Unfallrisiko Touchscreen: US-Kriegsmarine setzt wieder auf Hebel und Knöpfe

Weil Touchscreens auf Schiffen die Unfallgefahr erhöhen, ersetzt sie die US-Kriegsmarine jetzt wieder durch analoge Technik.

von Sara Petzold,
14.08.2019 08:14 Uhr

Touch-Bedienflächen können laut aktueller Berichte auf Schiffen zu einer erhöhten Unfallgefahr führen.Touch-Bedienflächen können laut aktueller Berichte auf Schiffen zu einer erhöhten Unfallgefahr führen.

Eigentlich sollen Touchscreens eine vereinfachte Bedienung von Hard- und Software ermöglichen. Im Fall des US-Zerstörers John S. McCain könnten die entsprechenden User-Interfaces allerdings zu einem folgenschweren Unfall geführt haben, bei dem zehn Besatzungsmitglieder des Schiffes zu Tode kamen.

Der Unfall ereignete sich laut Heise am 21. August 2017 in der Malakaastraße zwischen der Malaiischen Halbinsel und der Nordostküste von Sumatra, als die McCain mit dem Tankerschiff Alnic CM zusammenstieß.

Die US-Behörde für Transportsicherheit (NTSB) ermittelte zu den Vorkommnissen und befand in ihrem Unfallbericht, dass neben Schlafmangel die unzureichende Vertrautheit der Matrosen mit dem Touchscreen-System sowie dessen Design wesentlich zu der Kollision beigetragen hätten.

Mangelndes Feedback und schlechtes Design

Für eine genaue Bedienung per Touchscreen ist passendes Feedback ein wichtiger Faktor - der auf den von der US-Marine eingesetzten Systemen offenbar fehlte.Für eine genaue Bedienung per Touchscreen ist passendes Feedback ein wichtiger Faktor - der auf den von der US-Marine eingesetzten Systemen offenbar fehlte.

Das Hauptproblem bei der Touchscreen-Steuerung besteht offenbar darin, dass mehr als eine Station auf der Brücke das Schiff steuern kann - die Rückmeldung darüber ist aber auf den übrigen Bildschirmen nicht ausreichend vorhanden.

Außerdem geben die Bedienfelder kein haptisches Feedback, sodass die Nutzer keine Rückmeldung erhalten, ob das System ihre Eingabe akzeptiert hat.

Der Unfall der McCain ist nicht der erste dieser Art: Erst vor wenigen Monaten kollidierte die USS Fitzgerald mit einem Containerschiff, sieben Seeleute starben. Auch damals maß man der Touchscreen-Steuerung eine Teilschuld an dem Unfall zu.

Die US-Kriegsmarine will deshalb ihre Zerstörer-Flotte wieder auf mechanische Steuerungsmechanismen in Form von Knöpfen und Hebeln umrüsten. Allerdings wird das laut Heise wegen der dafür nötigen Ausschreibung wohl noch eineinhalb bis zwei Jahre dauern.


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