Über weite Strecken des Jahres 2025 galt in vielen Unternehmen eine simple Devise: KI-Tools so schnell und so umfassend wie möglich einführen, koste es, was es wolle. Diese Phase scheint vorbei zu sein.
Nach einer Recherche von 404 Media auf Basis geleakter Slack-Chats, interner Dashboards und E-Mails drosseln zahlreiche Unternehmen aktuell die KI-Nutzung ihrer Belegschaft. In mindestens einem Fall haben sich die monatlichen KI-Ausgaben auf mehr als 15 Millionen US-Dollar verdreifacht.
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Citi schaltet Spitzenmodelle zeitweise ab – und dementiert
Am deutlichsten fällt die Reaktion bei Citi aus. Laut einer internen E-Mail, die 404 Media vorliegt, hat die Bank am 24. Juni den Zugriff auf die leistungsstärksten verfügbaren KI-Modelle vollständig deaktiviert; eine Wiederfreischaltung war erst für Anfang Juli vorgesehen.
- Begründet wurde der Schritt damit, dass diese Modelle pro Anfrage deutlich mehr an internem KI-Guthaben verbrauchten. Da Tokenkontingente unternehmensweit gebündelt sind, ziehen Vielnutzer stärker aus dem gemeinsamen Pool.
- Laut der E-Mail reagiert Citi damit direkt auf eine Umstellung von GitHub, das im Juni von einem Pauschal- auf ein nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell gewechselt ist.
Gegenüber 404 Media bestritt Citi allerdings, Modelle deaktiviert oder Tokenkontingente zugewiesen zu haben.
Von 5 auf über 15 Millionen US-Dollar in neun Monaten
Auch bei Atlassian, dem Unternehmen hinter dem Entwicklertool Jira, ist die unbegrenzte KI-Nutzung Geschichte. Ein neues internes Dashboard zeigt Mitarbeitern jetzt an, welche Kosten ihre KI-Nutzung verursacht.
Laut den von 404 Media eingesehenen Daten stiegen Atlassians Ausgaben für Cloud- und KI-Dienste von rund 5 Millionen US-Dollar im August 2025 auf über 15 Millionen US-Dollar im Mai 2026.
Atlassian erklärte gegenüber 404 Media, diese Zahlen würden die tatsächliche Nutzung nicht korrekt widerspiegeln, ohne dies zu konkretisieren. Ein Atlassian-Mitarbeiter schildert, viele liefen nun bereits nach zwei bis drei Tagen ins Limit, besonders bei Nutzung von KI-Agenten oder den neuesten Claude-Modellen.
»Token-Wirtschaft« als neuer Geschäftszweig
Auch die Beratungsgesellschaft Accenture beobachtet laut 404 Media bei ihren Kunden stark steigenden Tokenverbrauch – wobei diese Kunden die KI wohl für eher kleinere Aufgaben verwenden.
Demnach stellte Accenture fest, dass ein Großteil der KI-Nutzung bei ihren Kunden nicht auf besonders produktive Entwickler zurückgeht, sondern schlicht auf das Konvertieren von PDF-Dokumenten in Präsentationsfolien.
- Die Situation hat dabei einen ironischen Beigeschmack: Laut den Aufnahmen hatten hochrangige Accenture-Mitarbeiter ihre Kunden zuvor selbst dazu gedrängt, KI so schnell wie möglich einzuführen.
- Nun positioniert sich die Beratungsgesellschaft als Lösung für genau das Problem, das sie mit angestoßen hat – ein Mitarbeiter sprach intern von einer neuen Geschäftschance, Kunden beim Verständnis von »Token-Wirtschaft« zu beraten.
Intern setzt Accenture unterdessen weiter auf spielerische KI-Projekte: Screenshots, die 404 Media vorliegen, zeigen ein selbst entwickeltes Tool, mit dem Mitarbeiter den Gewinner der Fußball-Weltmeisterschaft vorhersagen können.
Ein namentlich nicht genannter Insider kommentiert das gegenüber 404 Media süffisant: Man versuche weiterhin, KI auf allen Ebenen durchzudrücken, während sich alle gegenseitig übertreffen wollen, neue Wege zum Verschwenden von Wasser zu finden – und niemand hält inne und mahnt zur Zurückhaltung.
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