Eine neue Allianz zwischen dem Schweizer Technologieunternehmen »Punkt.« und dem deutschen Hersteller Gigaset könnte die europäische Smartphone-Landschaft verändern. Ab dem vierten Quartal 2025 wollen die Partner das erste vollständig in Europa produzierte Mobilgerät auf den Markt bringen – ein Gegenentwurf zu den dominierenden Herstellern aus Asien und den USA.
Schweizer Datenschutz trifft deutsche Fertigung
Die Partnerschaft zwischen Punkt. und Gigaset vereint zwei verschiedene Kompetenzen: Das Schweizer Unternehmen aus Lugano hat sich als Spezialist für minimalistisches Design und datenschutzorientierte Technologie etabliert.
- Punkt. gehört zu einer wachsenden Gruppe europäischer Tech-Firmen, die sich als Alternative zu den großen amerikanischen und chinesischen Konzernen positionieren.
- Statt auf Datensammlung und Werbefinanzierung zu setzen, verfolgt das Unternehmen ein Geschäftsmodell, bei dem Nutzer den Schutz ihrer persönlichen Daten in den Fokus rücken.
Gigaset soll hingegen die Produktionsexpertise mitbringen: Der deutsche Hersteller fertigt bereits seit 2018 Smartphones in seinem Werk in Bocholt, Nordrhein-Westfalen. Die hochautomatisierte Produktionslinie arbeitet mit Fertigungsrobotern und erreicht dadurch Herstellungskosten, die mit asiatischer Produktion konkurrieren können.
Besonders stolz ist man nach eigenen Angaben auf die niedrige Fehlerquote: Laut dem Hersteller liegt die Retourenquote 90 Prozent unter dem Branchendurchschnitt. Alle Geräte werden zudem mit CO₂-freiem Grünstrom produziert.
Apostrophy OS als Herzstück der Datensouveränität
Das neue Smartphone wird mit Apostrophy OS ausgestattet sein – einem in der Schweiz entwickelten Betriebssystem, das maximalen Datenschutz verspricht.
Apostrophy basiert auf dem Android Open Source Project, verzichtet aber vollständig auf Google-Dienste. Stattdessen bietet das System eine eigene Cloud-Infrastruktur mit Servern in der Schweiz und anderen EU-Ländern.
Das Besondere an Apostrophy OS ist die segmentierte Architektur: Ein Bereich schützt persönliche Daten und App-Integrität, während ein separater, abgeschotteter Bereich bei Bedarf den Google Play Store und Android-Apps akzeptieren kann.
Europäische Alternative im wachsenden Markt
Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, in dem der europäische Smartphone-Markt nach vier Jahren des Rückgangs wieder wächst. 2024 wurden über 136 Millionen Geräte in Europa verkauft – ein Anstieg von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr (via Canalys).
Die Partner sehen sich als Antwort auf die Herausforderungen, die im von Asien und Amerika dominierten Smartphone-Markt entstehen – gerade im Hinblick auf (Kritik an ihr hin oder her) wachsende Gefahrenquellen durch Künstliche Intelligenz. Petter Neby, Gründer und CEO von Punkt., betont:
Diese Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt hin zu unserem Ziel, Geräte von höchster Qualität zu entwickeln – gefertigt in Europa, mit Fokus auf Vertrauen, Langlebigkeit und Präzision. Die Produkte richten sich an alle, die Wert auf ein gesundes Verhältnis zur Technologie legen und ihre persönlichen oder geschäftlichen Daten in eigener Hand behalten möchten.
Hillson Cheung, President of Telecommunications Products bei VTech (der Muttergesellschaft von Gigaset), sieht in der Partnerschaft ebenfalls eine Antwort auf die »wachsende Nachfrage nach erstklassigen mobilen Produkten aus Europa«. Die Zusammenarbeit verbinde »führende globale Technologie mit herausragender Fertigungsqualität«.
Was haltet ihr von der Idee eines »Made in Europe«-Smartphones? Wärt ihr bereit, für europäische Produktion und maximalen Datenschutz einen höheren Preis zu zahlen als für vergleichbare Geräte aus Asien?
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