Wenn ich mein Haus verlasse, schließt meine Tür hinter mir automatisch zu. Komme ich nach Hause, springt sie bereits aus dem Schloss, wenn mein Fuß die Schwelle berührt. Und das Ganze ohne Schlosswechsel, denn Nuki hat sich mit seinen Smartlocks auf mieterfreundliche Nachrüstlösungen spezialisiert.
Zudem sind Nukis Schlösser im Marktumfeld relativ erschwinglich. Die Basisvariante bietet mit 169 Euro den günstigsten Einstieg in die Welt der smarten Türschlösser, es gibt jedoch allerhand Zubehör für unterschiedliche Einsatzzwecke. Für diesen Test hatte ich das Nuki 3.0 in Kombination mit dem separat erhältlichen Türsensor, Akku-Pack und der Bridge über fünf Wochen im Einsatz. Auch das neue Keypad 2.0 konnte ich ausprobieren. Nun möchte ich nicht mehr darauf verzichten, auch wenn einige Features nicht komplett zu Ende gedacht wurden.
Smart Lock 3.0 vs. Smart Lock 3.0
Das Nuki 3.0 gibt es in zwei Versionen. Die Basisvariante ist ausschließlich in Weiß erhältlich und kostet 169 Euro. Die Pro-Variante gibt’s auch in Schwarz, kommt mit integrierter Bridge und einem stärkeren Akku-Pack daher und schlägt mit 279 Euro zu Buche. Somit kommt ihr günstiger, als wenn ihr das Nuki 3.0, das Akku-Pack und die Bridge für insgesamt 317 Euro einzeln kauft.
Einrichtung & Installation
Der erste Eindruck ist durchweg positiv. Egal ob die Verpackung, die Anleitung oder die App: Alles wirkt modern, aufgeräumt, auf Hochglanz poliert. Über das Design des Smartlocks lässt sich zwar streiten, zumal es ausschließlich aus Plastik besteht. Ich finde das schlichte Weiß aber schön minimalistisch und der runde LED-Ring lässt es hochwertig wirken. Das ist auch besser so, denn das Nuki 3.0 fällt auf jeden Fall auf - mit 110 × 60 × 60 mm ist es ein regelrechter Klopper, kein Vergleich etwa zum deutlich kleineren tedee.
Das nehme ich aber gern für eine einfache Einrichtung in Kauf - und hier glänzt Nuki auf ganzer Linie. Im Lieferumfang befinden sich zwei Adapter-Platten, die ihr je nach Ausführung auf euer Schloss anbringt. Danach setzt ihr euren Schlüssel ins Schloss und setzt das Gehäuse drauf - fertig. Der Motor dreht anschließend den Schlüssel in die gewünschte Richtung und die Tür wird ver- beziehungsweise entriegelt. Kein Bohren, kein Schloss auswechseln. Für Mieter, die nicht an der Tür herumpfuschen und den Ärger der Eigentümer heraufbeschwören wollen, eine ideale Lösung. Ich war wirklich überrascht, wie einfach und schnell die Ersteinrichtung von der Hand geht.
Ebenso kinderleicht geht es in der App weiter: Schloss mit dem Handy koppeln, durch das simple Tutorial klicken, den Motor kalibrieren, das war’s auch schon. Der gesamte Prozess ist klar verständlich mit Bildern und Hinweisen aufbereitet. Nach demselben Prinzip ist auch die Bridge innerhalb weniger Sekunden eingerichtet. Sie erlaubt es mir, das Schloss auch aus der Ferne zu steuern, ist aber nicht zwingend notwendig. Das Setup ist somit nach nicht mal 15 Minuten abgeschlossen. Reibungslos und unkompliziert.
Ebenfalls genial: Die schiere Fülle an Möglichkeiten, meine Tür zu steuern. Folgende Optionen stehen zur Wahl:
- manuell, indem ich von innen am runden Ring-Element drehe (oder von Außen mit einem Zweitschlüssel schließe, ein Panikschloss mit zwei Zylindern vorausgesetzt)
- per Wischgeste in der App
- per Smart Notification am Handy oder der Apple Watch
- per Sprachbefehl über Alexa, Siri oder Google Assistant
- automatisch mittels Auto Unlock- oder Geofence-Funktion
Gerade letztere Optionen sind ein wahrer Segen, kommen aber nicht ohne Stolpersteine.
Auto Unlock - Cleveres Feature im Alltag
Da ich es so smart wie möglich haben wollte, greife ich im Alltag überwiegend auf Auto Unlock und Geofencing zurück. Verlasse ich mein Haus, schließt hinter mir automatisch die Tür. Nähere ich mich meinem Zuhause, bereitet sich das Schloss auf meine Ankunft vor. Erst im letzten Moment, wenn ich quasi schon mit den Fingerspitzen den Türknauf berühre, zieht Nuki die Türfalle auf.
Hier war ich anfangs extrem skeptisch, denn ich habe nicht nur einen kleinen Sohn, sondern auch eine alte Katze. Die Angst, beide könnten türmen, weil mein smartes Schloss zu früh oder aus heiterem Himmel aufspringt, ist jedoch unbegründet. Denn das Nuki 3.0 öffnet erst dann, wenn die Bluetooth-Verbindung aus unmittelbarer Nähe steht. Die Distanz lässt sich mit einem Trick sogar in der App einstellen.
