Google verteidigt Praxis, dass Mitarbeiter Gespräche über Sprachassistenten mithören

Neben Alexa hört offenbar auch der Google Assistant persönliche Gespräche seiner Nutzer mit - und Angestellte bei Google transkribieren diese. Google verteidigt dieses Vorgehen.

von Sara Petzold,
14.07.2019 06:25 Uhr

Auch Google Assistant hört anscheinend Gespräche ohne das Wissen der Nutzer mit. Auch Google Assistant hört anscheinend Gespräche ohne das Wissen der Nutzer mit.

Dein Sprachassistent hört mit - und zwar offenbar nicht nur Alexa von Amazon, sondern auch der von Google. Eigentlich wäre das ja nicht weiter schlimm, schließlich sollen sie ja auf Zuruf reagieren und Dienste verrichten.

Allerdings hören Alexa und offenbar auch Google Assistant sensible Gespräche ihrer Nutzer mit, ohne dass diese den entsprechenden Sprachbefehl zur Aktivierung gegeben hätten. Hinzu kommt: Bei beiden Sprachassistenten schreiben Mitarbeiter Teile dieser Gespräche mit und werten sie aus.

Aufnahmen teils ohne Aktivierung

Wie die belgische Newswebseite VRT NWS berichtet, nutzen Google-Angestellte die via Google Assistant aufgenommenen Audio-Mitschnitte, um die Funktionsweise des Sprachassistenten und dessen Wortverständnis zu verbessern.

Der Großteil dieser Aufnahmen geschah mit dem Wissen der Nutzer, einige Gespräche hätte Google allerdings nie mitschneiden dürfen - sensible persönliche Details inklusive.

Insgesamt hörte VRT NWS mehr als eintausend Mitschnitte des Google Assistant an, von denen der Sprachassistent 153 ohne das eigentlich benötigte Signal »Okay, Google« aufgenommen hat. Offenbar startet Google Assistant die Aufnahme bereits dann, wenn das System etwas hört, was ansatzweise diesem Befehl entspricht.

Diese Audiodateien enthielten laut VRT NWS teils höchst private Informationen und bestanden unter anderem aus Gesprächen im Schlafzimmer, beruflichen Telefonanrufen und einem Fall, indem sich eine Frau offenbar in einer schweren Notlage befand. Hören Mitarbeiter derartige Aufnahmen, gibt es für sie keine konkrete Handlungsanweisung seitens Googles.

»Auswertung kritischer Bestandteil der Spracherkennungstechnologie«

Google selbst verteidigte die Aufzeichnungen gegenüber VRT NWS und gab an, dass man »etwa 0,2 Prozent aller Audioaufzeichnungen« von Mitarbeitern auswerten lasse, um die Spracherkennungstechnologie von Google Assistant zu verbessern.

In einem ausführlichen Blog-Post erklärte das Unternehmen außerdem:

"[...] wir arbeiten mit Sprachexperten auf der ganzen Welt zusammen, die die Nuancen und Akzente einer bestimmten Sprache verstehen. Diese Sprachexperten prüfen und transkribieren einen kleinen Teil der Anfragen [an Google Assistant], um uns zu helfen diese Sprachen besser zu verstehen.

Dies ist ein kritischer Bestandteil der Entwicklung von Sprach-Technologie, und es ist notwendig, um Produkte wie den Google Assistant zu erschaffen."

Google schreibt außerdem in Bezug auf den Bericht von VRT NWS, dass ein Mitarbeiter offenbar kürzlich die hauseigenen Datenschutzrichtlinien verletzt habe, »indem er vertrauliche Audio-Mitschnitte aus den Niederlanden weitergegeben hat«.

Das interne Sicherheitsteam habe bereits die Ermittlungen aufgenommen und werde sich darum kümmern, heißt es in der offiziellen Stellungnahme.


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