Da der Stromverbrauch aufgrund von Klimaanlagen in die Höhe schießt, hat Singapur eine Idee: Gebäude, die »schwitzen«

Die Temperaturen steigen, die Klimaanlagen laufen. In Singapur wurde jetzt eine Technologie entwickelt, die Gebäude kühlen soll. Ganz ohne Strom.

Schwitzende Häuser müssen nicht besonders sein – aber weiß. Zumindest wenn sie nach einer neuen Technologie aus Signapur funktionieren. (Bildquelle: links: Dmitry, rechts: Johannes, beide Adobe Stock) Schwitzende Häuser müssen nicht besonders sein – aber weiß. Zumindest wenn sie nach einer neuen Technologie aus Signapur funktionieren. (Bildquelle: links: Dmitry, rechts: Johannes, beide Adobe Stock)

Es wird heißer auf der Erde. Während wir uns gerade damit beschäftigen, wie wir uns bei sommerlichen Temperaturen etwas Abkühlung verschaffen, verbrauchen besonders Klimaanlagen eine Menge Strom – und das macht die Erde am Ende noch heißer.

In Singapur wurde dafür gerade eine neue spannende Technologie entwickelt: Häuser, die ganz ohne Strom schwitzen.

Klimaanlagen kühlen uns ab – und heizen den Klimawandel an

Der bisher heißeste Tag in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnung fand laut Wikipedia am 25. Juli 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl, beide am Niederrhein statt. Die Temperatur kletterte bis auf 41,2 Grad Celsius.

Dabei werden in vielen Ländern wie etwa in Indien, diversen nordafrikanischen Ländern, aber auch Kanada laut klimareporter auch Temperaturen bis über 50 Grad gemessen. Laut Geo hat der Körper vieler Mitteleuropäer deutlich mehr Stress, sich herunterzukühlen. Das kann bis zum Tod führen. Klimaanlagen können da Lebensretter sein.

Allerdings ist deren Betrieb laut klimareporter auch ein mächtiger Klimatreiber:

  • Weltweit sind bereits rund zwei Milliarden Klimaanlagen in Betrieb, eine Zahl, die bis Mitte des Jahrhunderts auf knapp sieben Milliarden ansteigen könnte.
  • Dieser enorme Stromverbrauch macht heute schon etwa zehn Prozent des global produzierten Stroms aus und trägt maßgeblich zu Treibhausgasemissionen bei – oft durch die Nutzung von schmutzigem Strom aus fossilen Quellen.
  • Dieser Teufelskreis befeuert die Erderwärmung und erhöht den Bedarf an noch mehr Kühlung.

Um den Teufelskreis zu durchbrechen, sind neue, klimafreundlichere Technologien nötig. Eine davon kommt jetzt aus Singapur: Wandfarbe.

Video starten 1:00 Endless Legend 2: Das wohl spannendste Strategiespiel des Sommers hat einen Early-Access-Termin

Schwitzende Farbe: Der Schlüssel ist die passive Kühlung.

Die Nanyang Technological University in Singapur hat ein Paper im Fachmagazin Science veröffentlicht. Dort präsentieren sie eine neuartige Zementfarbe, die das Prinzip des Schwitzens nachahmt, um Gebäude zu kühlen.

Das bietet im Gegensatz zu herkömmlichen Klimaanlagen eine passive Kühlung. Materialwissenschaftler Li Hong erklärt im Interview mit der Webseite ScienceNews, dass die Farbe keinerlei weiteren Energieinput benötigt, um Gebäude effizient zu kühlen.