Das kommt allerdings auch mit einem Nachteil: Je nach Verbindungsqualität und Akkuzustand des Handys dauert es schon mal länger, bis die Tür vor der Nase aufgeht. Im Idealfall springt sie auf, sobald ich auf die Schwelle trete. Manchmal dauert es aber eben auch bis zu drei, in Ausnahmesituationen sogar sechs Sekunden. In der Zeit habe ich den Schlüssel mehrmals aus der Hose geholt, keine Frage.
Mit ein paar Kalibrierungen und Feinjustierungen in der App habe ich es nun allerdings so hinbekommen, dass meine Tür zu annähernd 100% zuverlässig öffnet, wenn ich davor stehe. Das fühlt sich nicht nur cool an, sondern ist auch enorm praktisch, wenn man bis unter die Mütze bepackt die Einkaufstüten in die Wohnung schleppt.
Es gab in den letzten Wochen aber auch zwei unerwünschte Situationen. So sprang einmal die Tür auf, weil meine Frau die Einkaufstüten vorm Hauseingang abstellte, aber nochmal in die Garage ging. Ein anderes Mal spielte ich mit meinem Sohn in der Nähe des Eingangs, nur um festzustellen, dass plötzlich die Tür offen stand. Klar, woher soll Nuki auch wissen, dass meine Frau oder ich (noch) nicht eintreten will? Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man es besser machen sollte. Außer darauf zu verzichten - und somit auch etwas Komfort einzubüßen.
Smarte Features & grandiose App
Abgesehen von Auto Unlock finde ich die Apple Watch-App am praktischsten. Sie ist extrem schnell und präzise. Ich habe sie mir direkt aufs Zifferblatt gelegt und öffne meine Tür mit zwei “Klicks”. Geht schnell, einfach und macht Spaß - aber eben nur mit einer leeren Hand (im Zweifel geht auch die Nasenspitze, ähem).
Apropos schnell und präzise: Alle Steuerungsvorgänge mit der App funktionieren absolut zuverlässig. Das Schloss wurde jederzeit von meinem iPhone erkannt und reagierte sofort mit der gewünschten Option. Auf Nuki konnte ich mich jederzeit verlassen.
Das ist auch den sogenannten Smart Notifications zu verdanken. Die benachrichtigen mich, sobald ich mich meinem Zuhause nähere oder entferne, und erlauben mir das Ab- oder Aufschließen mit einem einfachen Fingertipp. Überhaupt haben sich die Entwickler von Nuki allerhand Gedanken gemacht und viele Optionen in die App gebaut. Fast alles lässt sich konfigurieren. Hier eine Auswahl:
- 360- oder 720-Grad Schließvorgang
- Nachtmodus (720 Grad-Schließung, Auto Unlock wird verweigert)
- Zeitsteuerung der Schließvorgänge
- Lock & Go (Tür schließt bei Doppeltipp aufs Schloss automatisch nach dem Verlassen des Hauses)
- mehrere Personen mit zeitbeschränktem Zugriff möglich
Die App gehört mit zum besten, was ich bisher im Marktumfeld gesehen habe, zumal sie (unter iOS 16.1) nicht ruckelt, geschweige denn abstürzt, alles übersichtlich zusammenfasst und trotzdem viele Einstellungen bietet.
Luft nach oben gibt’s aber trotzdem. Geofencing funktioniert beispielsweise nicht zuverlässig, sobald mehr als eine Person ihr Handy mit dem Nuki gekoppelt hat. Die Hersteller begründen das mit Datenschutz, da die App nicht erkennt, wer noch Zuhause ist. Über Apples Home-App funktioniert jedoch alles so, wie es soll.
Lautstärke besser als beim Vorgänger
Einer der größten Kritikpunkte beim Nuki 2.0 war noch die Lautstärke und leider bleibt das auch beim Nuki 3.0 so. Der Motor ist zwar leiser geworden, aber mit um die 69 Dezibel aus einem Meter Entfernung quasi nicht zu überhören. Zumal es klingt, als würde jemand mit dem Akkuschrauber einbrechen. Wenn abends mein Schloss die Tür verriegelt, höre ich das jedenfalls bis ins Bett im Obergeschoss. Aber hört selbst:
Klingt dramatisch, ist es aber nicht. Ich würde nicht sagen, dass es mich nervt. Es ist eher gewöhnungsbedürftig und kommt auch darauf an, wie oft ihr eure Tür am Tag steuert. Ich verzichte auf das automatische Abschließen, nachdem ich zuhause angekommen bin. Das spart auch etwas Akku, der bei mir bei zwei bis vier kompletten Schließvorgängen und etlichen Türöffnungen am Tag locker mehrere Monate halten sollte.
Für ein mögliches Nuki 4.0 sollten sich die Ingenieure den Motor aber unbedingt noch mal vorknöpfen. Wenn es Verbesserungsbedarf gibt, dann hier.
Auf Seite 2 vom Test empfehle ich euch das beste Zubehör
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