Seit einigen Jahren heißt es für mich: Weckt mich, wenn der September endet. Denn dann ist Meta Connect und die will ich nicht verpassen. Schon, um zu sehen, ob Zuckerberg wieder witzige kleine Missgeschicke wie der mit dem WLAN-Problem bei der Präsentation von auf WLAN angewiesener Funktionen geschehen. Aber natürlich primär, weil mich die Entwicklungen im Bereich VR interessieren, bei denen Meta lange maßgeblich beteiligt war.
Meta wird zum Brillenhersteller
Die 2026er-Connect war besser durchgeplant - was allerdings das Highlight der Präsentationen war, ist wohl subjektiv. Meta Ray-Ban als Hörgeräteersatz? Oder doch eher eine smarte Brille ohne Kameras, weil offenbar der Protest gegen Spionagebrillen wächst? Nein, als VR-Enthusiast schon seit den 1990ern war es natürlich die Meta Quest 4.
Ach nein, die gab es ja gar nicht zu sehen. Stattdessen präsentierte Meta die Meta VR Glasses. Also die Meta VR-Brille. Was war dann die Quest? Aaah, Meta VR Glasses ist keine schwammige Bezeichnung, sondern wirklich der Produktname? Kreativ, Meta. Kreativ.
Aber abgesehen davon, erinnern diese Meta VR Glasses tatsächlich viel mehr an eine moderne Sonnenbrille, als an ein VR-Headset. Schnittig! Und mit 100 Gramm auch noch extrem leicht. Ok, dafür gibt es einen Trick, der nicht allen gefällt.
Meta betont: VR ist ihnen weiterhin wichtig. Reicht das?
Die Meta VR Glasses stehen schon mit dem Namen für ein Versprechen: Wir haben VR nicht vergessen oder gar beerdigt. Das betonte Mark Zuckerberg auf der Bühne während der Connect-Keynote. Und ja, die Dinger können VR und haben technisch ein paar Dinge drauf, die ich mir schon von der Meta Quest 3 gewünscht hätte. Eyetracking beispielsweise.
Doch auch, wenn Zuckerberg das Überleben der virtuellen Realität betont: Eine VR-Brille ist das Ding trotz seines Namens nur sekundär. Und das ist für mich als VR-Enthusiast vielleicht enttäuschend, für die meisten anderen potenziellen Kunden aber wohl gar nicht so schlimm. So richtig durchsetzen konnten sich vollimmersive VR-Erfahren in den letzten 8 Jahren ja dann doch nicht unbedingt.
Es war klar, dass Meta Kompromisse eingehen muss, um VR in einen so kleinen Formfaktor zu stecken, wie ihn die Meta VR Glasses bieten: In so eine schmale und leichte Brille passt nicht viel leistungsstarke Hardware. Eigentlich so gut wie gar keine - daher lagert Meta Rechenleistung und Akku in einen per Kabel verbundenen Puck aus. Das machen Hersteller von MR-Brillen und auch Apple mit der Vision Pro schon länger so, praktisch fand ich es noch nie.
Meta MR Glasses wäre der realistischere Name
Aber hier ist der Punkt: Die Meta VR Glasses haben VR zwar im Namen, eigentlich handelt es sich aber um eine Mixed-Reality-Brille, die VR eher als Nebeneffekt mitbringt. Ebenfalls lustig dabei ist, dass Apple verzweifelt versucht hat, die Vision Pro argumentativ nicht zu nah an VR heranzubringen und Meta nun genau das Gegenteil macht.
Mir persönlich kommt es bei VR allerdings auf Dinge an, die Meta in dieser Generation nicht bietet. Möglichst wenig Lichteinlass an den Seiten beispielsweise, um die virtuelle Realität immersiv genießen zu können. Ok, da soll ein Light-Leakage-Kit kommen, das euch besser vor Photonen schützt, die da nicht hingehören - aber es gehört nicht zum Lieferumfang.
