200.000 US-Dollar Pfand für einen Satelliten: Neues Modell soll ein Problem lösen, das wir schon in den 60ern mit Bohrlöchern hatten

Ein Pfand von 200.000 US-Dollar pro Satellit soll Betreiber zum Entsorgen ihres Weltraumschrotts bewegen, der laut der zugehörigen Simulation so um mehr als ein Drittel gesenkt werden könnte.

Ein Pfand soll Betreiber dazu bringen, ausgediente Satelliten kontrolliert zu entsorgen. (Bildquelle: Aliaksandr Marko via Adobe Stock) Ein Pfand soll Betreiber dazu bringen, ausgediente Satelliten kontrolliert zu entsorgen. (Bildquelle: Aliaksandr Marko via Adobe Stock)

Schon heute kreisen laut einer Studie rund 1,5 Millionen Trümmerteile von mehr als einem Zentimeter Größe um die Erde. Für die Untersuchung zeichnet sich ein Forschungsteam rund um Indigo Brownhall verantwortlich, die als Doktorandin für Weltraumschrott-Modellierung und Astrodynamik am University College London arbeitet.

Mit den großen Satellitenkonstellationen könnte die Zahl aktiver Satelliten bis 2030 auf 100.000 bis eine Million steigen, schätzen die Autoren. Zwischen 2010 und 2024 sind nur 40 Prozent der Satelliten in Orbits ohne natürlichen Wiedereintritt erfolgreich aus dem Orbit entfernt worden.

Die Studie schlägt dagegen ein Pfand vor, das Betreiber vor dem Start hinterlegen. 200.000 US-Dollar pro Satellit sollen diese zur Entsorgung bewegen.

Mit Zinsen zurück – oder für die Räumung im Einsatz

Die Autoren denken laut der im Fachjournal Nature Communications veröffentlichten Studie hierfür an ein Treuhandkonto, das ein Dritter verwaltet. Als Beispiel wird etwa ein Staat genannt, der die Gebühr einzieht und sie zu Marktzinsen anlegt. Am Ende gibt es zwei Wege:

  • Entsorgt der Betreiber den Satelliten wie vorgeschrieben, bekommt er das Pfand samt Zinsen zurück.
  • Lässt er ihn im Orbit zurück, verfällt das Geld. Die Studie rechnet dadurch mit Einnahmen von bis zu 3 Milliarden US-Dollar, mit denen sich das Entfernen verwaister Satelliten bezahlen ließe.

Ein Modell aus den Ölfeldern der 1960er

Als Vorbild nennt Studien-Co-Autor Daniel Kaffine, der als Professor für Umwelt- und Ressourcenökonomik an der University of Colorado Boulder arbeitet, ein US-System, das seit den 1960er-Jahren läuft (via Space.com): Ölfirmen hinterlegen eine Sicherheit dafür, dass sie stillgelegte Bohrlöcher verschließen.

Kommen sie dem nicht nach, zahlt der Staat davon die Versiegelung; wer aufräumt, bekommt das Geld zurück.

Ein Drittel weniger Schrott

Wie das Ganze in der Praxis aussehen könnte, wollen die Autoren anhand einer Simulation belegen, die 25 Jahre an Orbitalbetrieb durchspielt. Zwei Modelle bilden hierfür jeweils ab, wie sich Betreiber wirtschaftlich verhalten und wie sich der Schrott im Orbit entwickelt.

  • Bei 200.000 US-Dollar sinkt demnach die Masse nicht entsorgter Satelliten pro Jahr um mehr als ein Drittel; der volkswirtschaftliche Nutzen steigt wiederum um bis zu 27 Prozent. Jenseits von einer Million US-Dollar nimmt der Zusatznutzen indes stark ab.
  • Selbst wenn nur Märkte mitmachen, die 20 Prozent der weltweiten Starts abdecken, verbessert das Pfand laut der Simulation die Lage noch. Space.com zufolge würde es die Zahl ausgedienter, unkontrolliert kreisender Satelliten dann um 18 Prozent senken.

Das Pfand ließe sich laut Brownhall etwa national einführen, ohne dass sich die Vereinten Nationen darauf einigen müssten. Gegenüber Space.com verweist sie beispielhaft auf die EU, die den Marktzugang wie schon bei der DSGVO an ein solches System knüpfen könnte. Eine solche Regelung würde wiederum Starlink treffen, dem Brownhall zufolge »am Verkauf seiner Terminals gelegen sein« dürfte.


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