Überwachung - Tech-Firmen selbst schuld an Regierungsintervention, sagt Bill Gates

Diverse Tech-Firmen wehren sich aktuell gegen staatliche Restriktionen. Bill Gates sagt: An dieser Entwicklung sind sie selber schuld.

von Sara Petzold,
15.02.2018 14:23 Uhr

Bill Gates schreibt den Tech-Firmen die Ursachen für staatliche Eingriffe selbst zu. (Bildquelle: YouTube)Bill Gates schreibt den Tech-Firmen die Ursachen für staatliche Eingriffe selbst zu. (Bildquelle: YouTube)

Im aktuellen gesellschaftlichen Diskurs um Sicherheit und moderne Technologien kritisieren US-amerikanische Firmen derzeit verstärkt die Pläne von Regierungen weltweit, die eine stärkere Überwachung von Social Media und Telekommunikation fordern. In einem Interview mit Axios erklärte Bill Gates: An dieser Entwicklung hin zu mehr staatlicher Kontrolle seien die Firmen selber schuld.

Firmen wehren sich zu Unrecht gegen legitime Aufsicht, so Gates

Laut Gates müssen sich die großen Tech-Firmen besonders in Acht nehmen, sich gegenüber der Regierung nicht zu arrogant zu zeigen und jedwede Kontrolle von staatlicher Seite abzulehnen. »Die Firmen [sollten] keine Dinge befürworten, die die Regierung davon abhalten, unter angemessener Überpfüfung die Funktionen auszuführen, an die wir uns gewöhnt haben«, erklärte der Microsoft-Gründer im Interview.

Gates befürchtet demzufolge, dass eine Weigerung der Tech-Firmen zu einer Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden in bestimmten Bereichen zu einer eigentlich unnötigen »alptraumhaften Intervention« seitens der Regierung führen könnte.

Anstatt geführter, berechtigter Überwachung, die aus einer einvernehmlichen Zusammenarbeit zwischen Regierung und Tech-Industrie erwachsen könnte, würden die Tech-Firmen mit ihrer absoluten Weigerungshaltung ultimativ genau das Gegenteil erreichen: drakonische Strafen und Maßnahmen absoluter Kontrolle durch die Regierung.

Beispiel: Kriminelle Finanz-Transaktionen

Als Beispiel für eine Gelegenheit, bei der sich Tech-Firmen gegen einen legitimen Eingriff der Regierung zur Überwachung von Kriminellen zur Wehr gesetzt hätten, führte Gates finanzielle Transaktionen an:

"[Es geht um] den Enthusiasmus [der Tech-Firmen], finanzielle Transaktionen anonym und unsichtbar zu machen, und ihre Ansicht, dass sogar die Kommunikation eines eindeutig massenmörderischen Kriminellen der Regierung niemals zugänglich sein solle."

Daneben erklärte Gates bei dem Verweis seines Interview-Partners auf Apples Weigerung zur Entsperrung der iPhones von Verdächtigen, es sei keine Frage des Könnens, sondern des Wollens: Apple sei durchaus in der Lage, die Smartphones zu entsperren; sie wollten es nur nicht.

Insgesamt geht es Gates aber auch um moralische Aspekte der Debatte: »Es bleibt immer die Frage, wie viel Technologie eine kleine Gruppe Menschen dazu ermächtigt, Schaden anzurichten«, merkte er im Interview an.

Ob der Apell von Bill Gates an die Tech-Branche langfristig einen Einfluss auf deren Verhalten gegenüber staatlichen Behörden haben wird, ist fraglich. Ganz von der Hand zu weisen ist Gates Kritik allerdings wohl nicht.


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