Razers neuer Handy-Controller ist genau das, was ich mir seit Jahren wünsche

Spielen auf dem Handy soll mit dem Razer Prio endlich kompakter und somit mobiler werden. Ob dem Smartphone-Gamepad das gelingt, habe ich für euch ausprobiert.

Mit dem Prio schickt Razer einen äußerst kompakten Controller für Handys ins Rennen. (Bildquelle: GameStar Tech) Mit dem Prio schickt Razer einen äußerst kompakten Controller für Handys ins Rennen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Mobiles Spielen ist für mich so eine Sache. Mein bevorzugtes Format ist kompakt. Meine Lieblings-Handhelds waren deshalb die PS Vita oder auch der Gameboy Advance. Das ist auch der Grund, weshalb ich meinen Asus Rog Ally nach wenigen Jahren wieder verkauft habe. Er war mir einfach zu groß und zu unpraktisch für unterwegs.

Ähnlich ging es mir auch mit Controllern fürs Handy. Ich hatte vor einiger Zeit beispielsweise den Razer Kishi Ultra im Einsatz. Das Gamepad ist super fürs Sofa, mir für Reisen aber zu klobig.

Neugierig geschielt habe ich deshalb auf den neuen Razer Prio, der sich sehr kompakt zusammenklappen lässt und so tatsächlich in die Hosentasche passt.

Ich konnte den Smartphone-Controller nun rund eine Woche ausgiebig ausprobieren und stelle fest: Es ist ein Gamepad, das ich jederzeit mitnehmen würde. Allerdings hat die Mobilität des Prio ihren Preis – und damit meine ich nicht nur die UVP von 110 Euro.

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Klein, leicht – doch leider etwas plastikhaft

Beginnen wir beim Offensichtlichen: Der Razer Prio ist im Vergleich zu ausgewachsenen Handy-Controllern winzig. Zusammengeklappt misst er nur 101 x 67 Millimeter und wiegt 101 Gramm. Damit ist er nicht viel größer als ein Kartenspiel und passt problemlos in meine Hosentasche.

Der Faltmechanismus wirkt beim ersten Ausprobieren vielleicht noch etwas unintuitiv, da ich die Hälften erst aufklappen und dann die eine Seite drehen muss – aber das hatte ich nach wenigen Versuchen verinnerlicht.

Beim Thema Verarbeitung habe ich einen Kritikpunkt: Ich finde, dass der Prio nicht wertig wirkt. Womöglich liegt das am eingesetzten Kunststoff, der sich eher günstig anfühlt und aus meiner Sicht dem Preis für den Endkunden nicht ganz gerecht wird.

Ein weiteres Design-Merkmal, das ich kritisch sehe, ist das breite Gummiband, welches beide Controllerseiten zusammenhält und technisch durchaus spannend ist. Im Inneren verläuft nämlich auch ein dünnes Kabel, welches die Daten zwischen den beiden Controller-Hälften überträgt. Das spart Platz.

Aber ich habe etwas die Sorge, dass das Band möglicherweise irgendwann ausleiert, reißt oder das innere Kabel bricht. Möglicherweise ist die Angst völlig unbegründet – am Ende kann das nur ein Langzeittest beantworten.

Passt für fast jedes Handy, aber nicht an den PC

Wenn ich den Prio aufklappe und das Handy über den USB-C-Anschluss einspanne, verwandelt sich das Setup in einen kompakten Handheld.

Unterstützt werden laut Hersteller Smartphones mit einer Größe von bis zu sieben Zoll mitsamt Schutzhülle, wenn diese nicht zu dick ausfällt. Sollte dennoch etwas wackeln, legt Razer verschiedene Gummiabstandhalter bei. Das erhöht die Kompatibilität.

Da die Verbindung rein über USB-C funktioniert, fallen ältere iPhones mit Lightning-Anschluss raus. In meinem Fall war die Schutzhülle so dick, dass ich keine Gummiabstandhalter verwenden konnte. Aber ohne die hat es dann gepasst.

Der Razer Prio ist kompakt genug, dass er in die Hosentasche passt. (Bildquelle: GameStar Tech) Der Razer Prio ist kompakt genug, dass er in die Hosentasche passt. (Bildquelle: GameStar Tech)

Die direkte Verbindung hat Vorteile. Es ist keine Bluetooth-Verbindung nötig und das Gamepad muss nicht aufgeladen werden.

Dafür gibt es allerdings kleinere Nachteile: Der Prio bietet kein Passthrough-Laden. Ich kann das Handy beim Spielen also nicht parallel mit Strom versorgen, und einen Kopfhöreranschluss gibt es ebenfalls nicht. Das lösen Modelle wie der Kishi Ultra besser.

Ein weiteres Feature, das auf der Strecke bleibt: Während sich viele Controller per Kabel auch am PC nutzen lassen, funktioniert das mit dem Prio nicht. Er ist auf den mobilen Einsatz mit Android und iPhone beschränkt.

Präzise Steuerung mit Abstrichen bei der Ergonomie

Durch die kompakten Gerätemaße ist der Prio nicht gerade ergonomisch. Je nach Spiel werden die Hände früher oder später müde oder verkrampfen. (Bildquelle: GameStar Tech) Durch die kompakten Gerätemaße ist der Prio nicht gerade ergonomisch. Je nach Spiel werden die Hände früher oder später müde oder verkrampfen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Doch wie spielt es sich nun damit? Mit meinen nicht gerade kleinen Händen kann es je nach Spiel schon etwas anstrengend werden.

