Irres Hybridnahrungsmittel: Wissenschaftler erfinden wilden Mix aus Rindfleischzellen und Reiskörnen - wollen damit wachsende Weltbevölkerung ernähren

Frankensteins Küche? Zumindest die Absicht dahinter scheint in Teilen nachvollziehbar.

Die Idee hinter gezüchtetem Laborfleisch ist theoretisch nicht neu - als Hybridessen in Form einer Rind-Reis-Mischung allerdings schon. (Quelle: Adobe Stock) Die Idee hinter gezüchtetem Laborfleisch ist theoretisch nicht neu - als Hybridessen in Form einer Rind-Reis-Mischung allerdings schon. (Quelle: Adobe Stock)

Die Bevölkerung unserer Welt wächst stetig und stellt uns vor große Herausforderungen. Die Belastung für die Umwelt steigt und wir müssen immer größere Nahrungsmittelmengen produzieren.

Das bedeutet große Flächen für den Anbau, die Viehzucht und natürlich auch einen hohen Wasserverbrauch. Wissenschaftler haben jetzt eine Idee veröffentlicht, wie sie diese Faktoren verringern können – und die ist ziemlich verrückt.

In einer Studie vom 14. Februar 2024 haben sie ihre Idee beschrieben: Sie haben Tierzellen auf Reiskörner aufgetragen, welche anschließend zu einem hybriden Lebensmittel verwachsen sind.

Diese absurd wirkende Idee könnte unser Verständnis von Essen auf den Kopf stellt und gleichzeitig die wachsende Weltbevölkerung der Zukunft ernähren. Dazu gleich mehr.

Nicht sehr appetitlich, aber zukunftsweisend?

So sieht das hybride Essen der Wissenschaftler übrigens aus:

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Die Idee dahinter: Die Forscher haben sich bei ihren Versuchen für Reis entschieden, weil dieser ein niedriges Allergie-Risiko aufweist und gleichzeitig bereits aus 80 Prozent Stärke und 20 Prozent Eiweiß und anderen Nährstoffen besteht. Eine für die Forscher ideale Plattform:

Stellen Sie sich vor, alle Nährstoffe, die wir brauchen, aus zellkultiviertem Proteinreis zu gewinnen. Reis hat bereits einen hohen Nährstoffgehalt, aber durch die Zugabe von Zellen aus Nutztieren kann dieser noch gesteigert werden.

Sohyeon Park laut Magazin eurekalert

Was genau haben die Forscher gemacht? Laut dem Magazin eurekalert lief der Versuch der Wissenschaftler von der Yonsei-Universität in mehreren Schritten ab. Hier ein vereinfachter Überblick:

  • Schritt 1: Die Forscher bestrichen den Reis zuerst mit Fischgelatine. Das hilft den später eingesetzten Zellen, sich besser an den Reis zu heften. Außerdem verbessert es die Zellstabilität.
  • Schritt 2: Stammzellen aus Rindermuskeln und -fett werden in den Reis injiziert und dort für neun bis elf Tage in der Umgebung einer Petrischale kultiviert.

Laut den Forschern erfüllt das Endprodukt sämtliche Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit und weist ein geringes Risiko für die Auslösung von Lebensmittelallergien auf. Ist es also das perfekte Lebensmittel der Zukunft?

Visuell gewöhnungsbedürftig: Wie ihr oben im Twitter-Post bereits sehen konntet, sieht das Endprodukt aus wie eine seltsame Kombination aus Hackfleisch und Reis. Es sind klebrige, rosa Körner, welche einen erhöhten Gehalt an Fett, Proteinen und Kohlenhydraten aufweist.

In der folgenden Tabelle seht ihr die Unterschiede laut Science Alert. Das Magazin hat die Werte der Studie mit denen von normalem Reis verglichen. Wir haben sie euch in einer kleinen Tabelle gegenübergestellt:

Pro 100gHybrid-ReisNormaler ReisRindfleisch (kann variieren)
Kohlenhydrate48,35g48,19g0g
Eiweiß3.890 mg (=3,89g)3.580 mg (=3,58g)ca. 26g
Fett150 mg (=0,15g)140 mg (=0,14g)ca. 20g

Warum es sich lohnen könnte, über diesen rosa Rinder-Reis nachzudenken

Normalerweise beziehen wir das benötigte Eiweiß aus der Viehzucht, aber die Viehzucht verbraucht viele Ressourcen und Wasser und setzt eine Menge Treibhausgase frei.

Das sagt Sohyeon Park, der Hauptautor der Studie laut dem eurekalert-Beitrag. Ein Zitat, dem die vegetarischen und veganen Leser unter euch im ersten Teil widersprechen werden. Der Wissenschaftler Park argumentiert zumindest so:

Günstiger und grüner als herkömmliche Viehzucht: Pro 100 g produziertes Eiweiß setzt der Hybrid-Reis etwa 6,27 kg an CO2 frei – Rindfleisch liegt hier bei 49,89 kg.

Der Preis ist dabei deutlich billiger. Die Forscher rechnen hier mit einem Preis von 2,23 Dollar pro Kilogramm (2,08 Euro) statt 14,88 Dollar bei regulärem Rindfleisch.

Pro Tierwohl? Der Wissenschaftler spricht selbst von Nutztieren. Der Fokus liegt also klar bei der Ernährung der Menschen und nicht beim Schutz von Tieren.

Die Studie klärt zwar nicht auf, wie die Tierzellen letztendlich gewonnen und kultiviert werden, aber laut der deutschen Verbraucherzentrale muss für die Entnahme solcher Stammzellen zumindest in der Theorie kein Rind getötet werden - das geschieht in der Regel bei lebenden Tieren.

Wissenswert: Diese Praxis der Entnahme von Stammzellen zur künstlichen Zucht von Fleisch aus tierischen Zellen kommt bereits bei der Herstellung von sogenanntem Laborfleisch zum Einsatz.

Es gibt laut der Verbraucherzentale ein großes Aber:

Für die Herstellung von Laborfleisch müssen zurzeit meist noch Kälber getötet werden, weil fetales Kälberserum immer noch als Nährmedium für die Fleischzellen genutzt wird. Solange für das Nährmedium weiterhin Tiere sterben müssen, steckt damit auch in Laborfleisch Tierleid.

Den Faktor Tierwohl nennt der Forscher auch in seiner abschließenden Erkenntnis nicht. Nach dem Erfolg seines Experiments formuliert Park laut eurekalert zukünftige Einsatzmöglichkeiten seines hybriden Essens so:

Ich hatte nicht erwartet, dass die Zellen im Reis so gut wachsen würden. Jetzt sehe ich eine Welt voller Möglichkeiten für dieses hybride Nahrungsmittel auf Getreidebasis. Es könnte eines Tages als Nahrungsmittelhilfe für Hungersnöte, als militärische Ration oder sogar als Weltraumnahrung dienen.

Wusstet ihr, dass so eine Art Hybrid-Essen möglich ist? Autor Kevin wusste es bis zur Recherche nicht und war etwas angewidert, aber auch fasziniert. Wie sinnvoll ist so ein Rinderreis eurer Meinung nach? Kann er den Hunger der Weltbevölkerung stillen und bestenfalls Tierleid vermindern? Schreibt eure Gedanken dazu gerne in die Kommentare und tauscht euch aus!

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