Elon Musks Gehirn-Computer-Interface Neuralink soll bald für Versuche am Menschen bereit sein

Bereits im kommenden Jahr sollen die ersten Neuralink-Chips direkt ins Hirn implantiert und getestet werden.

von Manuel Schulz,
19.07.2019 20:16 Uhr

Nur ein kleiner Sender hinterm Ohr soll vom Hirn-Computer-Interface Neuralink sichtbar sein. (Bild: Neuralink)Nur ein kleiner Sender hinterm Ohr soll vom Hirn-Computer-Interface Neuralink sichtbar sein. (Bild: Neuralink)

Elon Musk ist bekannt für seine ambitionierten Projekte wie Paypal, Tesla, SpaceX und Hyperloop. Neuralink ist bislang wenig bekannt, das könnte sich aber in näherer Zukunft ändern.

Das 2016 von Musk mitgegründete Unternehmen Neuralink will ein direktes Interface zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern herstellen - ein Brain-Computer-Interface.

100 Millionen US-Dollar hat Musk dafür bereits investiert und die ersten Schritte in Richtung Testphase am Menschen sind gemacht.

Neues Projekt von Elon Musk - Vernetzung zwischen Gehirn und Computer

Der Roboter zum Implantieren der ultradünnen Fäden, welche den Signalaustausch ermöglichen sollen, tief ins Gehirn ist bereits funktionsfähig und wurde an Laborratten getestet.

Aktuell ist es zum Implantieren der Fäden noch nötig, Löcher in den Schädel zu bohren. Die Forscher hoffen aber, dazu bald Laser nutzen zu können, um die unangenehmen Vibrationen zu vermeiden.

Ein Größenvergleich: Unten rechts ist ein Faden zu sehen (Bild: Neuralink)Ein Größenvergleich: Unten rechts ist ein Faden zu sehen (Bild: Neuralink)

Während Musk im vergangenen Jahr nur hoffte, Hirn und Computer verbinden zu können, gibt es jetzt veröffentlichte Resultate und angeblich sollen bereits 2020 Versuche am Menschen beginnen können - sofern Neuralink dafür eine Erlaubnis bekommt.

Elon Musk - Neuralink soll in wenigen Monaten Computer und Gehirn verbinden

Passiv und aktiv

Das Brain-Computer-Interface von Neuralink besteht aus mehreren im Schädel implantierten Chips, an denen Fäden hängen, die in etwa der Größe einer Nervenzelle entsprechen. An den Fäden sind Elektroden angebracht, die den Signalaustausch zwischen Neuralink und den Nervenzellen ermöglichen - und zwar in beide Richtungen.

Passiv, indem sie die Signale der Nervenzellen registrieren - so soll es möglich werden etwa 40 Wörter pro Minute zu denken, die der Computer dann aufschreibt. Aber auch aktiv, indem die Elektroden die Nervenzellen elektrisch stimulieren.

Datenübertragung per Funk

Die Datenübertragung zum und von den implantierten Chips läuft dabei über Funk/Bluetooth. Da die Reichweite der winzigen Chips nicht groß ist, wird ein Sender-Empfänger-Verstärker am Ohr getragen (siehe Bild), der dann etwa mit einer Smartphone-App kommuniziert.

Nach aktuellen Angaben von Musk ist die erste Version des 4x4mm großen Chips in der Lage 10.000 Elektroden zu kontrollieren und anfänglich sollen vier der Chips implantiert werden, später aber auch mehr, um noch mehr Elektroden in Kontakt mit dem Gehirn zu bringen.

Damit sei Neuralink selbst in der ersten Version 1.000 Mal leistungsfähiger als die aktuell beste implantierte Schnittstelle zur Behandlung von Parkinson.

Fremdsprache aus dem App-Store

Neuralinks Intention zu Beginn ist es laut eigener Aussage Amputierten, blinden, tauben oder stummen Menschen zu helfen. Später hat das Unternehmen weitaus ambitioniertere Ziele.

Auf lange Sicht ist es nicht nur Musks Ziel, dass Menschen mit dem Neuralink-System ihre Computer steuern können, sondern auch Daten ins Gehirn eingefügt werden können.

So sollen neue Fähigkeiten wie eine neue Sprachen oder Bewegungen aus dem Kampfsport einfach herunterzuladen sein. Der Mensch kann so auch mit künstlicher Intelligenz verbunden werden, statt von ihr überflügelt zu werden, wie Musk befürchtet.

Funktionalität noch unklar

Die bisherigen Ergebnisse kommen aus Versuchen mit Laborratten in die bis zu 1.500 Elektroden eingesetzt wurden. Ob der Transfer auf das menschliche Gehirn funktioniert, wird sich erst bei Versuchen zeigen - Musk geht aber davon aus, dass es schwer werden wird, dafür eine offizielle Genehmigung der amerikanischen FDA-Behörde zu bekommen.

Auch ist unklar, ob die isolierten Fäden überhaupt eine längere Zeit im Gehirn funktional bleiben. Denn die salzhaltige Flüssigkeit im Kopf kann die meisten Kunststoffverbindungen nach und nach auflösen.


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