Touchscreens schaden der Fingerfertigkeit - Ungeschickt durch zu viel Wischen?

Ein Chirurgie-Professor bescheinigt Studenten des letzten Jahrzents deutlich zurückgegangenes manuelles Geschick durch zuviel Touch-Screen-Gebrauch.

von Sara Petzold,
14.05.2019 20:15 Uhr

Medizinstudenten verfügen laut einem Chirurgie-Professor immer seltener über ausreichende Fingerfertigkeiten für ihre Arbeit – reicht es nur noch für den Surgeon Simulator?Medizinstudenten verfügen laut einem Chirurgie-Professor immer seltener über ausreichende Fingerfertigkeiten für ihre Arbeit – reicht es nur noch für den Surgeon Simulator?

Wer nicht nur im Surgeon Simulator, sondern vielleicht auch irgendwann im echten Leben gern den Beruf des Arztes oder eines Chirurgen ausüben möchte, tut angeblich gut daran, auf den allzu häufigen Gebrauch von Touchscreens zu verzichten respektive seine Fingerfertigkeit mit komplexeren manuellen Tätigkeiten zu entwickeln.

Denn Experten vermuten, dass insbesondere Kinder und Jugendliche durch das Bedienen von zweidimensionalen, flachen Displays mit entsprechenden Wischgesten wichtige Fähigkeiten der Feinmotorik und Fingerfertigkeit nicht mehr erlernen.

Wischen ist zu einfach

In der Technology Review warnt deshalb Roger Kneebone, Professor für Chirurgie am Imperial College London, davor, dass Eltern ihren Kinder zu wenig physische Beschäftigungsmöglichkeiten an die Hand geben – etwa das Basteln mit Schere oder Holz- und Gesteinsbearbeitung – und sie stattdessen zuviel Zeit mit reinen Wischbewegungen auf dem Touchscreen verbringen.

Zu viel Zeit vor Smartphone und Tablet - Touchscreens führen laut einem Chirurgie-Professor dazu, dass junge Studenten häufig weniger fingerfertig sind als vorherige Generationen.Zu viel Zeit vor Smartphone und Tablet - Touchscreens führen laut einem Chirurgie-Professor dazu, dass junge Studenten häufig weniger fingerfertig sind als vorherige Generationen.

Laut Kneebone erlernen Studenten den filigranen Umgang mit Skalpell und Knochensäge heute spürbar schwerer – manuelle Fähigkeiten, die bei früheren Generationen automatisch und bereits vor dem Studienbeginn vorhanden waren, würden heute zunehmend fehlen.

Der Experte befürchtet, dass die mangelnde Fingerfertigkeit junger Medizinstudenten künftig zu einem echten Problem für die gesundheitliche Versorgung heranwachsen könnte.

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Zwar existieren bereits medizinische Roboter, die vereinzelt Aufgaben im Operationssaal übernehmen können. Trotzdem müssen Menschen viele besonders filigrane Aufgaben immer noch selbst ausführen.

Üben hilft

Eltern und Pädagogen sollen deshalb Kinder möglichst häufig physisch beschäftigen. Als Beispiele nennt Technology Review etwa das Helfen in der Küche oder das Lernen eines Musikinstruments wie Klavier oder Geige.

Auch Kinder, die an Halloween einen Kürbis ausschneiden oder an Ostern mit den Eltern Eier bemalen würden von diesen handwerklichen Aktivitäten später profitieren.


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