»100-Stunden-Spiele sterben aus« - Warren Spector über die Spieleentwicklung

Angesichts der weiter steigenden Entwicklungskosten von Computer- und Videospielen erwartet Deus Ex-Erfinder Warren Spector auch ein Aussterben von besonders umfangreichen Titeln. Spector, der als kreativer Leiter für Disneys neues Spielestudio Junction Point an einem bislang unbekannten Projekt arbeitet, sagte in einem Vortrag vor angehenden Spieleenwicklern: »Die Kosten für Spiele werden auf 35 bis 40 Millionen Dollar ansteigen, vielleicht sogar 100 Millionen, und die Erwartungen sind riesig. Man muss sich dann entscheiden. Einhundert-Stunden-Spiele werden aussterben. Wie viele von Ihnen haben GTA durchgespielt? Zwei Prozent, vielleicht. Wenn wir 100 Millionen Dollar für ein Spiel ausgeben, dann wollen wir auch, dass sie das letzte Level sehen.«

von Rene Heuser,
18.06.2008 10:48 Uhr

Angesichts der weiter steigenden Entwicklungskosten von Computer- und Videospielen erwartet Deus Ex-Erfinder Warren Spector auch ein Aussterben von besonders umfangreichen Titeln. Spector, der als kreativer Leiter für Disneys neues Spielestudio Junction Point an einem bislang unbekannten Projekt arbeitet, sagte in einem Vortrag vor angehenden Spieleenwicklern: »Die Kosten für Spiele werden auf 35 bis 40 Millionen Dollar ansteigen, vielleicht sogar 100 Millionen, und die Erwartungen sind riesig. Man muss sich dann entscheiden. Einhundert-Stunden-Spiele werden aussterben. Wie viele von Ihnen haben GTA durchgespielt? Zwei Prozent, vielleicht. Wenn wir 100 Millionen Dollar für ein Spiel ausgeben, dann wollen wir auch, dass sie das letzte Level sehen.«

Der von Spector prognostizierte Trend ist bereits jetzt bei großen US-Spieleproduktionen wie Call of Duty 4 oder Halo 3 zu sehen, deren Einzelspieler-Kampagne nur noch vier bis sechs Stunden dauert. Auch Biowares Mass Effect kann in rund 15 Stunden durchgespielt werden, während frühere Rollenspiele wie Baldur's Gate 2 oder Morrowind ohne Probleme auch mehr als 100 Stunden gespielt wurden.

Insgesamt scheint Spector aber nicht wirklich zufrieden mit der Spielbranche zu sein: »Ich liebe es für Disney zu arbeiten, weil ich es so überdrüssig bin, Spiele über Leute in schwarzen Ledersachen und großen Waffen zu machen. Ich will solche Spiele nicht mehr entwickeln«. Vor einigen Jahren sei es ihm noch verboten worden, von einer 'Story' in seinen Spielen zu reden. Aber in den kommenden Jahren würde der erzählerische Aspekt von Spielen immer wichtiger werden und die Nachfrage nach guten Geschichten-Erzählern ansteigen.

Warren Spector arbeitet seit 1987 als Spiele-Designer und Produzent. Bei Origin war an der Ultima- und Wing Commander-Serie beteiligt, bevor er später zu Looking Glass (Thief: The Dark Project, System Shock) wechselte. Ab 1997 arbeitete er bei ION Storm mit seinem Team an Deus Ex. 2005 gründete er dann seine eigne Firma Junction Point Studios. Im Sommer letzten Jahres wurde das Studio von Disney aufgekauft und arbeitet seitdem an einem bisher noch nicht offiziell vorgestellten Spiel.


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