Als ich das erste Mal von dem Mini-PC der neuen Marke VZMORE hörte, habe die technischen Daten sofort mein Interesse geweckt.
Im Inneren werkelt Gaming-Hardware, die ich von meinen Handheld-Tests kenne. Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied: Dieser Mini-PC kann sich dank eines ausgeklügelten Kühlsystems fast die doppelte Wattzahl gönnen.
Dementsprechend hatte ich eine gewisse Erwartungshaltung an den kleinen Kasten. Nach meinem kleinen Praxistest stelle ich fest, dass nicht selten kleine Details über die tatsächliche Gaming-Performance entscheiden.
Highlight-Features des VZMORE AX9
Deutsche Marke: Eine Sache hat mich schon vor dem Test neugierig gemacht: Das noch sehr junge Unternehmen stellt sich als eine deutsche Marke vor.
Auf Nachfrage schlüsselt der Hersteller die Arbeitsteilung und Standorte des Unternehmens wie folgt auf:
- Produktkonzept und Qualitätssicherung: Leitung durch ein deutsches Team
- Warenlager und Logistik: Standort in Deutschland
- Forschung und Produktion: Entwicklung und Fertigung in Zusammenarbeit mit einem Team in Taiwan
- Geschäftssitz: Globales operatives Hauptquartier in Hongkong
VZMORE ist im Herzen also dennoch ein asiatisches Unternehmen, auch wenn die Konzeption, Qualitätssicherung und der Versand aus Deutschland erfolgt.
Hardware sehr nah am Asus ROG Xbox Ally X: Im Inneren steckt der AMD Ryzen AI 9 HX 470, mit Radeon 890M. Dieser Chip ähnelt dem AMD Ryzen Z2 Extreme sehr; beim HX 470 ist noch eine NPU für lokale KI-Berechnung integriert.
Der Mini-PC kann sich jedoch bis zu 65 Watt genehmigen, während der Handheld eine harte Grenze bei 35 Watt zieht. Der AX9 Max könnte sich also ordentlich als 1080p-Gaming-Maschine eignen.
Effiziente und leise Kühlung: Damit der PC bei der erhöhten Leistungsaufnahme kühl und leise bleibt, hat der Hersteller ein besonders Kühlsystem mit großflächiger Vapor-Chamber und einem 360-Grad-Intake an der Unterseite eingebaut. Wie gut das in der Praxis funktioniert, erfahrt ihr weiter unten im Text.
32 GB im Dual-Channel: Dass Fertig-PCs oder Mini-PCs wie dieser mit nur einem einzigen Speichermodul ausgeliefert werden, ist in Zeiten von knappen RAM leider nicht unüblich, wie ich in der Vergangenheit bei ähnlichen Geräten feststellen musste.
Das große Problem: die Speicherbandbreite wird dadurch halbiert, was bei einem Chip, der den Systemspeicher auch als Videospeicher nutzen muss, auf Kosten der Gaming-Leistung geht.
Der AX9 Max kommt erfreulicherweise mit zwei 16 GB Modulen mit 5.600 MT/s. Das ist sogar 8 GB RAM mehr als beim Asus ROG Xbox Ally X; dessen RAM ist mit 7.500 MT/s jedoch ein gutes Stück schneller.
Lokale KI: Dank seiner schnellen Hardware und 32 GB Arbeitsspeicher eignet sich der Mini-PC durchaus als Basis-KI-Workstation. Während die NPU (55 TOPS) Microsofts Copilot+-Features beschleunigt, stemmen die CPU und die Radeon-890M-Grafik lokale Sprachmodelle.
Beachtet dabei jedoch, dass Windows und der feste VRAM-Puffer einen Teil des Arbeitsspeichers für sich beanspruchen. Realistisch könnt ihr auf so einem System Modelle mit 14 bis 20 Milliarden Parametern flüssig ausführen.
