Apple Vision Pro und die kommenden Meta VR Glasses zeigen den Trend zu immer kleineren XR-Brillen. Aber selbst eine Sonnenbrille ist irgendwie ein Störfaktor im Gesicht. Und außerdem hat uns das Holodeck von Star Trek ein wenig anspruchsvoll gemacht, was immersive Rundumgrafik ganz ohne Brillenunterstützung angeht.
Doch keine Sorge, daran wird gearbeitet: Ein Team der Kyushu University um den Entwickler Shogo Fukushima entwickelt einen Stuhl, der längere VR/XR-Sitzungen komfortabler gestalten soll, ganz ohne Brille.
Frei schwebendes Bild statt sperriger Brille
Im professionellen Bereich gibt es momentan zwei Möglichkeiten, Inhalte immersiv zu visualisieren: Große Projektionsräume, in denen die Bilder auf große Flächen rund um den Nutzer projiziert werden und Brillen wie die bereits erwähnte Apple Vision Pro oder auch Meta Quest 3. Bei letzteren sitzt das Display direkt vor den Augen und folgt den Kopfbewegungen.
Fukushima und sein Team haben sich für einen Mittelweg entschieden: Ein VR-Sessel mit einem kompakten optischen System, das ein scheinbar frei im Raum schwebendes und dazu räumliches Bild erzeugt.
Eine erste öffentliche Vorstellung für den VR-Sitz gab es auf der Computergrafik-Konferenz SIGGRAPH 2026, begleitet von einer wissenschaftlichen Arbeit mit dem angemessen sperrigen Titel Mountless Aerial HMDs: Designing Non-Wearable HMD Experiences Based on Aerial Imaging Optics.
Wie funktioniert der VR-Stuhl?
Auch wenn ihr ihn nicht seht, ein Bildschirm kommt trotzdem zum Einsatz. Ein besonders leuchtstarkes Modell sitzt unter dem eigentlichen Sichtfeld. Trotzdem schaut ihr nicht direkt auf einen Monitor: Das Bild wird mittels einer Sammellinse und einer Platte aus vielen kleinen Spiegeln so umgeleitet, dass es an einer anderen Stelle im Raum erscheint.
Dabei bekommen das linke und das rechte Auge jeweils eine leicht andere Perspektive präsentiert, so entsteht der 3D-Eindruck.
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Mit klassischen Hologrammen hat das alles übrigens weniger zu tun, als es den Anschein hat. Das Verfahren nennt sich Aerial Imaging. Und es projiziert auch kein ganzes Holodeck, sondern eher einen kleinen Bildausschnitt wie eine Apple Vision Pro oder eben ein Monitor. Mit der Bewegung des Stuhles bewegt sich allerdings auch der Bildinhalt, ähnlich wie in VR. Noch mehr Details gibt es in einem Bericht bei NewAtlas.
Ganz so sehr nach Sci-Fi wie es klingt, ist die Konstruktion dann aber doch nicht: Bildprojektionen, die wirken wie frei im Raum schwebend, gibt es schon mehrere Jahrzehnte. Neu ist hier eher die Kombination aus optischem System und einem Sitzsystem inklusive Tracking für die räumliche Betrachtung von Inhalten auf kleinem Raum.
Ersetzt das jetzt die Meta Quest?
Fukushima gibt an, die Entwicklung gestartet zu haben, nachdem sich Mitarbeitende über VR-Übelkeit und die störende Brille beklagt haben. Das Betrachten frei im Raum zu schweben scheinender Monitor soll die bei intensiver VR-Nutzung auftreten könnende Übelkeit verringern oder ganz beheben. Die Chancen stehen gut, da dem Gleichgewichtsorgan durch den Stuhl Bewegung angezeigt wird, während sich das Bild gleichzeitig passend bewegt.
Eine Brille müssen Nutzende des VR-Stuhls tatsächlich nicht aufsetzen. Dafür ist die Konstruktion an sich recht voluminös, da der passend Cocoon genannte Stuhl sich bei Nutzung tatsächlich in einen Kokon verwandelt. Vor der dort sitzenden Person fährt ein Teil der Konstruktion herunter, mit der die frei schwebenden Grafiken dargestellt werden.
Wie eine Schmetterlingsraupe im Wohnzimmer Half-Life: Alyx zocken? Eher nicht, VR-Brillen wie die Meta Quest 3 wird so ein Cocoon nicht ablösen. Zumal auch eher die Apple Vision Pro als Konkurrenz zu sehen ist: Hier geht es mehr um produktives Arbeiten, als ums Spielen. So könnten damit Roboter ferngesteuert oder Hilfe in Katastrophengebieten überwacht werden. Als potentieller Anwendungsbereich werden aber auch interaktive Museumstouren genannt.
Ebenfalls denkbar wäre auch der Einsatz der Technologie in (selbstfahrenden) Autos oder in anderen Verkehrsgeräten. Abgeschottet von der Umgebung ließe es sich darin sicherlich angenehm arbeiten, aber vielleicht vorerst doch nur als Beifahrer.
Stärken und Schwächen der Technologie
Bislang ist das Sichtfeld (Field of View) der sogenannten Mountless Aerial HMDs recht gering, deutlich unter dem einer Meta Quest 3. Viel wichtiger aber: Es gibt bislang kein vollständiges Raumtracking, die nutzende Person bewegt sich nur mit dem Stuhl im Kreis, um sich umzusehen.
Den Kopf ins Bild stecken, um etwas im Detail zu betrachten funktioniert schon nicht mehr so gut wie unter einer echten VR-Brille mit 6 Freiheitsgraden.
Mehr zum Thema VR-Brillen: Die besten VR-Brillen 2026 von Quest 3S bis Steam Frame
Dafür dürfte ein gemütlicher Sitzplatz ohne schwere Brille auf dem Kopf besser für längere Arbeiten in der Mixed und Virtual Reality geeignet sein. Auch hier geht es natürlich deutlich weniger um Gaming, als um den Einsatz in der Industrie oder im Büro. Ein Vorläufer des berühmten Holodecks ist die Technologie daher nicht. Und wohl auch nichts, was unsere Wohnzimmernutzung in den nächsten Jahren verändern könnte.
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