Deutsche Antiquariatsbesitzer berichten von einem Käufer, den sie sich nicht erklären können. Er nimmt alles ab, was seit Jahren im Regal steht: Sachbücher, Fachtitel, Biografien – längst vergriffen und eigentlich unverkäuflich. Pro Titel immer genau ein Exemplar. Kein Interesse an Raritäten oder Erhaltungszustand. Bezahlt und abgeholt.
Laut einem SRF-Bericht haben sich in einem Branchenforum für Antiquare identische Erfahrungen gehäuft. Als mutmaßlicher Abnehmer gilt das kanadische Unternehmen Zoom Books. Die Aufträge treffen automatisiert zwischen drei und fünf Uhr morgens ein.
Ein Zwischenlager soll an der tschechisch-deutschen Grenze eingerichtet worden sein; das geschätzte Aufkaufvolumen liegt laut einem betroffenen Händler bei 700.000 Titeln allein in Deutschland. Zoom Books weist im selben Bericht einen KI-Trainingshintergrund zurück und gibt an, im regulären Handels- und Recyclinggeschäft tätig zu sein.
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Wenn der Chatbot zur Gefahr wird: KI und unsere Psyche
Erschöpfte Daten, altes Wissen – und ein juristisches Schlupfloch
Den technischen Hintergrund liefert ein Datenproblem, das die KI-Branche seit geraumer Zeit beschäftigt. Öffentlich zugängliche Internettexte – Nachrichtenartikel, Forenbeiträge, Webseiten – sind als Trainingsmaterial für große Sprachmodelle inzwischen weitgehend verwertet.
Gedruckte Bücher aus den Jahrzehnten vor der Digitalisierung sind dagegen noch unangetastet und gelten als Texte, die kein Webcrawler je erfasst hat.
- Hinzu kommt ein juristischer Hintergedanke. Digitale Kopien urheberrechtlich geschützter Texte ziehen in den USA seit Jahren Klagen nach sich.
- Das physische Kaufen und anschließende Vernichten eines Buches nach dem Einlesen gilt in der Branche als mögliche Grundlage für eine Fair-Use-Argumentation: Bleibt keine dauerhafte Digitalkopie übrig, entfällt ein zentrales Angriffsziel für Urheberrechtsklagen.
Ob US-Gerichte das durchgehend so beurteilen, ist offen – einen Präzedenzfall gibt es aber.
Anfang 2026 enthüllte die Washington Post auf Basis freigeschalteter Gerichtsakten, dass Anthropic unter dem internen Projektnamen »Project Panama« Millionen physischer Bücher kaufte, einscannte und recycelte.
US-Bezirksrichter William Alsup wertete das KI-Training auf diesem Weg als rechtlich zulässige Fair-Use-Nutzung. Problematisch war einzig, wie Anthropic einen Teil seiner Bücher zuvor beschafft hatte – über illegale »Schattenbibliotheken«.
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