Die 85-jährige Dina Gazzella lebt allein in ihrer Wohnung im östlichen Rom. Technik macht es jedoch möglich, dass man im Zweifel trotzdem da sein kann: Ein schwarzes, uhrenähnliches Plastikarmband an ihrem Handgelenk überwacht permanent ihre Herzfrequenz, ihren Schlafrhythmus und ihre Bewegungen – innerhalb und außerhalb der Wohnung.
Bewegungssensoren erkennen Stürze automatisch; ein Notrufknopf erlaubt es ihr, im Ernstfall direkt Hilfe zu rufen. »Wenn ich mich unwohl fühle, ist das ein Lebensretter«, sagte Gazzella gegenüber Reuters.
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Das Armband ist Teil eines 400-Millionen-Euro-Förderprogramms, das Roms Stadtverwaltung im vergangenen Jahr mit EU-Mitteln aus dem Post-Covid-Wiederaufbaufonds aufgelegt hat.
Aktuell sind rund 700 Menschen eingeschrieben. Angesichts der derzeitigen, lebensbedrohlichen Hitzewelle in Europa – Rom verzeichnete zuletzt Temperaturen in den oberen 30 Grad Celsius – bezeichnen die Stadtbehörden das Gerät als wichtiges präventives Gesundheitswerkzeug.
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Mehr als Technik: Tägliche Anrufe gegen die Einsamkeit
Das eigentliche Besondere an Roms Programm ist aber nicht allein die Hardware. Die klinische Psychologin Piera Pomente koordiniert eine Anlaufstelle für das Armband-Programm in einer örtlichen Apotheke, wo sie gemeinsam mit ihrem Team Anmeldungen bearbeitet und die Daten der Teilnehmenden über einen Computerbildschirm überwacht.
Werktags zwischen 8:30 und 19 Uhr ist ihr Team erreichbar; nachts und am Wochenende gehen Benachrichtigungen automatisch per App an Angehörige.
- Über das vergangene Jahr verzeichnete Pomente zwei echte Notfälle – ein Mann, der auf der Straße stürzte, und ein Rollstuhlfahrer, der zu Hause abrutschte. Beide Fälle konnten gelöst werden, indem Angehörige alarmiert wurden, die rechtzeitig zur Stelle waren.
- An normalen Tagen geht es im Programm jedoch meist um etwas anderes: Sozialarbeiter rufen täglich an, um zu prüfen, ob Medikamente genommen wurden, wie die Betroffenen mit der Hitze zurechtkommen – oder einfach, um ein offenes Ohr zu bieten, wenn jemand sich langweilt oder einsam fühlt.
Kostenlos, aber nicht ohne Vorbehalte
Das Armband selbst ist für die Teilnehmenden kostenlos, dennoch gibt es bei manchen Vorbehalte wegen Datenschutzbedenken. Von 70 Personen, die sich anfangs über die Apotheke registrierten, sind laut Pomente nur rund 45 dabeigeblieben.
- Pomente betont in diesem Zusammenhang, dass keine Kameraüberwachung innerhalb der Wohnungen stattfinde; sie hofft, ausgestiegene Teilnehmende künftig zurückzugewinnen.
- Für Gazzella selbst war die Entscheidung pragmatisch: Man habe sie überzeugt, weil sie allein in der Wohnung lebe – wenn ihr etwas passiere, wenn sie falle, würde sie sonst niemand aufheben. Das Armband dagegen piept, und jemand kommt.
Gazella zeigt sich vom Nutzen überzeugt. Zwischen Kaffeekochen, Fotos ihrer Enkelkinder und Erzählungen von einem Ausflug zu einem Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg wirkt die 85-Jährige auch im obigen Reuters-Video lebhaft und unabhängig – mit dem Wissen ausgerüstet, dass sich im Ernstfall jemand um sie kümmert.
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