Ich habe eine Nacken-Klimaanlage getestet, die bei YouTube beworben wird, damit ihr es nicht müsst

Bei YouTube wurde mir die Ranvoo Aice Lite Max oft in meinen Feed gespült. Also habe ich sie gekauft und für euch ausprobiert.

Um der Hitze zu trotzen, habe ich mir eine Nacken-Klimaanlage gekauft. Hat sich das gelohnt? (Bildquelle: GameStar Tech) Um der Hitze zu trotzen, habe ich mir eine Nacken-Klimaanlage gekauft. Hat sich das gelohnt? (Bildquelle: GameStar Tech)

Auch wenn wir hier in Norddeutschland in diesem Jahr nicht ganz so extrem von der Hitze geplagt werden wie andere Teile Deutschlands, hatten auch wir schon einige Tage mit deutlich über 30 Grad. Im Homeoffice werden es bei mir in der Zeit gerne mal 28 Grad und mehr – ziemlich anstrengend, wenn man sich auf Dauer konzentrieren möchte.

Ich habe daher nach einer Lösung gesucht, die über meinen alten Ventilator hinausgeht. Mein Schlafzimmer kann ich glücklicherweise mit der Midea PortaSplit herunterkühlen, für das Erdgeschoss habe ich bis auf den 20 Jahre alten Ventilator keine Option.

Erster Versuch: Enttäuschung mit der Reon Pocket Pro

Ich bin in den vergangenen Jahren des Öfteren auf die Reon Pocket Pro von Sony gestoßen – eine Nacken-Klimaanlage, die mithilfe einer Kühlplatte den oberen Körper leicht kühlen und die Hitze so erträglicher machen soll.

Das Gerät habe ich mir dieses Jahr gekauft, um es noch am selben Tag zurückzuschicken. Der Kühleffekt hatte bei mir schlicht keine wirkliche Wirkung.

Wie eine getunte Reon Pocket

Enttäuscht habe ich mich nach Alternativen umgeschaut und eine gefunden, die mir auffällig oft bei YouTube begegnete und dort vor allem positiv bewertet wurde: die Ranvoo Aice Lite Max.

Das Halsband mit eigenwilligem Look hat nicht nur größere und umliegende Kühlplatten als das Sony-Modell, sondern auch zwei eingebaute Ventilatoren, die nach oben und nach unten pusten.

Bei Amazon kostete das Gerät zu dem Zeitpunkt rund 250 Euro, das war mir zu teuer. Ich bin dann in den Hersteller-Shop abgebogen. Dort gab es das Gerät günstiger, zudem einen zusätzlichen Rabattcode – am Ende habe ich gegenüber Amazon 100 Euro gespart.

Was ich nicht wusste: Der Versand war zwar kostenlos, kam aber aus Shenzhen. Einfuhrabgaben musste ich nicht zahlen (damit wirbt der Hersteller auf der Webseite), dafür musste ich allerdings zwei Wochen auf die Lieferung warten.

Montagsmodell erwischt, doch der Kundenservice war super

Das Paket habe ich voller Vorfreude ausgepackt und wurde leider innerhalb von Minuten enttäuscht.

Die Aice Lite Max besitzt intern zwei Ventilatoren, von denen der rechte nicht richtig funktionierte: zunächst ein Wackelkontakt, später lief er dauerhaft auf voller Leistung – nicht regelbar, und er sprang sogar an, wenn das Gerät ausgeschaltet und ans Ladegerät gehängt wurde.

Diesen Defekt will ich gar nicht groß kritisieren – man kann immer mal ein Montagsprodukt erwischen, das kommt vor. Enttäuschend war es nach der Wartezeit trotzdem.

An dieser Stelle muss ich aber ein Lob für den Kundenservice aussprechen: Ich habe mein Problem beschrieben, ein kurzes Video geschickt und um eine schnelle Lösung ohne Hin-und-Her-Versand nach China gebeten.

Wenige Tage später hielt ich ein neues Gerät aus dem deutschen Amazon-Lager in der Hand – und das funktionierte glücklicherweise einwandfrei.

