Was tun, wenn eine brandneue RTX 5070 Ti bereits nach kurzer Zeit den Geist aufgibt? Das bekannte brasilianische Modder-Team rund um Paulo Gomes stand genau vor dieser Herausforderung. Die defekte Grafikkarte, die ursprünglich entsorgt werden sollte, wies massive Schäden auf: Mehrere VRM-Module waren ausgefallen oder komplett verbrannt, und ein großes Loch klaffte im PCB nahe der Anschlüsse – so groß, dass die Modder scherzten, es könnte von einer Kugel stammen.
Anstatt die Karte aufzugeben, entwickelten die Tüftler einen aus Bastlersicht interessanten Plan: Sie wollten das funktionsfähige GPU-Die der RTX 5070 Ti auf eine andere Platine verpflanzen. Als Spender fiel die Wahl auf eine legendäre Pascal-Grafikkarte: die RTX 1080 Ti.
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Diese Custom-GPU zählte zu den besten der Overclocking-Zunft
Die GTX 1080 Ti, die 2017 auf den Markt kam, gilt bis heute als eine der besten Grafikkarten aller Zeiten. Mit 3.584 CUDA-Kernen, 11 GByte GDDR5X-Speicher und einer Speicherbandbreite von 484 GB/s setzte sie damals neue Maßstäbe.
Die in der Rettungsaktion genutzte Hall-of-Fame-Variante von Galax (in Europa als KFA2 vertrieben) stach innerhalb dieser Riege als exzellente Overclocking-Wahl hervor: Das auffällig weiße PCB beherbergt eine 16-Phasen-Stromversorgung mit drei 8-Pin-PCIe-Anschlüssen und bietet damit eine der solidesten elektrischen Plattformen ihrer Generation.
Der wohl wichtigste Schritt des Projekts bildete der sogenannte Reballing-Prozess. Hierbei wird der GPU-Chip von seiner ursprünglichen Platine entfernt, die Lötkugeln (Solder Balls) auf der Unterseite des Chips erneuert; anschließend wird der Chip auf eine neue Platine aufgebracht. Bei einem GPU-Die mit Hunderten oder Tausenden von Kontaktpunkten ist also absolute Präzision gefordert.
Die Modder mussten entsprechend sicherstellen, dass die elektrischen Anforderungen der RTX 5070 Ti mit der Stromversorgungsarchitektur der GTX 1080 Ti kompatibel sind – keine einfache Aufgabe, da beide Karten auf unterschiedlichen Architekturen basieren und unterschiedliche Spannungsprofile benötigen. Gomes und das Modder-Team nahmen hierfür mehrere Anpassungen vor:
- Die Spannungsversorgung für GPU-Kern und Speicher erforderte manuelle Modifikationen. Teilweise musste dies über eine Programmierung der PWM-Controller erfolgen, die die Spannungsregelung steuern.
- Mithilfe von Boardview-Dateien (detaillierten Schaltplänen, die eigentlich für Reparaturtechniker gedacht sind) konnten sie die I2C-Kommunikationswege identifizieren und die Spannungen anpassen.
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Ein weiteres Hindernis: die physische Kompatibilität. Obwohl beide Karten verschiedene GPU-Dies verwenden, musste das neue Die mechanisch und elektrisch auf das PCB der GTX 1080 Ti passen. Dass die Galax-Karte ein großzügig dimensioniertes PCB mit hochwertigen Komponenten besitzt, half hierbei erheblich.
Noch ist die Rettungsaktion aber nicht vollbracht. Zwar lässt sich die RTX 5070 Ti wieder einschalten und läuft auch im Idle-Takt, darüber hinaus quittiert die Grafikkarte aber den Dienst. Weitere Maßnahmen, um potenzielle Ursachen wie fehlende Signale zu erforschen, wollen die Modder demnächst wieder vorführen.
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