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Gaming-Headset mit irren 300 Stunden Laufzeit? Das HyperX Cloud Alpha im Test

Hands on: Mir ist nicht geheuer, dass das HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset 12 Tage durchhält und dabei auch noch einen Hammersound fabriziert.

von Denis Brown,
16.04.2022 11:00 Uhr

Das Wichtigste In Kürze: Mit dem HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset betritt ein neuer Laufzeit-König die Arena, der bei bei Sound und Tragekomfort ebenfalls abliefert. Das Design und der Funktionsumfang lassen angesichts des Preises von 230 Euro (UVP) noch Spielraum für Verbesserungen.
Pro
  • satter Klang
  • extrem lange Akkulaufzeit
  • bequem & fest anliegend
  • gutes passives Noise Cancelling
Contra
  • hoher Preis
  • altbackenes Design

Ich habe dieses Headset von allen Seiten genau untersucht. Nirgendwo sind Pentagramme oder Runen zu sehen, obwohl ich mir sicher bin, dass schwarze Magie am Werk ist. Bis zu 300 Stunden kabellose Laufzeit mit einer einzigen Akkuladung? Zwölfeinhalb Tage am Stück?

Wenn die fest verbaute Batterie ein halbes Kilo auf die Waage brächte, würde ich vielleicht gelangweilt abwinken, aber das gesamte Headset inklusive des ansteckbaren Mikrofons wiegt nur 337 Gramm. Damit krönt sich das HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset für PC sowie PlayStation 4 und 5 zum Laufzeit-King.

Hat jemand vom Marketing zu dick aufgetragen? Nein, die Zahlen stimmen tatsächlich. Ein Trick ist trotzdem dabei, denn die versprochenen bis zu 300 Stunden wurden bei 50 Prozent Lautstärke erreicht. Noch dazu mit dem Song Hotel California von den Eagles in Dauerschleife. Der Song bringt nicht einmal Omas Hörgerät ins Schwitzen.

Nicht das modernste Design, aber bequem und widerstandsfähig. Nicht das modernste Design, aber bequem und widerstandsfähig.

Dauerbeschallung

Ich wollte es genau wissen, deswegen habe ich meine komplette Musiksammlung in eine Playlist gepackt. Da ist genremäßig fast alles aus den letzten sieben Jahrzehnten dabei - außer natürlich Schlager. Das würde ich dem armen Headset nicht antun. Hey, ich bin doch kein Unmensch.

Mit einem Potpourri aus Pop, Metal, Rock, Drum and Bass, Jazz, Soul und Hip-Hop auf voller Lautstärke war nach rund 170 Stunden Feierabend. Noch immer ein heftiges Ergebnis!

Aber noch bevor mein Dauertest beendet war, kam ich ins Grübeln: braucht man denn im Alltag so viel Laufzeit? Hätte es ein halb so großer Akku genauso gut getan, wenn das Headset dafür um ein paar Features reicher oder etwas günstiger wäre? Die UVP von 230 Euro ist schließlich eine heftige Ansage.

Meine Antwort: Ja und nein. Es kommt darauf an, was man von einem Gaming-Headset erwartet.

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Man bekommt für das Geld fetten Sound, DTS-X-Raumklang-Unterstützung und eine ordentliche Begleitsoftware. Dazu gleich mehr. Das per Klinke eingesteckte Mikrofon ist etwas Höhen-lastig (zwecks deutlicher Kommunikation mit den Clan-Kumpanen), geht aber insgesamt in Ordnung. Ein USB-C-Kabel und ein Popschutz für das Mikrofon gehören zum Lieferumfang.

Anschluss an PC und PlayStation findet das Headset über diesen kleinen USB-Dongle. Anschluss an PC und PlayStation findet das Headset über diesen kleinen USB-Dongle.

Für den gleichen Preis gibt es dennoch flexiblere Headsets, die man alternativ per Bluetooth mit dem Handy koppeln kann. Das funktioniert mit dem HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset leider nicht, weil es ausschließlich über einen rund 4 x 2 cm großen USB-Dongle angesprochen wird. Schon komisch. Unterwegs hätte die Akkulaufzeit Sinn ergeben. Aber zuhause, wo ich es jederzeit aufladen kann? Alternative Anschlussmöglichkeiten fehlen komplett, darum schauen auch Xbox-Gamer in die Röhre.

So satt und klar

Immerhin: Für 230 Euro erhält man weit mehr als nur ein brillantes Energiemanagement, denn der Hörgenuss animiert zum Tanzen. Mithilfe zweier unabhängiger Treiber je Ohrmuschel generiert das HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset einen wahnsinnig satten Klangteppich, bei dem Höhen, Mitten und Tiefen gleichberechtigt koexistieren. Er ist zwar allgemein etwas Bass-lastig, aber nicht auf erdrückende Weise, und schon gar nicht matschig, wie es oft bei qualitativ minderwertigen Bass-Kopfhörern der Fall ist.

