Illegaler Streaming-Dienst mit zwei Millionen Nutzern aufgelöst

Europäische Ermittlungsbehörden haben die Betreiber eines illegalen Streaming-Dienstes verhaftet, die mehr als 40.000 Streaming-Inhalte für geschätzte zwei Millionen Nutzer anboten.

von Sara Petzold,
11.06.2020 11:59 Uhr

Illegale Streaming-Dienste versammeln Inhalte diverser legaler Anbieter in einem Paket. Illegale Streaming-Dienste versammeln Inhalte diverser legaler Anbieter in einem Paket.

Zugang zu über 40.000 Streaming-Diensten inklusive Amazon, Netflix, diversen Fernsehsendern und Filmen, zwei Millionen Nutzer, 50 Server in zehn europäischen Ländern, 15 Millionen Euro an Einnahmen - das ist die Bilanz einer Operation europäischer Strafverfolgungsbehörden gegen einen illegalen Streaming-Dienst.

Großrazzia gegen Cyberkriminelle: Wie Eurojust in einer offiziellen Pressemitteilung bekannt gab, nahm die Polizei in Spanien, Dänemark, Schweden und Deutschland insgesamt elf Verdächtige fest, die einen illegalen Streaming-Dienst betrieben haben sollen. Dabei durchsuchten sie 15 Gebäude und fanden unter anderem Luxusautos, Schmuck, Bargeld und Crypto-Währung im Wert von 4,8 Millionen Euro sowie weitere 1,1 Millionen Euro auf verschiedenen Bankkonten.

Kriminelle agierten hauptsächlich von Spanien aus

Netflix, Amazon Video und mehr im illegalen Sparpreis-Bundle: Die Gruppierung, die offensichtlich dem organisierten Verbrechen angehört, startete ihr illegales Streaming-Angebot im Jahr 2014. Nutzer erhielten Zugang zu Inhalten diverser Streaming-Dienste und Online-Services, wobei der Preis für das Angebot deutlich unter dem Marktwert gelegen haben soll.

Die Cyberkriminellen akzeptierten Zahlungen über PayPal, Banküberweisung und Kryptowährung. Wieviel das illegale Angebot genau kostete, gibt Eurojust nicht an. Allerdings berichtet Gizmodo mit Bezug auf einen Bericht der spanischen Zeitung El Pais, dass Nutzer einer ähnlichen illegalen Streaming-Seite, die die spanische Polizei 2019 hochnahm, je nach Paket zwischen 40 und 460 Euro pro Monat gezahlt hätten.

Um ihr illegales Streaming-Angebot aufzubauen, nutzten die Betreiber Computer-Server, um auf die Übertragungen von legalen Diensten und Fernsehsendern zuzugreifen beziehungsweise diese abzufangen. Dann leiteten sie diese Inhalte illegal an ihre eigenen Kunden weiter.

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Ein Mehr an Streaming-Diensten begünstigt Piraterie: Der Analyst Tim Mulligan begründete den Erfolg illegaler Streaming-Webseiten gegenüber Bloomberg mit dem wachsenden Markt. Er sagte, die konstante Bedrohung durch Urheberrechtspiraterie hänge mit den Kosten für Streaming-Angebote zusammen.

Wenn immer mehr Streaming-Dienste auf den Markt drängen, steigen die Kosten für die Nutzer, weil diese wiederum für jeden Dienst ein eigenes Abo abschließen müssen. Wer in den Genuss der großen Vielzahl an Inhalten kommen möchte, die der Markt bietet, aber nicht bereit ist, den Preis dafür zu zahlen, fühle sich zu illegalen Angeboten hingezogen, so Mulligan.

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