Ein Android-Tablet als Steam-Deck-Alternative klingt absurd, aber nachdem ich es selbst getestet habe, sehe ich optimistisch in die Zukunft

Tablets wie das neue REDMAGIC Astra 2 Gaming Tablet liefern uns einen Blick in eine mögliche Zukunft mit PC-Gaming auf ARM-Architektur.

Wusstet ihr, dass man inzwischen PC-Spiele auf Android-Tablets installieren und spielen kann? Ich habe es mit einem High-End-Gaming-Tablet ausprobiert. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Wusstet ihr, dass man inzwischen PC-Spiele auf Android-Tablets installieren und spielen kann? Ich habe es mit einem High-End-Gaming-Tablet ausprobiert. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Nachdem Handhelds in den letzten Jahren ein starkes Comeback gefeiert haben, scheinen sie jetzt auf dem besten Weg zurück in die Nische zu sein. 

Geräte wie der Lenovo Legion Go 2 oder der neue MSI Claw 8 EX AI+ haben mich schwer beeindruckt, aber bei einem Preis von über 1.600 Euro verschiebt sich die Zielgruppe klar in Richtung der Enthusiasten und High-End-Fans. Selbst DER Mainstream-Handheld für PC-Spiele, das Steam Deck, ist deutlich teurer geworden.

Inmitten der vermeintlichen Handheld-Apokalypse sehe ich einen Lichtblick für die Zukunft: ARM-Architektur – und der Vorbote dafür ist ausgerechnet ein Android-Tablet.

Ein Tablet mit Flüssigkühlung?

Mein Testkandidat für dieses Experiment: das REDMAGIC Astra 2 Gaming Tablet mit Flüssigkühlung. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Mein Testkandidat für dieses Experiment: das REDMAGIC Astra 2 Gaming Tablet mit Flüssigkühlung. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Ich habe bei REDMAGIC das neue Astra Gaming 2 Tablet für Testzwecke angefragt, weil mich drei Features und eine Frage besonders neugierig gemacht haben: pfeilschnelle Hardware, Flüssigkühlung und ein 185-Hz-OLED-Bildschirm.

Die Frage: Kann ein Android-Gerät inzwischen als Ersatz für einen PC-Handheld herhalten?

REDMAGIC Astra 2 Gaming Tablet
Technische Daten und Preis
  • Prozessor: Snapdragon 8 Elite Gen 5 (bis zu 4,6 GHz)
  • Display: 9,06" OLED, 2.400 x 1.504 Pixel, 185 Hz
  • Speicher: 12/16 GB LPDDR5X RAM, 256/512 GB UFS 4.1 ROM
  • Akku: 8.300 mAh
  • Ladeleistung: Bis zu 75 W (Ladegerät nicht im Lieferumfang)
  • Anschlüsse: 2x USB-C (1x mit DisplayPort-Unterstützung)
  • Betriebssystem: REDMAGIC OS 11.5 (basiert auf Android 16)
  • Abmessungen & Gewicht: 207,1 x 134,2 x 6,9 mm; 363 g
  • Kühlsystem: AquaCore Kühlsystem 2.0
  • Kameras: 13 MP (Rückseite), 9 MP (Front)
  • Preis: Ab 699 Euro

Die Gaming-Features lesen sich beeindruckend:

  • OLED-Bildschirm mit 185 Hz: Wer statt eines Handhelds zu einem Tablet greift, muss nicht zwingend Downgrades in Kauf nehmen – im Gegenteil. Bei diesem Gerät ist ein phänomenaler 9-Zoll-OLED-Bildschirm mit 185 Hz verbaut. Ein so gutes Display finden wir selbst bei dedizierten Handhelds nicht. Mit nativer Leistung die 185 Hz mit 1504 x 2400 Pixeln auszureizen, wird schwierig, aber es stellt kein Problem für Streaming von eurem PC dar. 
  • 2 USB-C-Ports: Genau wie bei vielen Handhelds sind beim REDMAGIC Astra 2 zwei USB-C-Anschlüsse vorhanden. So kann das Tablet immer noch geladen werden, wenn ein mobiler Controller den anderen Anschluss belegt oder verdeckt. 
  • Schnelle Hardware mit Kühlung: Im Inneren arbeitet der schnelle Qualcomm Snapdragon 8 Elite Gen 5, mit wahlweise 12 oder 16 GB RAM. Das Besondere an diesem Tablet ist die Flüssigkühlung, die eine lange Leistungsstabilität ohne Drosselung verspricht – mehr dazu später. 
  • Android 16 als Allrounder-OS: Android ist inzwischen keine schlechte Wahl für ein Gaming-Betriebssystem. Es gibt native Spiele aus dem Play Store, Apps für Retro-Spiele, Streaming und Cloud – und jetzt auch die Möglichkeit, PC-Spiele zu installieren und auf nativer Hardware zu spielen. 
  • Gaming-Modus: Ein physischer Schalter schaltet das Tablet in einen Gaming-Modus mit angepasster Benutzeroberfläche. Hier lassen sich Spiele schnell starten und Einstellungen ändern. Die Oberfläche ist allerdings für Touch-Bedienung und nicht für Controller-Steuerung optimiert.
  • Großer 8.600-mAh-Akku: Der Akku verspricht lange Gaming-Sessions.

