HDD hört mit - Forscher machen Magnet-Festplatte im PC zu Mikrofon

Per Magnet-Festplatte lassen sich menschliche Stimmen in deren Umgebung belauschen. Forscher konnten deren mechanische Komponenten als Mikrofon nutzen.

von Sara Petzold,
11.03.2019 20:15 Uhr

Festplatten lassen sich über Umwege zu Mikrofonen umfunktionieren.Festplatten lassen sich über Umwege zu Mikrofonen umfunktionieren.

Traditionelle Festplatten mit Magnetscheiben verfügen offenbar über bislang ungeahnte Kapazitäten: Sie können als Mikrofon fungieren und menschliche Stimmen aufnehmen, indem sie messen, wie Soundwellen die mechanischen Bestandteile einer HDD zum Schwingen bringen.

Laut TheRegister haben Forscher der Universität Michigan in den USA und der Zhejiang Universität in China dieses Potenzial von HDDs entdeckt und im Rahmen einer Studie analysiert.

Die Forscher stellten dabei nach eigenen Angaben fest, dass Schallwellen mechanische HDD-Komponenten wie die Magnetscheiben zum vibrieren bringen, was sich wiederum auswerten lässt - fertig ist das HDD-Mikrofon.

Die Aufnahmequalität ist dabei hoch genug, dass der Musikerkennungs-Dienst Shazam einen über eine HDD aufgenommenen Song einwandfrei erkennen und zuordnen kann.

Fehlerkorrektur im Nanometerbereich

Das funktioniert dank der integrierten Fehlerüberwachung der HDDs. Diese als Positional Error Signal (PES) bezeichnete Funktion überwacht normalerweise die Positionierung der Schreib- und Leseköpfe im Verhältnis zu den Datenspuren auf den Magnetscheiben - schon wenige Nanometer Abweichung können hier zu Fehlern führen.

Und diese PES-Messungen sind so präzise, dass sie auch die durch Schallwellen verursachte Vibrationen der Magnetscheiben messen können, die sich dann über Umwege auswerten lassen.

Praktisch schwierig

Um die Sounds in der Praxis aufzunehmen und zu extrahieren, ist neben einer Manipulation der HDD-Firmware zusätzlich die Installation von Software (etwa einem Trojaner) nötig. Die extrahierten Daten ließen sich dann den Forschern zufolge über das Internet mit modifizierten Linux-Systemdateien über root-Rechte übertragen.

Die ganze Sache hat aber einen weiteren Haken: Damit eine HDD menschliche Sprache tatsächlich aufnehmen kann, müsste das Gespräch eine Lautstärke von mindestens 85 dBA erreichen. Damit Shazam eine Datei erkennt, sind sogar 90 dBA nötig - das entspricht in etwa einem Rasenmäher.


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