Sie will es doch auch!

Von Nick2000 · 28. Juli 2016 · Aktualisiert am 1. August 2016 ·
Kategorien:
  1. Wird unser Frauenbild von der Darstellung weiblicher Charaktere in Computerspielen beeinflusst? Wenn ja, wie wird es beeinflusst? Und ist das überhaupt schlimm?

    Ich bin kürzlich in eine hitzige Diskussion mit drei anderen Usern geraten, die unter einer GS-News zu einem neuen Video von Anita Sarkeesian stattfand. Frau Sarkeesian ist ja bekannt dafür, die sexualisierte Darstellung von Frauen in vielen Computer-/Videospielen zu kritisieren und fragte sich diesmal, warum "female combatants" so selten sind. Frau Sarkeesian wurde in den Kommentaren wie immer heftigst angegriffen und teils beleidigt. Mir ging dabei vor allem auf den Senkel, dass die meisten User überhaupt nicht begriffen haben, dass ihre Kommentare und Beleidigungen vor Frauenfeindlichkeit nur so strotzten. Als sie von der GS gebannt wurden, kamen sie mit anderen nicks zurück und schrien so oft irgendwas von "Zensur!", dass ich mich an "Das Leben des Brian" erinnert gefühlt habe ("Jehowa!"). Ich will die Diskussion hier nicht wiedergeben (mit einer Ausnahme, s.u.), sondern versuchen - losgelöst von der Person Sarkeesian (um sie soll es hier nicht gehen!)- das grundlegende Problem zu umreißen (mehr geht hier nicht) und vielleicht auch etwas Problembewusstsein bei dem einen oder anderen zu schaffen. Ich werde mich bemühen, meine Meinung zum Thema sachlich zu halten und entschuldige mich jetzt schon für die Fälle, in denen ich es nicht schaffe.


    I. Ich Tarzan du Jane (Mann zu sein ist geil)

    Ich bin ein Durchschnittsmann. Ich bin fast 40 und Vater einer kleinen Tochter. Trotz meiner väterlichen Pflichten bin ich berufstätig, denn Mama sieht nach der Kleinen. Ganz schön angenehm, dass ich mich nicht groß einschränken muss. Dafür bringe ich ja auch das Geld nach Hause. Da kann meine Lebensgefährtin sich zusätzlich auch noch um das bisschen Haushalt kümmern. Ich bin im Großen und Ganzen sehr glücklich und zufrieden.

    Ich sehe zwar nicht aus wie Brad Pitt, aber das macht nichts. Mein gesellschaftlicher/beruflicher Wert und mein Erfolg werden nicht durch mein Aussehen bestimmt.

    Mein Leben ist auch vergleichsweise einfach. Ich kann z.B. ein paar Bierchen mit Freunden trinken und dann nachts alleine nach Hause gehen, ohne dass ich irgendwie ein unangenehmes Gefühl habe, wenn mir eine Frau entgegen kommt. Ich habe dann auch nicht das Bedürfnis, die Straßenseite zu wechseln. Genauso ist es, wenn ich hinter mir Schritte höre und feststelle, dass eine Frau hinter mir läuft. Ist mir schnuppe.

    Ich habe beruflich ein gutes Auskommen und verdiene mehr als alle meine bisherigen Freundinnen. Und ich habe viele Freundinnen gehabt. Dafür wurde mir von Kumpels meistens anerkennend Respekt gezollt. Negatives Feedback habe ich nie gekriegt. Mich nannte keiner Schlampe oder Bitch deswegen. Ich kann mich privat und beim Sport so anziehen wie ich will. Wenn ich z.B. in meiner kurzen Hose und mit freiem Oberkörper jogge, hält mir das keiner vor. Ich habe auch noch nicht erlebt, dass mir dann penetrant hinterher gestarrt oder gerufen wurde, was für einen geilen Arsch ich habe. Gepfiffen wurde allerdings mal. Von einem Bauarbeiter. Kein Witz. Da war ich noch besser in Form.

    Letztens war ich beruflich über Nacht in einer anderen Stadt. Ich bin dann abends noch alleine in eine Kneipe. Während der ganzen Zeit hat mich nicht eine einzige Frau gefragt, ob ich öfter da bin oder wo meine Flügel sind oder ob ich die ganze Nacht ihren Namen schreien möchte. Ich konnte in Ruhe mit dem iPad daddeln und ein zwei Bierchen trinken. War ein netter Abend.