Sehr viele Anschlüsse: Mini-PCs sind oft umfangreich mit Anschlüssen ausgestattet und dieser ist hier keine Ausnahme. Der AX 9 Max hat:
- Vorderseite:
- 3 × USB 3.2 Gen 2 Type-A (10 Gbit/s)
- 1 × USB 3.2 Gen 2 Type-A (10 Gbit/s, unterstützt S5 Power Delivery)
- 1 × 3,5-mm-Stereo-Headset-Anschluss
- 1 × Powerbutton
- Rückseite:
- 1 × USB4 (40 Gbit/s, Alt DP 2.0, PD-Out 15 W, PD-In 100 W / 20 V 5 A Adapter)
- 1 × USB4 (40 Gbit/s, Alt DP 2.0, PD-Out 15 W)
- 1 × USB 3.2 Gen 2 Type-A (10 Gbit/s)
- 1 × USB 2.0 Type-A
- 2 × HDMI 2.1
- 2 × 2,5G RJ45 LAN
- 1 × DC-Eingang
- Seite:
- 1 × SD-4.0-Kartensteckplatz
Preis und Verfügbarkeit: Der VZMORE AX9 Max ist ab sofort beim Hersteller oder bei Amazon für eine UVP von 1.549 Euro verfügbar. Bis zum 30. November bietet der VZMORE einen Launch-Rabatt von 15 Prozent, mit dem Code: AX9MVZST.
In der Praxis: Der Teufel steckt im Detail
Meine Erwartungshaltung war klar: Nahezu identische Hardware, aber mehr RAM und mehr TDP-Leistung? Der Mini-PC muss an dem Handheld vorbeiziehen. Beim Spielen und nach meinen üblichen Gaming-Benchmarks offenbart sich ein Flaschenhals.
Der AX9 Max kommt ungefähr auf die gleiche Leistung wie beim Asus ROG Xbox Ally X – manchmal ist er etwas langsamer, manchmal schneller.
| Benchmark (1080p) | VZMORE AX9 Max (65W, 5.600 MT/s) | Asus ROG Xbox Ally X (35W, 7.500 MT/s) |
| Tiny Tina's Wonderlands (Niedrig) | 87 FPS | 102 FPS (+17 %) |
| Returnal (Niedrig) | 35 FPS | 38 FPS (+9 %) |
| Cyberpunk 2077 (Steam Deck Preset) | 53 FPS | 54 FPS (Gleichstand) |
| Sid Meier's Civilization VI (Niedrig) | 174 FPS | 172 FPS (Gleichstand) |
| Assassin's Creed Odyssey (Niedrig) | 71 FPS (+11 %) | 64 FPS |
Der VZMORE AX9 Max kann also definitiv als 1080p-Gaming-Maschine herhalten. Für einen Mini-PC ist die Leistung beachtlich – aber überraschenderweise nicht schneller als bei einem Gaming-Handheld mit ähnlicher Hardware und niedriger TDP-Leistung.
Die Ursache ist schnell gefunden: die Speichertransferrate von 5.600 MT/s.
Integrierte Grafikeinheiten (iGPU), haben keinen Zugriff auf dedizierten Videospeicher und müssen deshalb den normalen Arbeitsspeicher mit der CPU teilen. Je langsamer dieser ist, desto mehr wird die Gaming-Leistung gebremst:
- VZMORE AX9 Max (5.600 MT/s): Liefert auf einem 128-Bit-Bus eine Speicherbandbreite von knapp 89,6 GB/s.
- Asus ROG Xbox Ally X (7500 MT/s): Kommt dank des schnellen Speichers auf rund 120 GB/s.
Der Handheld kann der Grafikeinheit also ungefähr 34 Prozent mehr Bandbreite zur Verfügung stellen. Das Leistungsplus durch die 65 Watt (teilweise sogar fast 80 Watt bei Leistungsspitzen) beim Mini-PC reicht nicht aus, um den Handheld bei den reinen FPS hinter sich zu lassen.
Die Rechenkerne des Radeon 890M können durch das großzügige Power-Limit zwar sehr hoch takten, müssen aber ständig auf Daten aus dem RAM warten.