App, Modi und Temperaturbereich

Ich habe das Gadget mit der passenden Hersteller-App verbunden und konnte es endlich vernünftig nutzen.

Positiv: In der App gibt man keine persönlichen Daten an oder wird zu einer Account-Erstellung gezwungen, sondern steuert damit lediglich das Gerät.

Man kann die Aice Lite Max auch über das integrierte Display und die Tasten steuern, allerdings gefällt mir die Handhabung über die App besser. Sie ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen – wenn auch nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch verfügbar.

Die Ranvoo-App ist übersichtlich und bietet auch eine integrierte Bedienungsanleitung für die physischen Tasten. Ansonsten ist sie aber recht abgespeckt und nicht in deutscher Sprache verfügbar. (Bildquelle: GameStar Tech) Die Ranvoo-App ist übersichtlich und bietet auch eine integrierte Bedienungsanleitung für die physischen Tasten. Ansonsten ist sie aber recht abgespeckt und nicht in deutscher Sprache verfügbar. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die Nacken-Klimaanlage bietet verschiedene Modi: unter anderem Kühlen, Kühlen mit Ventilator, nur Ventilator, Heizen (wie ein warmer Umschlag am Hals), Silent-Modus und einen AI-Modus, bei dem das Gerät Kühlleistung und Ventilator automatisch an die Außentemperatur und Wunschtemperatur anpasst.

Die Wunschtemperatur lässt sich minimal auf 16 Grad und maximal auf 50 Grad einstellen. Letzteres klingt schon nach Verbrennungsgefahr, am Ende werden die Platten am Hals aber gar nicht so heiß. Gemessen habe ich bis zu 36 Grad Celsius.

Wollte der Hersteller hier ein bisschen protzen, oder ist die App einfach ungenau? Keine Ahnung. Um den Heizmodus kümmere ich mich ohnehin erst im Winter – kurz ausprobiert habe ich ihn trotzdem, und es wurde angenehm warm.

Die Kühlfunktion im Alltagstest

Viel wichtiger im Sommer ist natürlich die Kühlfunktion. Wie funktioniert die? Gut, muss ich sagen! Die Kühlplatten am Hals werden angenehm kalt, der Ventilator sorgt zusätzlich für etwas Erfrischung.

Man muss aber sagen: Zwar werden die Platten wirklich kalt, die ausgeblasene Luft liegt aber nur wenige Grad Celsius unter der Umgebungsluft – sie ist also nicht mit der frischen Brise einer echten Klimaanlage vergleichbar. Der Hersteller bewirbt einen Unterschied von bis zu 4 Grad Celsius.

Kühlfunktion Heizfunktion Kühlfunktion Heizfunktion

Bei den Kühlplatten habe ich rund 8 Grad Celsius als Minimum gemessen, bei der Heizfunktion knapp 36 Grad Celsius. (Bildquelle: GameStar Tech)

Im Alltag war es so: Den größten Effekt habe ich in Innenräumen bemerkt, da es dort nicht so extrem heiß ist wie draußen. Hier fühlt sich die Kühlfunktion dann wirklich kalt an und es gelingt dem Gerät besser herunterzukühlen als im Außenbereich bei Temperaturen von über 30 Grad und heißer Luft.

Aber auch hier hat die Aice Lite Max die Hitze angenehmer gemacht. Man wird jetzt nicht wirklich heruntergekühlt, aber die kalten Platten und die Ventilation am Kopf sorgten dafür, dass ich deutlich weniger geschwitzt habe, vor allem nicht mehr so stark am Kopf.

Am Schreibtisch bei der Arbeit habe ich außerdem bemerkt, dass ich etwas konzentrierter arbeiten konnte und insgesamt ein bisschen klarer im Kopf war.

Der Effekt ist also durchaus da, aber vielleicht weniger stark als beworben.


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Kritikpunkte: Lautstärke und Akku

Der Ventilator ist nur auf unterer Stufe sowie im »Silent«-Modus leise. Dreht man die Stärke hoch, röhrt er ziemlich los, sodass man in Gesprächen öfter mal "Bitte?" fragen muss, weil man das Gegenüber nicht versteht.