    II. Nein heißt nein (Frau zu sein ist nicht so geil)

    Ich habe gerade (zugegebenermaßen etwas überspitzt) geschildert, was Frauen im Gegensatz zu Männern im Alltag oft zu erdulden haben. Nicht jede Frau an jedem Tag und manche öfter als andere, das ist klar. Aber im Großen und Ganzen trifft das schon ganz gut des Pudels Kern.

    Für mich war es ein Augenöffner, als wir vor ein paar Jahren beim Grillen im Freundeskreis angeregt diskutiert hatten, ob es Frauen heutzutage überhaupt noch schwerer haben als Männer, bzw. ob es überhaupt noch Alltags-Sexismus in einem nennenswerten Ausmaß gibt. Wir Kerle waren der Auffassung, dass wir als Männer doch mittlerweile voll emanzipiert waren und uns Frauen gegenüber ausschließlich respektvoll benahmen. Das änderte sich, als die obigen Beispiele (sogar noch deutlich mehr) aufkamen und jeder von uns Männern einsehen musste, dass er sich mehrfach so oder zumindest ähnlich verhalten hat.

    Am eindrucksvollsten war für mich, dass ausnahmslos alle Frauen in unserer Runde darin übereinstimmten, dass sie, wenn sie abends alleine oder nur mit anderen Frauen unterwegs sind, fast schon reflexartig die Straßenseite wechseln, wenn ihnen ein Mann entgegen kommt. Natürlich nicht immer, aber doch häufig. Manchmal auch nur in Gedanken. Der Mann muss dafür nichts besonderes machen, es reicht, dass er ihnen entgegen kommt. Unsere Freundinnen/Frauen sagten alle, dass sie wüssten, dass die meisten Männer keine bösen Absichten haben, aber man könne ja nie wissen. Und wenn es auch nur ein Spruch wie "Nabend Ladies" beim Vorbeigehen sei, wäre ihnen das trotzdem unangenehm.

    Sagt mal, geht’s noch?! Frauen wechseln die Straßenseite, weil da ein Mann lang läuft? Um einer unangenehmen Situation aus dem Weg zu gehen? Und ich spreche hier nicht von sexueller Gewalt, sondern nur von den Auswirkungen des Alltags-Sexismus. Die Aussage unserer Freundinnen/Frauen hat uns alle geschockt. Seit diesem Abend sind wir Kerle übrigens deutlich empfänglicher für Feminismus geworden. Und uns fällt mehr auf als früher.

    Das Ende unserer Diskussion war dann aber doch noch recht versöhnlich. Die Mädels meinten unisono, dass der Alltags-Sexismus zwar manchmal extrem nervig, im Großen und Ganzen aber noch erträglich wäre.

    Also alles cool?

    Mitnichten, mein junger Padawan. Nur weil wir nicht saudi-arabische Verhältnisse haben, ist nicht alles in Ordnung. "Noch erträglich" ist nicht cool, sondern hat ganz schön Luft nach oben. Meine Anekdote zu unserem Grillabend zeigt, dass auch Männer, die sich emanzipiert und aufgeklärt glaubten, noch dazulernen können. Wir alle haben schon mal Frauen - teils bewusst, teils unbewusst - schlecht oder unangemessen behandelt, nur weil sie Frauen sind. Mich interessiert dabei vor allem der unbewusste Teil, dass heißt das Verhalten von Männern, die ihr jeweiliges Verhalten und schon gar nicht sich selbst als "frauenfeindlich" begreifen würden. Woher kommt das? Was läuft da ab?

    III. Sie will es doch auch! (Die Frau als Objekt)

    Zitat:

    Ja, was glaubst du denn, was eine Frau, die sich selbst möglichst aufreizend und sexy kleidet damit bezwecken will?

    Glaubst du, sie will damit ihren hohen IQ unterstreichen?

    Nein, natürlich will eine Frau, die sich bewusst so kleidet, als Sexobjekt angesehen werden. Das ist ja der Sinn dahinter, wenn man "sexy" sein will (die Worte "sexy" und "Sexobjekt" haben nicht von ungefähr den Wortstamm "Sex").

    Und genauso läuft das nunmal auch in der Kunst. Eine Frau, oder auch ein Mann, die betont "sexy" dargestellt werden, sollen den Betrachter natürlich dazu bringen, sie als "Sexobjekt" anzusehen.


