Sie ist ein weit, weit entferntes Rätsel für die Menschheit: die Oortsche Wolke, benannt nach ihrem niederländischen Entdecker Jan Oort und wahrscheinlicher Ursprung von langperiodischen Kometen, deren Herkunft vor der Entdeckung im Jahr 1950 unklar war.
Dass wir so wenig darüber wissen, hängt auch mit den riesigen Distanzen zusammen. Die Oortsche Wolke befindet sich am Rand unseres Sonnensystems in einer Entfernung von etwa 2.000 bis 5.000 astronomischen Einheiten (AE). Eine dieser Einheiten entspricht der Distanz der Erde zur Sonne.
Wissenschaftler haben mithilfe des NASA-Supercomputers Pleiades Simulationen der Wolke erstellt. Auf eine bemerkenswerte Besonderheit in den Daten sind sie aber erst durch einen Zufall gestoßen.
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Planetarium-Show zeigt, was die Forscher übersehen haben
Für die Show Encounters in the Milky Way des Hayden Planetariums in New York City, die dort seit dem 9. Juni 2025 läuft, haben die Macher auf die oben genannten Daten zurückgegriffen. Sie stammen unter anderem vom Wissenschaftler David Nesvorny vom Southwest Research Institute.
Bei der entsprechenden Visualisierung der Daten für die Show des Planetariums wurde völlig unerwartet eine spiralförmige Struktur in der Oortschen Wolke entdeckt. Bislang ging man dagegen davon aus, dass sie eher kugelförmig ist.
Bei CNN Science äußerte sich die Kuratorin der Ausstellung, Jackie Faherty, Astrophysikerin am American Museum of Natural History, folgendermaßen dazu:
Wir starteten die Szene und sahen es sofort. Es war einfach da. Ich war verwirrt und fand das super seltsam. Ich wusste nicht, ob es sich um ein Artefakt handelte, ich wusste nicht, ob es echt war.
Ein Bild davon seht ihr hier:
Ein Zufallsfund mit Folgen
Faherty kontaktierte daraufhin Nesvorny, schließlich stammten die Daten von ihm. Gleichzeitig sah sie darin eine physikalisch völlig plausible Begründung für das Erscheinen der Spiralform.
Nesvorny ging zunächst trotzdem davon aus, dass es sich um ein visuelles Artefakt handelt. Doch nach der Überprüfung seiner Daten kam er zu demselben Schluss wie Faherty.
Dazu sagte er gegenüber CNN Science ganz ehrlich: Eine seltsame Art, Dinge zu entdecken. Nach jahrelanger Arbeit mit meinen Daten sollte ich sie besser kennen.
Wie wertvoll der Fund war, zeigt die passende wissenschaftliche Arbeit dazu, die Nesvorny gemeinsam mit seinen Kollegen später veröffentlicht hat. Sie erschien zunächst bei der Cornell Universität, später dann auch im Astrophysical Journal und hat für viel Aufmerksamkeit gesorgt.
Was die Oortsche Wolke so faszinierend macht
Es handelt sich um eine Struktur, die wahrscheinlich unser gesamtes Sonnensystem umschließt. Sie besteht aus einer riesigen Zahl von astronomischen Objekten, die sogar in die Billionen gehen könnte.
Bei diesen Objekten handelt es sich gewissermaßen um Nebenprodukte von der Entstehung der Planeten unseres Sonnensystems. Sie wurden bei diesem Prozess aus dem System herausgeschleudert beziehungsweise an seinen äußeren Rand befördert.
Manche davon kehren als Kometen wieder zu uns zurück. Weil die Objekte gleichzeitig nicht die gleiche Umlaufbahn wie das Sonnensystem selbst haben, sondern sich in verschiedenen Neigungswinkeln bewegen, ging man bislang von der Kugelform aus.
Eine Frage der Darstellung
Dass Nesvorny die nun auf Basis seiner Daten vermutete Spiralform nicht selbst entdeckt hat, liegt laut CNN Science an einem simplen Umstand: Er habe nie darüber nachgedacht, sie dreidimensional zu veranschaulichen, wie es im Rahmen der Show im Hayden Planetarium geschehen ist.
Nesvorny selbst beschreibt es so:
Ich habe es nie in kartesischen Koordinaten betrachtet – ich hatte keinen guten Grund dafür. Aber wenn man das einmal tut, ist es offensichtlich. Es ist da.
Um uns nicht nur auf Basis von simulierten Daten von der möglichen Spiralform der Oortschen Wolke überzeugen zu können, haben wir bislang gleichzeitig nicht die passende Ausrüstung in Form von ausreichend starken Teleskopen.



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