SSDs sind zumindest im Privatkundenmarkt zum Festplatten-Standard geworden. Für einige Nutzer dürfte das sogar so weit gehen, dass diese die SSDs auch als dauerhafte Backup-Lösung ansehen: Daten fix auf die Festplatte schreiben, ausstecken und ab in die Schublade damit.
Was mit magnetischen Festplatten Jahrzehnte lang funktioniert, ist bei NAND-Flash-Speichern jedoch unter Umständen ein riskantes Spiel, wie das Portal XDA-Developers erklärt.
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Das physikalische Problem
An dieser Stelle müssen wir kurz ein wenig tiefer in die Technik gehen. SSDs unterscheiden sich nämlich fundamental von Magnetfestplatten. Sie speichern Daten, indem sie elektrische Ladungen in sogenannte Floating-Gate-Transistoren einlagern – jeder Transistor repräsentiert eine 1 oder 0.
Theoretisch sollte diese nicht-volatile Speicherung ohne Stromversorgung sicher bleiben, die Praxis sieht aber anders aus: Mit der Zeit entweicht die gespeicherte Ladung aus den NAND-Zellen.
Dieser Prozess wird als »Leckstrom« bezeichnet und ist nicht irgendein Designfehler, sondern pure Physik, wie unter anderem ein Langzeittest des YouTubers »HTWingNut« (via Tom's Hardware) zeigt.
- Vier SSDs wurden unter zwei verschiedenen Bedingungen untersucht: Das erste Szenario umfasste nagelneue, quasi ungenutzte Laufwerke.
- Die zweite Gruppe bestand aus bereits stark beanspruchten Modellen, die bereits 280 TByte an Daten verarbeitet hatten – weit mehr als die Hersteller-Spezifikation von 60 TByte vorsieht.
- Auf alle SSDs wurden 100 GByte zufälliger Testdaten geschrieben und Prüfsummen erstellt, um die Daten später verifizieren zu können. Nach zwei Jahren ohne Stromzufuhr folgte der Check.
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Die gute Nachricht: Bei den neuen Laufwerken waren die Daten nach zwei Jahren noch vorhanden. Die Verifizierung verlief erfolgreich – doch es gab bereits erste Warnsignale. Die ECC-Fehlerwerte (Error Correction Code) stiegen auf über 400 und deuteten somit auf interne Fehler hin, die das Laufwerk ausbessern musste; auch die Verifizierungszeit war gestiegen.
Deutlich dramatischer sah es bei den vorbelasteten Laufwerken aus. Hier bestand das Experiment keinen Stresstest:
- Vier Dateien waren beschädigt, die Verifizierung schlug komplett fehl. Die Verifizierungszeit schnellte dabei von ursprünglich 10 auf 42 Minuten in die Höhe.
- Ebenfalls kritisch: Die nicht korrigierbaren Sektoren sprangen von 0 auf 12, während die ECC-Wiederherstellungswerte von 11.745 auf über 201.273 explodierten.
Backup-Strategien: Die Rückkehr der Magnetfestplatten
Wenn ihr größere Datenmengen über Jahre offline speichern müsst, solltet ihr laut XDA-Developers eine alte Wahrheit wieder in Betracht ziehen: Magnetische Festplatten sind für das »Kaltlagern« zuverlässiger. Eine externe HDD kostet pro GByte zudem weniger und bietet in diesem Kontext über Jahrzehnte hinweg vergleichbare oder sogar bessere Sicherheit.
Für kritische Backups empfiehlt sich die 3-2-1-Regel: Ein Backup auf eine SSD (schneller Zugriff), ein Backup auf eine Festplatte (Langzeitschutz) sowie ein Backup in die Cloud (geografische Redundanz). Mehr dazu erklärt euch Alana:
Moderne SSDs: »Bessere« Technologie, gleiches Problem
Die Frage nach modernen SSD-Generationen beantwortet sich teilweise selbst. Verbesserte NAND-Technologien wie TLC (Triple-Level Cell) und QLC (Quad-Level Cell) ermöglichen höhere Kapazitäten, aber nicht automatisch längere Datensicherheit. Und siehe da: Beim Blick auf aktuelle SSDs fällt auf, dass nahezu alle Hersteller im Endkundenmarkt eben auf TLC oder QLC setzen.
- Laut XDA-Developers hat sich in diesem Kontext die Zuverlässigkeit von QLC zwar verbessert, doch gilt hier noch immer – ebenso wie bei TLC – bestenfalls zwei bis drei Jahre an gefahrloser Kaltlagerung.
- Umgebungsbedingungen spielen ebenfalls eine Rolle. Der erwähnte Leckstrom taucht etwa schneller auf, je höher die Temperatur eures (sozusagen) Lagers ist. Wenn ihr die SSD also im schwülen Dachboden während des Hochsommers lagert, lauft ihr größere Gefahr, Daten zu verlieren.
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