    -Ende des Zitats-

    Das ist ein wörtliches und vollständiges Zitat eines meiner Diskussionspartner unter der Sarkeesian-News. Ich war echt baff, als ich das gelesen habe. Sie will es doch auch! Dem User war sichtlich nicht bewusst, dass genau diese Art des Denkens eine Folge des Alltags-Sexismus ist und er damit letztlich Sarkeesian sogar Recht gibt.

    Die meisten Frauen ziehen sich aus denselben Gründen "sexy" an, wie die meisten Männer auch. Sie wollen gut aussehen, als attraktiv erscheinen, vielleicht auch etwas für ihr Selbstwertgefühl tun. Die allerwenigsten Frauen ziehen sich aber "sexy" an, weil sie als Sexobjekt wahrgenommen werden wollen (Prostituierte einmal ausgenommen). Das wäre nämlich die Reduzierung einer Frau auf ihre Sexualität. Der User oben sagt sinngemäß: Es ist okay, dass ich die Frau als Sexobjekt betrachte, weil sie sich ja nur deswegen so anzieht, weil sie als Sexobjekt betrachtet werden will. Von diesem Gedanken ist es nicht mehr weit bis zum vermeintlich "anerkennenden Pfiff" oder irgend einer anderen plumpen Anmache. Der Mann empfindet das Verhalten der Frau als Aufforderung, sich ihr mit sexuellen Avancen zu nähern. Dass das der Frau unangenehm sein könnte, kommt dem User gar nicht in den Sinn. Sie will es doch auch, sonst würde sie sich nicht so anziehen. Was ist der Grund dafür, dass Männer gar nicht merken, dass sie sich frauenfeindlich verhalten? Woher kommt das dahinterstehende Frauenbild?

    Darüber könnte man seitenlange Abhandlungen erstellen. Kurz und vereinfacht gesagt ist nach meinem Verständnis die historisch (sozio-kulturell und religiös) über Jahrtausende gewachsene und gefestigte Rollenverteilung zwischen Mann und Frau verantwortlich. Die Frau ist dem Manne Untertan und hat ständig für die Fortpflanzung zur Verfügung zu stehen. Heute würde das kein vernünftiger Mensch mehr laut sagen, aber dennoch ist dieses archaische Frauenbild in nahezu allen Medien omnipräsent. In Filmen, in der Werbung und ja, auch in Computerspielen. Ob es nun eine halbnackte Frau ist, die sich lasziv auf einem Auto rekelt und suggeriert, dass sie und viele andere attraktive Frauen dem Käufer des Autos zu Willen sein werden, weil er mit dem Auto seinen sozialen Status unter Beweis stellt; oder die ständig geilen Bondgirls, die nicht mal ansatzweise "erobert" werden müssen, sondern nur als Belohnung für den Helden dienen; oder die Scharfschützin Quiet in MGS, die sich während Hubschrauberflügen schon mal stöhnend in mehr oder weniger eindeutigen Posen (oder besser Stellungen) übt oder Snake ungefragt mit zum Duschen nimmt. Von der lächerlichen Erklärung ihrer Nackheit ganz zu schweigen (sie hat eine Krankheit, aufgrund derer ihre Haut atmen muss und das geht nicht, wenn sie zu viel an hat, aha). Oder die Frauen, die sich Kratos in God of War oder dem Witcher reihenweise hingeben. Oder die Schulmädchen mit großen Kulleraugen und knappen Röckchen, unter denen Höschen hervorblitzen, in vielen japanischen oder japanisch inspirierten Titeln. Oder die "authentische Brustphysik" in DOA. Oder oder oder...

    All das ist im Allgemeinen nicht im mindesten für die eigentliche Story des jeweiligen Spiels relevant, sondern dient nur dazu, den Spieler aufzugeilen. Frauen werden dem Spieler als Belohnungen präsentiert. Ich habe kein Problem mit Sex und Erotik in den Medien oder in der Kunst. Ein Frau darf sexy und sich ihrer Sexualität bewusst sein und auch offensiv damit umgehen. Dann muss es aber auch zum Kontext passen und darf nicht nur als Belohnung für den Spieler und damit als bloße Wichsvorlage gedacht sein.