Bei Titeln wie Tony Hawk's Pro Skater 1+2, bei denen ich extrem viel und hastig auf dem Gamepad herumtippe, verkrampfen die Hände schneller, als mir lieb ist. Spiele wie Stellar Blade, Darwin's Paradox oder Need for Speed Unbound lassen sich hingegen auch über einen längeren Zeitraum entspannt steuern.

Aber: Auch hier werden die Hände irgendwann müde. Da sind größere Controller im Hinblick auf Ergonomie im Vorteil. Der Prio erfordert einfach Kompromisse zugunsten der Portabilität.

Razer Prio
Razer Prio
Der Razer Prio passt zusammengeklappt in die Hosentasche und eignet sich damit ideal fürs mobile Spielen unterwegs. Unterstützt werden iPhone und Android-Handys mit USB-C bis zu einer Größe von 7 Zoll.
109,99 €

Die Bedienelemente selbst schlagen sich wirklich gut. Die Analogsticks sind zwar recht klein geraten und erinnern mich an die der PS Vita, funktionieren aber ebenso präzise.

Ein Pluspunkt sind die inneren Werte: Razer verbaut beim Prio kapazitive Analogsticks. Da diese ohne mechanischen Abrieb arbeiten, soll der gefürchtete Stick-Drift der Vergangenheit angehören.

Kapazitiv, TMR oder Hall-Effekt?

  • Kapazitive Sticks: Reagieren auf Hautkontakt (wie ein Touchscreen). Sie messen nicht die Bewegungsrichtung, sondern erkennen, ob der Daumen aufliegt und bestimmen die Position über Änderungen eines elektrischen Feldes.
  • Hall-Effect-Sticks: Messen die Stick-Bewegung berührungslos über Magnetfelder. Da es keine mechanische Reibung im Sensor gibt, verschleißen sie nicht.
  • TMR-Sticks: Die Weiterentwicklung der Magnet-Technologie. TMR nutzt ebenfalls Magnete, misst deren Position aber über den magnetischen Widerstand. TMR gilt als besonders präzise und energieeffizient.

Die restlichen Schaltknöpfe und das Steuerkreuz arbeiten sehr leise und zuverlässig. Somit lässt sich der Controller auch gut in ruhiger Umgebung (etwa im Wartezimmer) verwenden, ohne dass andere davon gestört werden.

Und noch ein technisches Detail: Der Prio verzichtet auf ein eigenes Rumble-Feature. Dafür sorgt stattdessen der Vibrationsmotor des Handys.

Feintuning per App und reibungsloses Remote Play

Über die Razer-App »Cortex Mobile« lässt sich der Prio etwas anpassen. Zudem findet ihr eure Handy-Spiele und könnt im Zusammenspiel mit Razers Remote Play eure PC-Spiele aufs Smartphone streamen. (Bildquelle: GameStar Tech) Über die Razer-App »Cortex Mobile« lässt sich der Prio etwas anpassen. Zudem findet ihr eure Handy-Spiele und könnt im Zusammenspiel mit Razers Remote Play eure PC-Spiele aufs Smartphone streamen. (Bildquelle: GameStar Tech)

Ich habe den Controller mit dem iPhone getestet und neben reinen Mobile Games auch PS Remote und Razers PC Remote Play ausprobiert. Hier hat der Controller sehr gut und verzögerungsfrei funktioniert. In der App »Razer Cortex Mobile« gibt es zudem kleine Anpassungsmöglichkeiten. So lässt sich die Totzone der Analogsticks stufenlos einstellen.

Die (Deadzone) ist der unempfindliche Bereich in der Mitte eines Controller-Sticks, in dem leichte Bewegungen vom System absichtlich ignoriert werden, um ungewollte Eingaben oder »Stick-Drift« zu verhindern.

Außerdem lässt sich der Kreismodus anpassen (»Standard« oder »Kreis«), was je nach Spiel für eine rundere Bewegung sorgt. Daneben kann ich auch die Abtastrate (Polling Rate) in mehreren Stufen bis zu 1.000 Hertz hochschrauben. Höhere Frequenzen verringern die Latenz, was etwa beim Cloud-Gaming sinnvoll ist.


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Mein Fazit

Der Razer Prio ist kein Controller für stundenlange Gaming-Sessions auf dem heimischen Sofa. Dafür ist er für große Hände ergonomisch nicht ausgelegt. Der eingesetzte Kunststoff gefällt mir im Hinblick auf den Preis nicht so gut und beim Gummiband muss sich noch zeigen, ob es dem Rad der Zeit standhält.

Trotzdem ist der Prio genau der Handy-Controller, den ich schon lange gesucht habe, denn er ist kompakt genug, um ihn mit auf Reisen und beispielsweise ins Flugzeug zu nehmen.

Da sehe ich auch die Zielgruppe: Wer keine Lust hat, ein klobiges Gamepad in den Rucksack zu quetschen, ist beim Prio richtig. Wer jedoch lange Sessions auf der Couch plant, sollte lieber zu einem ausgewachsenen Controller greifen – eure Hände werden es euch danken.


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