Volle Leistung neben anderen Personen am Schreibtisch ist also nicht ideal – der Silent-Modus bringt aber immerhin noch etwas Kühle über die Platten und eine leichte Luftzirkulation.

Das Gerät hat Pass-Through. Man kann es also an eine Powerbank hängen und darüber betreiben. Das ist praktisch, denn auf höchster Stufe sieht man die Akkuanzeige förmlich schmelzen.

Die maximale Laufzeit des 6.000-mAh-Akkus soll laut Ranvoo bei rund 30 Stunden liegen, auf höchster Stufe sind es in meiner Erfahrung eher zwei bis drei Stunden – exakt gemessen habe ich es allerdings nicht. Aufgeladen ist das Gerät übrigens in rund zwei Stunden.

Tragekomfort und Optik

Das Gerät besteht komplett aus Kunststoff, fühlt sich damit nicht extrem hochwertig, aber auch nicht billig an. Beim Wiegen kam ich auf etwa 520 Gramm. Klingt erstmal ziemlich schwer.

Ich konnte das Gerät aber problemlos über Stunden tragen, je nach Person und Empfindlichkeit könnte das Gewicht aber durchaus eine Rolle spielen.

Der Tragekomfort ist bei mir wirklich gut: Die Größe lässt sich über ein flexibles Gelenk in der hinteren Mitte gut an die Halsdicke anpassen. Die Innenseite, die direkt am Hals anliegt, lässt sich einfach abwischen.

Natürlich: Man sieht mit dem Teil schon etwas idiotisch aus, das ist mir klar.

Aber ich denke mir: Lieber wie ein Idiot aussehen, der cool bleibt, als ohne Ende zu schwitzen.

Ranvoo Aice Lite Max
Ranvoo Aice Lite Max
Die Aice Lite Max arbeitet mit Kühlplatten und zwei Ventilatoren. Es gibt zudem eine Heizfunktion für kalte Tage.

Mein Fazit

Ich nutze das Gadget tatsächlich richtig gerne und oft – zurückschicken werde ich es nicht. Ist es ein Schnäppchen? Nein, es ist ziemlich teuer. Ist es etwas für jeden? Vermutlich nicht.

Wer viel unter Menschen oder unterwegs ist, dem könnten Akkulaufzeit und Lautstärke des Ventilators auf hoher Stufe nerven. Auch für beispielsweise Arbeiten auf dem Bau sehe ich so ein Gerät nicht ... zu sperrig am Hals, zu kurze Akkulaufzeit und wahrscheinlich auch zu empfindlich.

Für Homeoffice, Büro oder Freizeit ist es aber durchaus eine Option, über die man nachdenken kann. Ich habe die Aice Lite Max bei der Hitze auch öfter beim Grillen getragen – direkt am heißen Grill war es dadurch angenehmer.

Man sollte sich auf keinen Fall von den YouTube-Reviews oder der Werbung des Herstellers blenden lassen. Es ist nicht so, dass einem eiskalte Luft um die Ohren gepustet wird. Der Kühleffekt ist insgesamt schwächer als beworben, aber angenehm – er sorgt für etwas mehr Wohlgefühl und weniger Schwitzen.


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Alternativen kann ich euch an dieser Stelle leider mangels Erfahrung kaum nennen. Die Reon Pocket von Sony ist in jedem Fall viel dezenter und unauffälliger. Die Kühlleistung empfindet jeder anders und vielleicht ist sie etwas für euch.

Ansonsten gibt es zur Aice Lite Max auch ein ähnliches Konkurrenzprodukt von Torras, die Coolify – das Top-Modell kostet allerdings über 300 Euro. Es gibt aber von Torras auch günstigere Varianten und auch Ranvoo selbst hat mit der Aice Lite Plus aus dem letzten Jahr noch ein preiswerteres Modell im Programm.

Ob so eine Nacken-Klimaanlage generell etwas für euch ist, müsst ihr am Ende selbst ausprobieren – Schnäppchen sind sie keine. Vielleicht tut es für euch auch ein einfacher Nacken- oder Handventilator, die kosten nur einen Bruchteil.


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