    Derzeit ist das aber meistens nicht der Fall. Und durch diese weitere Festigung der Vorstellung einer immer willigen/verfügbaren Frau, die schwach ist und beschützt werden muss, wird unser aller Frauenbild nachteilig beeinflusst. Das wirkt sich dann auch im realen Leben aus. Frauen verdienen weniger Geld und kommen seltener in Führungspositionen als Männer. Frauen werden von Männern öfter sexuell belästigt als umgekehrt. Scheiße, es gibt sogar Studien, nach denen Mädchen weniger Taschengeld als Jungs bekommen! Und für das alles ist das derzeit vorherrschende Frauenbild mitverantwortlich. Und dieses Frauenbild wird leider auch durch die Darstellung von Frauen in vielen (nicht allen) Computerspielen gefestigt. Dazu gibt es zwar noch keine längerfristigen Untersuchungen, aber mir fällt kein Grund ein, warum es bei Spielen anders sein sollte, als bei allen anderen Medien.

    IV. Und was will uns der Dichter damit sagen?

    Ich will bei Euch Bewusstsein für die Problematik schaffen. Eure Meinung müsst ihr Euch selbst bilden. Die stark sexualisierte Darstellung von Frauen in Computerspielen ist nicht alleine verantwortlich für das derzeitige Frauenbild, nicht mal ein wesentlicher Faktor, aber doch ein Teil des Ganzen. Ich will Computerspiele weder zensieren noch den Designern ihre künstlerische Freiheit nehmen. Ich will auch keinem meine Meinung aufdrücken, wie man Befürwortern einer differenzierten Betrachtung des Frauenbildes in Computerspielen oft vorwirft. Und ich behaupte auch nicht, dass Spieler raus gehen und Frauen vergewaltigen oder auch nur ein anderes Frauenbild haben als der Rest der Gesellschaft. Aber auch Gamer dürfen ihre Augen vor der Problematik nicht verschließen. Wenn wir Computerspiele als Kunst und Kultur begriffen wissen wollen, müssen wir uns auch an denselben Standards messen lassen.

    Aber es gibt zum Glück auch ein paar positive Gegenbeispiele. Z.B. Max und Chloe aus Life Is Strange (was für ein fantastisches Spiel) oder Lara Croft nach dem Reboot. Hoffentlich zukünftig auch die Protagonistin von Horizon: Zero Dawn. Der gesellschaftliche Wandel ist auch in der Spielebranche merkbar, wenn auch nur schwach und gegen viele Widerstände. Ich bin aber überzeugt, dass wir das schaffen können.

    Dafür muss die Mehrheit der Gamer aber erst einmal erkennen, dass es ein Problem gibt. Und dass ihnen trotzdem nichts weggenommen werden soll. Attraktive Frauen sollen nicht aus Computerspielen entfernt, sondern über ihre Sexualität hinaus dargestellt und definiert werden. Das kann dann eigentlich nur ein Gewinn für alle sein. Wenn dafür Gamer gemeinsam einstehen und eine differenzierte Frauendarstellung aktiv von den Herstellern einfordern, wird sich bestimmt etwas ändern (siehe das Beispiel von Blizzard und der Änderung einer nicht zu einer Heldin passenden Pose in Overwatch). Klar wird es auch dann noch Perlen wie den "Yandere Simulator" geben und das kann meinetwegen auch so sein. Muss ich ja nicht spielen. Hauptsache, im Großen und Ganzen vollzieht sich ein Wandel.

    Und dann, irgendwann, werden Frauen nachts nicht mehr die Straßenseite wechseln, nur weil ihnen ein Mann entgegen kommt. Wie geil wär das denn? Man(n) wird ja wohl noch träumen dürfen.







    -----

    Liebe Gamestar: Bitte die Kommentarfunktion unter dem Blog nicht deaktivieren, egal wie schmutzig es werden sollte. Das könnte eine wichtige Diskussion werden.

    Über den Autor

    Nick2000
    Ich lasse mich zu schnell triggern von Shitstorms, Flamern, Hatern, Trollen und allen anderen Segen unserer modernen Internetgemeinde. Ich muss dann in immer meinen Senf dazu geben. Wenn mich jemand als SJW betitlelt, nehme ich das als Kompliment.
    Meine Meinung ist meine Meinung und nicht deine Meinung.

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melde dich einfach an und werde Mitglied!
  1. bombinho
    Ja, unter der Voraussetzung, dass dieses Bewusstsein Allen zuteil wird bzw. werden kann.