Besonders trifft mich aber das Field of View. Bereits die Meta Quest 3S fiel mit einem gegenüber der Meta Quest 3 etwas geringerem Sichtfeld auf. Bedeutet in der (virtuellen) Realität: Je kleiner das Field of View ausfällt, desto eingerahmter ist euer VR-Erlebnis. Um das eigentliche Bild gibt es mit abnehmendem FoV immer größere schwarze Rahmen. Stellt euch das wie abnehmende TV-Bildschirmdiagonalen bei ansonsten gleichem Sitzabstand vor.
Als Immersions- und VR-Fan hätte ich mir zumindest den Quasi-Standard der Meta Quest 3 gewünscht, da sind es ca. 110 Grad horizontales Field of View. Zum Vergleich: Quest 3S kommt auf nur noch ca. 96 Grad, ganz wie die Quest 2 einige Jahre zuvor. Steam Frame gesellt sich in etwa bei der Meta Quest 3 ein, eine Pimax Crystal Super kommt je nach Optiksystem auf 106 bis 140 Grad. Letzteres ist übrigens wirklich beeindruckend, kann aber auch VR-Übelkeit forcieren.
Nur um Übelkeit vorzubeugen, dürfte Meta bei der neuen Generation das FoV aber nicht auf nur noch ca. 70 Grad gesenkt haben, das ist eher durch die Bauart bedingt. Und natürlich sind 70 Grad viel mehr als die nur 20 einer Meta Ray-Ban Display. Die hat aber eben auch keine VR-Funktion, sondern nur ein winziges Display im Sichtfeld, da braucht es kein tolles Field of View.
Das Sichtfeld der Meta VR Glasses ist problemlos ausreichend für MR-Anwendungen, auch wenn Hauptkonkurrent Apple Vision Pro etwas mehr bietet. In VR schränkt es den Mittendrin-Effekt aber stark ein.
VR-Shooter ohne Controller sind… nicht so toll
Zudem werden die Meta VR Glasses ohne Controller geliefert. Das ist für den Anwendungszweck als Vision-Pro-Konkurrenz nachvollziehbar, schließlich hat Meta die Steuerung per Handerkennung schon seit Jahren auf der Featureliste und bietet inzwischen sehr gute Ergebnisse. So gute, dass das altehrwürdige Beat Saber jetzt einen Handtracking-Spielmodus für die Meta VR Glasses bekommt.
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Bei Spielen mit Waffeneinsatz, sorry, die liebe ich nun einmal sehr, ist die nackte Hand aber kein so gutes und vor allem wenig immersives Eingabegerät, da braucht man Gewicht und einen Triggerbutton. Kauft ihr euch die Meta VR Glasses für solche Spiele, solltet ihr daher entweder noch Quest-3-Controller besitzen oder euch welche besorgen. Dem Headset beiliegen tun sie nicht.
VR ist nur noch eine Sidequest
Es ist recht offensichtlich, dass Meta sich irgendwann in den letzten Jahren dafür entschieden hat, die Quest 4 zur Nebenquest zu degradieren und die bereits erforschte Technologie zu einem komplett anderen Produkt zusammenzusetzen. Das ist gut, so bekommen wir ein High-End-Headset, das sich super für Medienkonsum und Arbeit an virtuellen Displays eignet und mit dem wir zwischendurch ein wenig spielen können.
VR ist aber, trotz vieler gegenteiliger Bekundungen und der auffälligen Namensgebung, definitiv nicht der Haupteinsatzzweck der Brille. Zusammen mit dem gegenüber der Meta Quest 3 doppelt so hohen Preis und dem Nachteil eines Kabel-Pucks wäre das mir persönlich zu wenig VR-Fokus um unbesehen zuzuschlagen.
Mag sein, dass sich die Meta VR Glasses dann doch noch als der perfekte Kompromiss herausstellen. Ich persönlich glaube aber eher, dass Meta VR schon noch mag, aber ein wenig vom VR-Gaming wegkommen will. Mehr KI, mehr Mixed Reality, mehr Vision Pro aber weniger Quest. Ein Kompromiss zulasten der VR-Gene, auch wenn das Unternehmen das Gegenteil zu kommunizieren versucht.

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