der Population von Oktopussen gekommen.

Damals dauerte dieser Zustand ungefähr ein bis zwei Jahre an, bevor sich die Situation wieder normalisierte.

Der Klimawandel lässt nun manche befürchten, dass das im aktuellen Fall anders aussehen könnte. Auch wenn nicht sicher ist, wie lange der aktuelle Zustand anhalten wird.

Was in Restaurants früher eine Seltenheit war, wird in Brixham mehr und mehr zum Alltag. (Bild: Andrew Testa für die New York Times) Was in Restaurants früher eine Seltenheit war, wird in Brixham mehr und mehr zum Alltag. (Bild: Andrew Testa für die New York Times)

Ein Tier wird zum Symbol einer Stadt: Durch die Entwicklung ist der Oktopus in Brixham äußerst präsent, wie Xataka mit den folgenden Worten beschreibt:

Das Auftreten der Kraken wurde nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht erlebt. In Brixham ist das Tier zu einem Symbol der lokalen Identität geworden: Wandgemälde in Cafés, Leuchtreklamen an Hafengebäuden, virale Videos von Köchen, die zeigen, wie man es zubereitet, und innovative Gerichte, die bei Einheimischen und Touristen gut ankamen. Tatsächlich hat sich das Geschöpf von einer exotischen Seltenheit zu einem Massenkonsumprodukt in einem Umfeld entwickelt, das kaum daran gewöhnt war. Die allgemeine Begeisterung steht im Kontrast zur Angst derer, die traditionelle englische Fangarten gefährdet sehen, die für die Ernährung und den Handel der Region von grundlegender Bedeutung sind.

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Längst kein Einzelfall

Dass der Klimawandel großen Einfluss auf das biologische Gleichgewicht der Tierwelt haben kann, ist längst bekannt.

Gleichzeitig gibt es auch Beispiele unabhängig vom Klimawandel für die gravierenden Folgen, die das plötzliche und übermäßige Auftreten einer Art in bestimmten Regionen haben können.

Was das am Ende für das große Ganze bedeutet, variiert stark von Fall zu Fall.

Klar ist, dass die aktuelle Situation im Südwesten Englands bereits für große Aufmerksamkeit gesorgt hat, wie auch das folgende Zitat von Barry Young deutlich macht (via New York Times). Er ist dort unter anderem für die Auktionen zum Verkauf von Fängen verantwortlich:

Es ist eine Invasion. Tag für Tag wurden es mehr und mehr [...]. Es sind wilde Tiere. Man kann sich vorstellen, welche Verwüstungen sie anrichteten, als sie durch die Gegend zogen und alles fraßen, was ihnen in den Weg kam.

Man darf gespannt sein, wie sich die Situation vor Ort weiterentwickelt.