    Alternativ koennte man entweder zielgerichtet in diesem Teilbereich daran arbeiten oder es aufgrund von geringer Prioritaet seinem Lauf ueberlassen.
      2 Person(en) gefällt das.
  2. Ritter des Herbstes
    Dein Aha-Erlebnis, der Grillabend, schmerzt etwas.
    Wenn du selbigen mit deinen muslimischen Nachbarn verbracht hättest, die sich auch hier und da in der Ausübung ihrer Religion (was ja Teil der Selbstbestimmung ist, und um die geht es im Kern dieser ganzen, leidigen, Diskussion) eingeschränkt fühlen- wären du und deine Freunde dann heute in Syrien? Ich paraphrasieren.
    Um bei Terror und Untergangsängsten zu bleiben- meine Oma fängt in letzter Zeit so an. "Hast du denn keine Angst, dass da einer mit der Axt um sich schlagen könnte, wenn du in der Bahn sitzt?" "Stell dir doch nur mal vor, wenn so eine Bombe hochgeht, wenn du grade nach Feierabend am Hauptbahnhof aussteigst...".
    Was ich verdeutlichen will ist, dass das Konzept "Terror" bei meiner Oma angekommen ist.
    Der Terror exestiert, der Terror ist eine Gefahr, aber in erster Linie- findet er im Kopf statt.
    Die unsägliche Sexismusdebatte funktioniert genau so.
    Denn in dem Moment, in dem "die Frau" den Generalverdacht bei jedem Kerl, der ihr um halb Elf abends entgegen kommt anwendet, ist der Sexismus erstmal in ihrem Kopf.
    Und btw anders rum.
    Denn, um wieder auf meine Oma zurück zu kommen, wir würden nicht groß nachdenken, wie wir jemanden nennen, der den Raum verlässt sobald jemand mit nahöstlichem Aussehen reinkommt.
    Soviel dazu.

    Ansonsten, Herr(ha, Herr, da kann man sicher auch Alltagssexismus reininterpretieren)jemine, soviel schön wiedergekäutes.
    Sex sells.
    Komischerweise kommen in Werbungen für Frauenartikel auch nicht selten Herr(schonwieder!)scharen von halbnackten, irgendwie gar nicht wie du und ich aussehende Kerle vor.
    Auf die "Sie will es doch Auch"-Geschichte muss man glaube ich nicht eingehen. Das ist natürlich primitiv, auch wenn du mir persönlich zu viel da reininterpretierst.
    Nenn mich altmodisch, aber die Feststellung, dass ich die junge Dame nicht von der Bettkante schubsen würde, enthält noch kein Urteil darüber, wie ich zu ihr als menschliches Wesen stehe.

    Nebenbei sollte vielleicht auch festgestellt werden, dass man als Kerl, der nicht aussieht, als ob er einem im Zweifel am Kragen packen könnte, auch nicht vor dummen Sprüchen gefeilt ist. Das hat aber weniger mit weiß-der-Teufel-was-für-mus zu tun, sondern damit, dass da draußen halt nen Haufen Leute rumrennen, die nur durch Schmerz lernen.

    Um aber mal zum Thema Spiele zu kommen- naja, warum eigentlich? Wie gesagt, Sex sales. In diversen Prüglern springen ja auch keine männlichen Gerippe mit Hackennase oder versiffte Typen mit Bierbauch im Unterhemd (bzw sind dann immer auch entsprechende Steriotypen. Trotzdem hab ich noch keine Pedition von der Liga der übergewichtigen Muskelshirtträger mitbekommen [VERLINKE MAN SIE MIR NICHT, wenn es sie doch gibt]) rum. Weitere Beispiele kann man sich selbst suchen- Das der pummelige Klemtner Mario ikonisch ist, ist ja eher die Ausnahme von der Regel.

    Um das ganze mit einer Gegenthese zu beenden (wer hat schon die Zeit, den ganzen Driss zu lesen?): Du sagst, auch Spieler dürfen ihre Augen nicht vor der Problematik verschließen. Ich sage, es wäre ganz hilfreich, wenn hin und wieder mal die Augen geschlossen werden und ein paar mal tief ein- und ausgeatmet wird.
    Diskriminierung ist in unserer Gesellschaft auch immer zum Teil (und damit sag ich nicht, selbst schuld, die Stehlampe)im Kopf der Minderheit.

    E: Wo ich es grade nochmal in den Kommentaren lese- wenn wir von the witcher reden, reden wir vom ersten, oder?
    Abgesehen von der albernen Sammelkartengeschichte steht die Serie ja durchaus für starke Frauenfiguren.
      7 Person(en) gefällt das.
  3. bombinho
    Ja, wir haben wohl aehnliche Sichtweisen, wobei ich Deine als moderner ansehe. Ohne die Arbeitsteilung ist es schwer, auch fuer das Individuum. Und es gibt Frauen, die es vorgezogen haetten, die traditionelle Frauenrolle zu bedienen. Wobei ich es in der traditionellen Maennerrolle auch recht angenehm fand.

