Communitys vorm Karren - Über Patches und falschen Applaus

Immer öfter werden Spiele unfertig veröffentlicht und nur notdürftig mit Releasepatches geflickt. Doch wie reagieren die Fan-Communitys? Statt gegen diese Geschäftspraktiken auf die Barrikaden zu gehen, lassen sie sich vor den PR-Karren spannen.

von Christian Fritz Schneider,
24.06.2009 11:18 Uhr

Applaus wird immer dann zum Problem, wenn er unangebracht ist. In den letzten Monaten gab es viel unangebrachten Applaus, zum Beispiel für die zunehmende Plage an Release-Patches, wenn also Spiele schon am Tag ihres Erscheinens nachgebessert werden. Und wessen Hände schlugen besonders oft frenetisch zusammen? Die der Fans und organisierten Community-Mitglieder.
Da wird das erste Update pünktlich zum Start des Lieblingsspiels als heraushebenswerter Service interpretiert. Im Forum lobt man den guten Support und betont, dass ausgerechnet auf dieses Team noch Verlass ist: Die kümmern sich, denen sind wir nicht egal. Dabei scheint zu gelten: Je kleiner die Marktnische, desto rosaroter die Brille. Die Reaktion ist verständlich, schließlich gilt es im schlimmsten Fall, ein Genre vor dem Aussterben zu retten.

Die Entwickler und Publisher freuen sich über Schützenhilfe, die sie nicht verdient haben. Sie haben mit Ach und Krach ein unausgereiftes Produkt auf den Markt geworfen, lassen einen Patch hinterherflattern und freuen sich über loyale Lobeshymnen. Hübscher Nebeneffekt: In den Foren erklären die Fans eventuelle Testberichte für nichtig. Gilt ja alles nicht mehr, jetzt gibt es schließlich einen Patch, und der richtet, was zu richten war.

Die Realität sieht anders aus, wie wir es am aktuellen Beispiel von Arma 2 sehen. Der Patch zum deutschen Erscheinungstermin verbesserte deutlich zu wenig. Weder die inzwischen erschienene internationale Version der Militärsimulation noch das zweite Update für die hierzulande verkaufte Fassung bringen den Armed Assault-Nachfolger über die Qualität einer Betaversion hinaus. Die Kunden müssen sich auf eine Flut von Softwareflicken einstellen, bevor das Spiel in einigen Monaten vielleicht so läuft wie vom Hersteller versprochen.

Schlechte und kaputte Spiele gab es immer und wird es auch immer geben. Doch wenn die Entwickler und Publisher für das Kaschieren ihrer schlampigen Arbeit auch noch den Jubel der Fans ernten, lautet die verheerende Botschaft an sie: »Weiter so! Wir stehen hinter euch und zahlen, egal was ihr liefert.«

Wir rufen den Fan-Communities deshalb zu: Begeistert euch für eure Lieblingsspiele und fordert Qualität, die ihren Preis wert ist. Lasst euch nicht für halbe Sachen vor den Promotion-Karren spannen!


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