Klingt alles zu gut, um wahr zu sein? Ist es zum Teil leider auch.

PC- und Konsolenspiele auf einem Android-Tablet: So habe ich es gemacht

Derzeit arbeiten mehrere Unternehmen und Entwicklerteams daran, das Installieren und Spielen von PC-Spielen auf Android und ARM-Architektur möglich zu machen.

Darunter zählen etwa Valve (Steam Frame), der Controller-Hersteller GameSir (GameHub) oder Community-Projekte wie GameNative. Zu Letztem hat mein Kollege Aaron einen Erfahrungsbericht geschrieben.

Für dieses Projekt habe ich GameHub verwendet, das ich zuvor schon auf einem Android-Handheld, dem Ayn Odin 2 Mini, getestet habe.

Dann habe ich über 10 Spiele aus meiner eigenen Steam-Bibliothek installiert und ausprobiert, wie gut ich damit spielen kann. 

Wow! PC-Spiele auf einem Android-Tablet – aber es gibt 3 Haken

Genug Leistung für viele PC-Spiele: Obwohl PC-Gaming auf ARM schon eine Weile möglich ist, wirkt es auf mich noch immer magisch: echte PC-Spiele auf einem Android-Tablet. Für alle Spiele habe ich zwar niedrige Einstellungen und 720p-Auflösung einstellen müssen, um auf spielbare Bildwiederholraten zu kommen, aber das hat meine allgemeine Bewunderung nicht geschmälert. 

Im Gegenteil: Als ich das erste Mal Monster Hunter World auf dem Gaming-Tablet ausprobiert habe, konnte ich kaum glauben, dass ich gerade eines meiner Lieblingsspiele, für das ich damals extra eine Xbox gekauft habe, jetzt mit 60 bis 100 FPS auf einem Android-Gerät spiele. 

Video starten 3:03 Kann man auf einem Android-Tablet PC-Spiele installieren und vernünftig spielen? Ich habe es mit 7 verschiedenen Titeln ausprobiert

Weitere Titel wie Disco Elysium, Slime Rancher 2, The Great Ace Attorney, Guilty Gear Strive und Monster Hunter Rise liefen ebenso reibungslos und flüssig mit Bildwiederholraten jenseits von 60 FPS. 

Für ältere Spiele, oder jene, die nicht besonders leistungshungrig sind, kann so ein Android-Tablet heute wirklich schon einen Gaming-Handheld à la Steam Deck ersetzen. 

  • Immer mehr PC-Spiele können nativ mit hohen Framerates gespielt werden.
  • Es gibt viele native Android-Spiele aus dem Play Store.
  • Retro-Spiele alter Gaming-Plattformen laufen problemlos.
  • PC- und Konsolenspiele können per Remote-Play oder Cloud gestreamt werden. 
  • Sogar die Akkulaufzeit ist speziell bei diesem Tablet auf einem ähnlichen Niveau. In Genshin Impact und hohen Einstellungen dauerte es etwa sechs Stunden, bis der Bildschirm schwarz wurde.

Doch wie immer gibt es einen Haken – oder in diesem Fall sogar drei davon.

Ein Vorteil des Tablets gegenüber dedizierten Handhelds ist der fantastische OLED-Bildschirm mit 185 Hz. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Ein Vorteil des Tablets gegenüber dedizierten Handhelds ist der fantastische OLED-Bildschirm mit 185 Hz. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Haken Nr. 1: Kompatibilität und Spielbarkeit sind noch eine Lotterie 

Welche Spiele wirklich gut laufen oder überhaupt starten, ist nach wie vor eine Lotterie, allerdings mit besseren Gewinnchancen als noch vor einigen Monaten, als ich GameHub auf dem Ayn Odin 2 Mini ausprobiert habe.

Obwohl kaum ein Android-Gerät schneller ist als dieses Tablet, hat die Leistung für leistungshungrige Spiele nicht ganz ausgereicht. Cyberpunk 2077 startet zwar und ist generell funktionsfähig, läuft aber nur mit etwa 20 FPS in den niedrigsten Einstellungen und 720p-Auflösung. 

Bei Resident Evil 2, Mullet Madjack und Coral Island war die Leistung zwar exzellent, aber Grafikfehler und Artefakte haben das Spielerlebnis ruiniert. Fantasy Life i weigert sich vollständig zu starten. 

Ein Android-Tablet bietet eben noch nicht die Plug-and-play-Erfahrung eines Steam Decks – das hätte mich auch sehr gewundert. Als Tech-begeisterter Mensch macht es mir persönlich Spaß, zu experimentieren und selbst herauszufinden, wo die Grenzen sind und wie ich Hürden und Probleme überwinde.