    Am Ende sollte es tatsaechlich idealerweise eine zwanglose Entscheidung sein koennen.

    Aber in der (wirtschaftlichen) Konkurrenz zu kinderlosen Paaren in moderner Lebensweise haben traditionelle Paare kaum eine Chance.
    Und eben dieser wirtschaftliche Vorteil wird von der Gesellschaft angenommen. Die Folgen fuer die Gesellschaft sind vermutlich, dass der fehlende Nachwuchs extern ersetzt werden muss.

      4 Person(en) gefällt das.
  4. Evers
    Ich finds immer wieder faszinierend wie sich alle gedanken darüber machen wie Frauen in Videospielen dargestellt werden und wie das ja nicht der realität entspricht.

    Ich bitte mal um Handzeichen bei den männlichen Spielern, wer von euch ist ein durchtrainierter Supersoldat mit Sixpack, Armmuskeln wie ein junger Gott und mit dem Aussehen eines männlichen Models?

    Ja Frauen werden teilweise sexualisiert in Videospielen dargestellt, aber stellt euch mal vor bei Mänlichen Videospielcharaktären ist das nicht anders. Nur das ist ja egal weil es ja Männer sind.


    Entweder betrachtet man beide Seiten oder keine. Und das ist das Problem das ich mit dieser ganzen Debatte habe, es wird immer drauf gepocht wie Frauen dargestellt werden und das es ja nicht realistisch ist, aber das es bei den männlichen Chars genauso ist wird dabei vollkommen außen vor gelassen. Soetwas muss man berücksichtigen.

    Und zu der letzten News über Frau Sarkeesian die ja diesen Blog scheinbar inspiriert hat, deswegen gehe ich da mal drauf ein, werde ich nur das sagen:
    Die angebliche Aussage von Ubisoft auf der ihr gesamtes Video basierte [Weibliche Chars sind schwerer zu designen] ist so von Ubisoft nie getätigt wordem, Ubisoft hat nämlich gesagt "Wir haben schon einen männlichen Char in diesem Teil und der zusätzliche Arbeitsaufwand zum erstellen eines Weiblichen Chars (Animationen, Outfits, etc.) wäre für diesen Teil zu viel".
    Und diese Aussage ist vollkommen in ordnung und legitim. Man vergleiche nun einmal die Aussage von Ubisoft mit dem was Frau Sarkeesian behauptet was Ubisoft gesagt hat und man weiß sofort woran man ist.