Die Zementfarbe der Forscher kombiniert drei Kühlstrategien:

  1. Sonnenlichtreflexion: Die Farbe ist weiß und hat laut den Forschern auch nach 2 Jahren unter extremen Bedingungen in der Hitze Singapurs nichts von ihrer Reflexionswirkung eingebüßt.
  2. Wärmeabstrahlung: Die Farbe ist in der Lage, bis zu 95 Prozent der Wärme, die sie absorbiert, als unsichtbare Infrarotstrahlung wieder an die Atmosphäre abzugeben. Das hilft, die Oberfläche des Gebäudes kühl zu halten, anstatt die Wärme in die Umgebungsluft abzugeben, wie es Klimaanlagen tun.
  3. Verdunstung: Die Farbe hat eine poröse Struktur, die Wasser speichert und es langsam in die Umgebung abgibt, ähnlich wie der menschliche Körper durch Schwitzen seine Temperatur reguliert. Der Verdunstungseffekt trägt zusätzlich zur Kühlung der Gebäudeoberfläche bei.

Laut ScienceNews zeigen Tests, dass Häuser, die mit der Farbe gestrichen sind, 30 bis 40 Prozent weniger Energie für Klimaanlagen verbrauchten. Forscher See Wee Koh betont aber, dass der positive Effekt der Farbe nicht nur zu einem gesenkten Energieverbrauch im jeweiligen Gebäude führt.

Auch der Wärmeinsel-Effekt (Urban Heat Island effect oder kurz UHI) von ganzen Metropolen wie Singapur werde durch die Farbe abgeschwächt: Denn Klimaanlagen geben warme Luft nach Außen ab, sodass dicht besiedelte Städte durch sie noch heißer werden. Die Zementfarbe tut das nicht.

Wabenplissee für mein Wohnzimmer
Wabenplissee für mein Wohnzimmer
Einfach zu installierender Sonnen- und Sichtschutz
Plissee für mein Büro
Plissee für mein Büro
Plissee mit Saugnäpfen, eignet sich gut für Schrägfenster
Fensterfolie für das Büro
Fensterfolie für das Büro
Selbstklebender Sichtschutz mit Sonnen- und Hitzeschutz

Die Natur zeigt ihre Ingenieurskunst

Die Farbe der technischen Universität in Singapur ist eine Entwicklung, die Hoffnung macht, in Zukunft den Teufelskreis aus Klimaanlagen und Klimawandel zu durchbrechen. Doch sie ist nur ein Faktor, an dem wir ansetzen müssen, um für steigende Temperaturen gewappnet zu sein, ohne gleichzeitig den Klimawandel zu befeuern.

Der Wärmeinsel-Effekt etwa, also dass Städte im Sommer deutlich heißer werden als kleinere Siedlungen, betrifft auch deutsche Städte wie Mannheim und München. Der ist ein mutlifaktorielles Problem, bei dem die Abwärme von Klimaanlagen nur ein begünstigender Faktor ist.

Hierfür viel ausschlaggeender sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) aber:

  1. Versiegelung von Flächen: Große Bereiche in Städten sind durch Beton, Asphalt und andere Baumaterialien versiegelt, die viel Sonnenwärme speichern und nur langsam wieder abgeben.
  2. Fehlende Vegetation: Weniger Grünflächen, Bäume und Gewässer in der Stadt bedeuten weniger natürliche Kühlung durch Verdunstung und Schatten.

Um den unmittelbar steigenden Temperaturen und deren möglichen Folgen zu begegnen, sind also längst nicht nur neue technische Errungenschaften nötig, sondern auch natürliche Technologien, die ihre kühlende Funktion lange vor der ersten Dampfmaschine perfektioniert haben: Bäume, Sträucher, Gewässer.

Der Schatten eines Baumes und der Sprung in ein kaltes Gewässer kann auch euch ganz unmittelbar an heißen Tagen Abkühlung verschaffen. Und auch wenn ihr zuhause bleiben müsst, müsst ihr nicht darauf warten, bis euer Haus das Schwitzen anfängt, sondern schaut lieber bei unserem Kollegen Nicolas vorbei:

Der ist durch mehrere Sommer in einer Dachgeschosswohnung zu einem Experten auf dem Gebiet der effektiven Kühlung der eigenen vier Wände geworden.

So könnt ihr euch ein bisschen Abkühlung verschaffen – lange bevor eure Wände das Schwitzen anfangen.

zu den Kommentaren (5)

Kommentare(5)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.