Die meisten wollen einfach nur spielen, also ohne Frickelei, Troubleshooting und Kompatibilitäts-Lotterie – und so weit sind wir mit PC-Spielen auf Android-Tablets noch nicht.

Welches Spiel läuft und welches nicht? Tja, es hilft nur durchprobieren. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Welches Spiel läuft und welches nicht? Tja, es hilft nur durchprobieren. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Haken Nr. 2: Leistungsstabilität

Die Leistungsstabilität beschreibt, wie gut ein Gerät die bestmögliche Leistung aufrechterhalten kann. Um das zu bewerkstelligen, ist eine ausreichende Kühlung der Komponenten notwendig, andernfalls muss die Leistung gedrosselt werden, um ein Überhitzen zu verhindern.

Da REDMAGIC groß mit der Flüssigkühlung des Tablets wirbt, hatte ich eine gewisse Erwartungshaltung an das Gaming-Tablet, die leider nicht erfüllt wird.

Es ist kein aktiver Lüfter verbaut, sodass die Wärme nicht schnell genug über das Gehäuse abgeführt wird. Die Folge: Drosselung.

Im 3DMark Wild Life Extreme Stress-Benchmark (speziell zum Testen der Leistungsstabilität) stelle ich einen Leistungsverlust von 26 Prozent fest, nach etwa 20 Minuten unter Volllast. Teilweise erreicht der Prozessor Temperaturen knapp unter 100 Grad. 

Die Flüssigkühlung ist zwar auf dem Papier eine gute Idee, aber die passive Abführung der Hitze über das Gehäuse reicht doch nicht aus – und kommt mit einem weiteren Nachteil.

Die Wasserkühlung ist nett anzusehen, führt Wärme jedoch nicht schnell genug ab, um eine Drosselung der Leistung zu verhindern. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Die Wasserkühlung ist nett anzusehen, führt Wärme jedoch nicht schnell genug ab, um eine Drosselung der Leistung zu verhindern. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Haken Nr. 3: Hitze

Wer mit diesem Tablet leistungshungrige Spiele spielen möchte, sollte sich unbedingt einen Mobile-Controller holen und nicht per Touch-Steuerung spielen. Dafür sprechen nicht nur haptische Gründe. 

Dieses Tablet wird unter Last sehr heiß. Der gesamte Rahmen und die Rückseite dienen als Heatsink für die interne Hardware, und das spürt man an den Händen. An einigen Stellen lässt sich das Tablet gar nicht berühren, wenn man während des Spielens das Stromkabel angeschlossen hat (was mehr Hitze verursacht). 

Die Ränder links und rechts werden ebenfalls sehr warm, weshalb das Spielen nach einer kurzen Weile unangenehm wird. 

Ein Muss, solltet ihr ein Tablet in einen Handheld verwandeln wollen: ein mobiler Controller für Tablets. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Ein Muss, solltet ihr ein Tablet in einen Handheld verwandeln wollen: ein mobiler Controller für Tablets. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)


Der Controller aus diesem Artikel: Nach 7 getesteten Mobile-Controllern ist der Razer Kishi V3 Pro für mich der allerbeste und setzt nebenbei noch neue Standards für alle kommenden


Fazit: Gaming auf ARM ist ein Lichtblick inmitten der Hardware-Krise

Kann ein Android-Tablet wie das REDMAGIC Astra 2 einen klassischen PC-Handheld ersetzen? Noch nicht ganz. 

Die Kompatibilitäts-Lotterie bei PC-Spielen, spürbare Hitzeprobleme bei Volllast und das nötige Gefrickel stehen dem nahtlosen Plug-and-Play-Erlebnis eines Steam Decks derzeit noch im Weg.

Dennoch ist das Testergebnis ein echter Blick in die Zukunft:

  • Für wen es sich schon heute lohnt: Als Ergänzung zu PC und Konsole macht das Astra 2 bereits jetzt eine fantastische Figur. Wer PC-Spiele via Heimnetz oder Cloud streamt, Retro-Klassiker liebt oder leichte Steam-Titel spielen möchte, bekommt dank des herausragenden 185-Hz-OLED-Displays eine Bildqualität geboten, von der viele dedizierte Handhelds nur träumen können.
  • Es ist auch ein Tablet: Im Gegensatz zu teuren, dedizierten Handhelds bleibt das Astra 2 nach dem Spielen ein pfeilschnelles Allround-Tablet zum Lesen, Streamen und Arbeiten.
  • Der Blick auf den Markt: Bei Preisen von teilweise über 1.600 Euro für neue x86-Handhelds mausert sich die ARM-Architektur langsam, aber sicher vom Nischen-Experiment zur dringend benötigten Alternative. Wenn Branchengrößen wie Valve mit Projekten wie der Steam Frame diesen Weg weiter ebnen, ist die Trendwende nur noch eine Frage der Zeit.

Mein Urteil: Schnelle Android-Tablets sind heute zwar noch keine kompromisslosen Handheld-Killer, aber ein faszinierender Vorgeschmack darauf, wie wir in wenigen Jahren spielen könnten.


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