Nach mehreren Stunden mit den Action-Adventures Tunic (PC) und Horizon Forbidden West (PS5), sowie den Rennspielen Assetto Corsa Competizione (PC) und Gran Turismo 7 (PS5) konnte ich keine Beschwerden anmelden. Sprache in Zwischensequenzen war hervorragend zu verstehen, während das tiefe Brummen von Motoren ordentlich ins Mark ging, ohne Feinheiten wie etwa das ächzende Metall des Fahrzeugchassis, das man in Assetto Corsa Competizione vernimmt, zu verdrängen.  

Das Mikrofon lässt sich wahlweise abmontieren. Das Mikrofon lässt sich wahlweise abmontieren.

Allerdings hatte ich das Gefühl, dass Zischlaute in der Sprachausgabe, wie auch besonders hohe Soundeffekte (beispielsweise Fahrten durch das Kiesbett) ein wenig leiser wiedergegeben wurden, als ich es gewohnt bin. Das ist beim Spielen kein negativer Kritikpunkt, denn in diesem Frequenzbereich wirken solche Töne oft etwas schrill und beißend. Aber wie wirkt sich das denn bei Musik aus?

Der Musik-Härtetest

Für meinen (subjektiven) Soundtest zog ich mehrere charakteristische Musikstücke heran, die so ziemlich jedes Headset an ihre Grenzen bringen. Etwa den Song „Isobel“ von Björk, in dessen orchestralem B-Teil tiefe Kontrabässe mit einer hohen Piccolo-Flöte harmonieren. Billige Headsets verhaken sich beim Versuch, beides gut darzustellen, irgendwo in den Mitten und verderben dabei alles.

Nicht so das HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset. Es ließ beiden Extremen Platz zur Entfaltung. Zwar waren Bereiche in den Höhen (vor allem bei den Percussions) tatsächlich etwas leiser, aber das ließ sich durch eine Equalizer-Änderung in der mitgelieferten Treibersoftware leicht anpassen.

Kleine Schwächen zeigt das Modell trotzdem. Der orchestrale Teil von Björks Isobel beweist, dass das HyperX Cloud Alpha Wireless Gaming Headset zwar eine weite Frequenzspanne beherrscht, aber trotzdem nur ein Gaming Headset ist, und kein Hi-Fi-Spielzeug. Denn wenn der Kontrabass auf das tiefe E heruntergeht, bringt er die kleinen Membranen kurzzeitig zum Flattern.

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Kein Beinbruch. Die einzigen Kopfhörer meiner Kenntnis, die diesen Test bestehen, bewegen sich oberhalb der 500-Euro-Marke. Andere Bass-lastige Tracks aus dem Hip-Hop- sowie Drum-and-Bass- Bereich meisterte das HyperX problemlos.

Außerdem glänzte das Headset an anderen Stellen um so lässiger. Wie oft musste ich miterleben, wie der Song Knights of Cydonia von Muse durch billige Kopfhörer zu einem undefinierbaren Brei vermischt wurde. Viele Klangelemente tummeln sich in den Mitten, was es schon in der unkomprimierten CD-Version schwer macht, sie auseinanderzuhalten. Noch schlimmer ist’s im komprimierten MP3-Downmix.

Tia, was soll ich sagen. Ich durfte schon lange nicht mehr so freudig im letzten Drittel des Songs Headbangen wie mit diesem Headset. Alle Mitten sind rasierklingen-scharf definiert, wuchtig und brillant.

Die Spannung des Kopfbügels ist ordentlich, aber nie belastend. Die Spannung des Kopfbügels ist ordentlich, aber nie belastend.

Apropos Headbangen: Das geht wunderbar, weil das Headset ordentlich fest, aber noch immer bequem auf dem Kopf sitzt. Am Material wurde jedenfalls nicht gespart. Der Memory-Schaum um die Ohren ist so dicht, dass ich den Einsturz meines Wohnhauses wohl erst dann bemerken würde, wenn die Abrissbirne meine Nase kitzelt. Ebenso umgekehrt: von der Musik, die ich hörte, vernahm meine Frau nicht einmal etwas, als ich direkt neben ihr im Bett lag, um die Stärke der Funkverbindung zu testen.

Schade nur, dass das Design etwas altbacken daherkommt. Der Lautstärkeregler an der rechten Ohrmuschel ist zwar gut erreichbar, aber anderweitig punktet das Gerät gestalterisch höchstens noch durch die rote LED, die aufleuchtet, wenn das Mikrofon stummgeschaltet wurde. So lassen sich die Ohrmuscheln beispielsweise nicht kippen, damit man sie beim Abnehmen auf den Schultern lagern kann. Es gibt Schlimmeres.

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