Was diese Zahlen verraten:
- Wenn die Grafik limitiert: Bei textur- und speicherhungrigen Spielen gewinnt der Handheld aufgrund seiner schnelleren Speicheranbindung.
- Das Unentschieden: In Cyperpunk 2077 versuchen die 65 Watt mit der Brechstange gegen den Bandbreiten-Nachteil anzukämpfen. Die höhere Leistung und der langsamere RAM heben sich hier fast exakt auf.
- Wo die 65 Watt glänzen: In Spielen, die besonders CPU-lastig sind wendet sich das Blatt. Bei Spielen wie Civilization 6 ist der RAM nicht der primäre Flaschenhals und der AX9 kann seine ungedrosselten CPU-Taktraten voll ausspielen.
Kühlung und Lautstärke: Hält die Vapor-Chamber ihr Versprechen?
Die Kühlleistung des kleinen PCs ist beachtlich. Selbst nach einem 30-minütigen Dauer-Stresstest und mehreren Stunden Gaming hielt der AX9 Max die Chip-Temperatur konsequent unter 80 Grad Celsius. Für ein derart kompaktes Gehäuse und hoher Leistungsaufnahme ist das ein exzellentes Ergebnis, das zeigt, dass Thermal Throttling kein Thema ist.
Erfreulicherweise wird die gesamte Unterseite mit einem Staubfilter geschützt. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Im maximalen Leistungsprofil zahlt ihr allerdings einen akustischen Preis:
- Standard-TDP-Profil (ca. 39 bis 40 dB): Der Lüfter erzeugt ein sanftes, unaufdringliches Rauschen, das im Grundrauschen eines Zimmers nahezu untergeht.
- Leistungsmodus bei 65 Watt (ca. 50 dB): Hier dreht der PC hörbar auf. Die Geräuschkulisse ist in etwa vergleichbar mit einem Gaming-Notebook beim Spielen. Wer den Mini-PC auf den Schreibtisch stellt und im Performance-Modus spielt, sollte die Lautsprecher aufdrehen oder ein Gaming-Headset tragen.
Fazit: Ein toller Mini-PC für 1080p-Gaming, aber kein Wundergerät
Der VZMORE AX9 hinterlässt mich mit einer nützlichen Erkenntnis und einer wichtigen Lektion für den Hardware-Kauf. Auf dem Papier klang alles nach dem perfekten Rezept: schnelle Hardware, die ich schon von Gaming-Handhelds kenne, ein großzügiges Power-Limit und ein Kühlsystem, das diese Abwärme erstaunlich gut in Zaum hält.
Mein Praxistest zeigt aber, dass rohe Wattzahlen verpuffen, wenn Engpässe in der Daten-Pipeline einen Riegel vorschieben.
Das ist allerdings kein Patzer von VZMORE, sondern ein klassischer technischer Kompromiss: Der gesteckte SO-DIMM-RAM bietet den Vorteil, dass man ihn aufrüsten oder bei einem Defekt austauschen kann. Der RAM des Handhelds ist zwar schneller, aber verlötet.
Schließen wir den Kreis zu der Überschrift: Wer sich ein System mit integrierter Grafikeinheit zulegt, darf sich nicht allein von TDP-Angaben oder Prozessornamen blenden lassen. Die Speichertransferrate und die daraus resultierende Bandbreite sind entscheidend bei der tatsächlichen Leistung von iGPUs.
Passend zum Thema: Asus ROG Xbox Ally X im Test
Das Ergebnis macht den AX9 Max jedoch ganz und gar nicht zu einem schlechten Rechner – er gehört zu den besten, die ich bisher getestet habe. Wer einen hervorragend gekühlten Mini-Rechner für den Schreibtisch sucht, der neben Office, lokaler KI auch für die meisten Spiele in 1080p genügend Leistung und zahlreiche Anschlüsse mitbringt, bekommt hier ein rundes Gesamtpaket.
Man sollte vor dem Kauf nur nicht die Illusion hegen, dass die hohe Wattzahl automatisch doppelt so viele Frames bringt. Der Teufel steckt eben, wie so oft, im Detail.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.