    Die Diskussion ist wichtig, keine Frage. Aber wie oben erwähnt sollte man 1. sich n icht nur auf weibliche Chars fixieren sondern das Gesamtbild betrachten und 2. Frau Sarkeesian vollkommen außen vor lassen, da es ihr nicht um die Debatte geht sondern um etwas ganz anderes.
      6 Person(en) gefällt das.
  5. WarriorWithin
    Worauf ich eigentlich hinaus möchte ist, dass Rollenbilder nicht eine Einbahnstraße sind. Es wird immer nur davon geredet wie sexistisch die Darstellung von Frauen ist. Die Frage wie sexistisch die Darstellung von Männern ist, wird nahezu nie thematisiert.
    Warum muss ein Geralt, Kratos, Tryndamere (usw.) leicht bekleidet gezeigt werden und dabei einen völlig durchtrainierten Bodybuilder-Körper haben? Sorgt das bei Männern nicht potentiell auch für komplexe?
    Warum muss der Mann der starke Held sein? Fühlen sich da Männer die so ein Bild in der Realität nicht erfüllen können nicht auch unter Druck gesetzt und schwach?
    Wieso soll ein Kratos viele Frauen haben die sich ihm anbieten? Sorgt das nicht dafür, dass Männer vermittelt bekommen es sei gut ständig wechselnde Sexualpartner zu haben und man habe nichts auf dem Kasten wenn man das nicht hinkriegt?
    Diese Liste kann man ewig forführen. Es geht also nicht nur Frauen so, dass einem unrealistische Rollenbilder und Klischees aufgedrückt werden. Das gilt genauso für Männer und JA auch Männer können sich daran stören. Zudem werden auch Männer in eine Rolle gedrängt die gesellschaftlich gesehen objektiv betrachtet nicht Positiv ist. (Siehe Kratos) Das Thema sollte nicht auf Frauen reduziert werden sondern Charaktere allgemein, weil Charaktere ALLGEMEIN unabhängig vom Geschlecht Klischeebehaftet und sexistisch sind.
    Der sogenannte Alltags-Sexismus den du so schön thematisierst gibt es bei beiden Geschlechtern. Nicht nur von der Frau werden bestimmte Dinge unterbewusst erwartet. Genauso ist das auch mit Männern. Wenn man nun als Beispiel die "klassische Rollenverteilung" nennt in der Frauen sich um die Kinder kümmern und die Männer arbeiten gehen, so ist das für Männer nicht weniger sexistisch. Der Mann könnte auch das Bedürfnis haben die Rolle des Hausmanns zu erfüllen, welcher sich um die Kinder kümmert. Du fühlst dich als Mann dann unter Druck gesetzt einen gut bezahlten Job zu haben damit du das Rollenbild erfüllen kannst. Genauso gibt es dann auch Frauen die genau DAS von einem Mann erwarten. Wie du siehst ist das ein allgemeines Problem was sich in keinster Weise nur auf ein Geschlecht reduzieren lässt.
      8 Person(en) gefällt das.
  6. WarriorWithin
    Durchaus ein interessanter Artikel indem einige Punkte genannt werden die tatsächlich oftmals unterbewusst ablaufen. Jedem der genannten Punkte und jeder Ansicht kann ich dennoch nicht zustimmen. Das Männer beispielsweise im Regelfall genauso sexualisiert dargestellt werden wie Frauen wird wieder einmal nicht erwähnt. (die erwähnten Spiele wie God of War oder The Witcher sind gute Beispiele)
    Es ist nicht nur so das Frauen oftmals erotisch dargestellt werden und unrealistische Körpermaße haben. Das gilt in der Regel genauso auch für männliche Charaktere. Zudem ist es fragwürdig ob man tatsächlich sagen kann "Es ist geil ein Mann zu sein", weil man nicht als "Bitch" oder "Schlampe" bezeichnet wird wenn man viele Sexualpartnerinnen hat. Das kann ich nämlich anhand meines Freundeskreis überhaupt nicht bestätigen. Da wird kein Unterschied gemacht ob nun eine Frau oder ein Mann ständig wechselnde Partner hat. Vermutlich ist die grundlegende Sichtweise auf das geschlecht doch sehr abhängig vom persönlichen Umfeld und den eigenen Erfahrungen mit Frauen.
    Zu The Witcher sei mal gesagt, dass Teil 1 Frauen tatsächlich als Belohnung für gewisse Taten angeboten hat. In den Nachfolgern war das in dieser Form aber selten bis überhaupt nicht der Fall. Zudem ist es gerade unglücklich gewählt einem Spiel vorzuwerfen es sei sexistisch und würden einem überall willige Frauen über den Weg laufen, wenn gerade The Witcher 3 mitunter sehr starke und selbstbewusste Frauen in Hauptrollen hat die keinen Mann brauchen der sie rettet. Zudem kann ich mich bei Tw 2 & TW 3 nicht daran erinnern, dass es so viele Sexszenen gab und wenn dann meistens Sexszenen mit Charakteren mit denen der Protagonist auch eine Beziehung führt. Da die mehrheit der Szenen im Kontext einer Liebesbeziehung stehen halte ich diese nicht für eine Stumpfe Wichsvorlage. Hast du das Spiel denn gespielt oder nur Reviews dazu gelesen?
    Zum Punkte das Frauen die Straßenseite wechseln:
    Da frage ich mich echt was da schief läuft. Sowas sollte es nicht geben, dennoch kann man nicht die Männerschaft in Sippenhaft dafür nehmen. Wenn eine Frau alleine unterwegs ist und die Straßenseite wechselt weil sie ein ungutes Gefühl hat, dann hängt das im Regelfall wohl damit zusammen das man sich vor einem sexuellen Übergriff fürchtet. Sowas sollte natürlich erst gar nicht passieren und sich im unterbewusstsein verankern. Die Frage die sich aber nun stellt ist, ob jeder Mann jetzt die Schuld dafür tragen muss? Ein Mann der eine Frau nie belästigt hat wird hier zum potentiellen Täter degradiert. Weil Männer ja potentielle Vergewaltiger sind. Auch wenn das manchen vermutlich völlig Fremd ist es aus dieser Sicht zu sehen, ist das auf gewisse weise ebenfalls sexistisch. Die Vermutung das ein Mann grundsätzlich eine Gefahr darstellt und potentiell ein Triebtäter ist ist sexistisch.
      8 Person(en) gefällt das.
  7. Carduelis
    @bombinho

    Die Frage ist, ob sich Geschlechterunterschiede abschaffen lassen. Nur weil irgendjemand behauptet, das alle Unterschiede lediglich eine Frage der Erziehung sind, muss das nicht auch zutreffen. In der Biologie und Psychologie wirst du für diese Behauptung jedenfalls keine Unterstützung finden.

    Wie ich in einem anderen Beitrag schrieb, wurde in Norwegen versucht über Jahrzehnte Gendersensibel zu erziehen. Man kann das also als ein großes Experiment betrachten... und es hat nicht funktioniert.

    Es ist auch fraglich, ob sich jeder Mensch soweit erziehen lässt, dass er selbstständig Denken und verantwortungsbewusst und frei Handeln kann und über ein Mindestmaß an Empathie verfügt. Wenn das nämlich möglich wäre, bräuchte man sich über irgendwelche Geschlechterrollen gar keine Gedanken mehr machen, da Menschen ab einem gewissen Niveau der Selbstreflexion in der Lage sind, alle Rollenvorstellungen, die ihre Kultur ihnen bietet, lediglich als Möglichkeiten zu betrachten, um das Leben zu strukturieren. Möglichkeiten die man annehmen und ablehnen kann.
      4 Person(en) gefällt das.
  8. Der_Vampyr
    Du musst nur darauf hinweisen, dass die Leerzeichen entfernt werden müssen. Die baut der Editor irgendwie immer ein.
    (Sollte ein großteil der Nutzer hier kennen und deswegen automatisch machen) :)
      2 Person(en) gefällt das.
  9. jan_w
    Naja, immerhin sind wir da ja dann auf individueller Ebene einer Meinung :-)
    Meine Denkweise ist halt eher so: mehr Freiheit für das Individuum -> mehr Freiheit für die Gesellschaft. Die Gesellschaft besteht ja aus Einzelnen. Ich bin mir darüber im klaren, dass die Wirklichkeit nicht so einfach beschaffen ist und es starke Wechselwirkungen gibt.

    Letztlich bleibt einem ja häufig doch nicht viel anderes übrig, als sein eigenes Leben und Umfeld zu betrachten. Ich lebe glücklicherweise mittlerweile seit mehr als 10 Jahren in einer gleichberechtigten Beziehung. Und ich sehe in meinem Umfeld, dass Beziehungen, in denen es klare Rollenverteilungen gibt, weitaus größeren Spannungen unterliegen als unsere.

    Ich hätte da einfach keinen Bock drauf. Und ganz ehrlich: ich habe eigentlich auch nicht einmal ein Problem damit, wenn jemand da Bock drauf hat. Nur sind die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse halt immer noch so, dass die eine Art zu leben der anderen gegenüber begünstigt wird.

    Und das Modell der Arbeitsteilung ist ja ohnehin obsolet geworden. Derzeit hängen wir in dieser komischen "Zwischenphase", wo in Mittelschicht und darunter Männer und Frauen gleichermaßen arbeiten müssen, um einen gewissen Lebensstandard für die Familie zu sichern, wir aber trotzdem "mental" an alten Rollenklischees festhängen. Ich denke schon, dass man sich diesen Druck sparen könnte.
      2 Person(en) gefällt das.
  10. Der_Vampyr
    Tut mir leid, ich wollte hier in keinster Weise irgendwas mit meiner Aussage belegen oder dergleichen.

    Ich fand den Artikel gut und habe darüber nachgedacht wie ich in das ganze Bild hineinpasse etc.

    Aber wenn ich einen guten Artikel lese und dann an eine solche Stelle im Text komme, welche eindeutig reißerischer Natur ist und keineswegs der Wahrheit entspricht, dann frage ich mich eindeutig, an welchen anderen Stellen im Artikel noch übertrieben worden ist, ohne das ich es bemerkt habe?

    Dieser in einem Artikel verwendete Satz hat in meinen Augen die Qualität deiner Arbeit geschmälert. Deswegen dachte ich mir, dass ich einfach mal darauf hinweise.
      4 Person(en) gefällt das.
Top