CS:GO Kraków Major - Teamkapitän schwört, den WM-Titel zu holen, ein Jahr später hat er ihn

Das kasachische Team Gambit Esports hat sich den Titel in Counter-Strike mit dem Sieg im Finale des PGL Kraków Majors gesichert. Für den Teamkapitän Zeus geht damit ein einjähriger Feldzug zu Ende.

von Stefan Köhler,
24.07.2017 06:01 Uhr

Gambit Esports ist erstmals Meister in Counter-Strike: Global Offensive. Von links nach rechts: Rifler Mikhail »Dosia« Stolyaro, Rifler Dauren »AdreN« Kystaubayev, In-Game Leader Daniil »Zeus« Teslenko, Sniper Rustem »mou« Telepov und Rifler Abay »HObbit« Khassenov.Gambit Esports ist erstmals Meister in Counter-Strike: Global Offensive. Von links nach rechts: Rifler Mikhail »Dosia« Stolyaro, Rifler Dauren »AdreN« Kystaubayev, In-Game Leader Daniil »Zeus« Teslenko, Sniper Rustem »mou« Telepov und Rifler Abay »HObbit« Khassenov.

Das Counter-Strike-Meisterschaftsturnier PGL Kraków Major 2017 hat einen Sieger: Das kasachische Team Gambit Esports konnte sich gegen die Brasilianer von Immortals mit zwei zu einer Map behaupten und hat damit das Finale und den Titel gewonnen. Es ist der erste Meistertitel für eine Mannschaft aus der GUS-Region (Gemeinschaft Unabhängiger Staaten) und für ein Team, das hauptsächlich aus asiatischen Spielern besteht. Gambit war zusammen mit dem deutschen Team BIG die einzige Mannschaft, die ungeschlagen die Gruppenphase absolvierte. BIG schied im Viertelfinale gegen die Finalisten Immortals aus.

Das Turnier war gefüllt mit Storylines, aber keine ragt so sehr heraus wie die des Gambit-Teamkapitäns (in CS:GO In-Game Leader genannt) Daniil »Zeus« Teslenko. Der Ukrainer ist als Gründungsmitglied des berühmten Clans Natus Vincere (Na'Vi) bekannt und war bis zum Sommer 2016 der Kopf des Teams, dann warf man ihn schlichtweg raus. Nicht wegen fehlenden Leistungen, sein Team Na'Vi erreichte im April 2016 den zweiten Platz im damaligen Meisterschaftsturnier MLG Columbus und musste sich nur im Finale geschlagen geben. Nein, Teslenko wurde nicht mehr gebraucht, der Coach Sergey »starix« Ischuk sollte quasi als sechster Mann über das Headset die Führung der Spieler übernehmen. Nach dem Abgang wurde das vielversprechende Ausnahmetalent Oleksandr »s1mple« Kostyliev von Na'Vi verpflichtet.

Ursache und Wirkung

Zeus schwor nach dem heimlich geplanten Rauswurf Rache und erklärte im Juli 2016, dass er nicht Ruhen werde, bis er den Meistertitel endlich gewinnt. Dann halt eben ohne Na'Vi.

Kurz darauf holte Gambit Esports den als exzellenten In-Game Leader bekannten Spieler und nun, ein Jahr später, hat Teslenko tatsächlich sein Versprechen eingelöst. Der Kapitän gilt als Präsenz auf dem Spielfeld, der Teams mit seinem schieren Willen über die Ziellinie trägt. Das zeigte sich im Halbfinale gegen die Titelverteidiger von Astralis: Beim Zwischenstand von 13:12 sah es für Gambit düster aus, Teslenko zeigte Auszeit an und holte mit einer Wutrede seine Teammitglieder mental zurück ins Spiel. Daraufhin verlor Gambit keine einzige Runde mehr. Der Spieler mit den meisten Abschüssen und Abschusshilfen des Matches? Daniil »Zeus« Teslenko.

Für Na'Vi wurde der Rauswürf übrigens zum Boomerang, der blitzschnell zurückkam: Kurz nach der Posse um Telesenko veränderte Valve die Regeln für Coaches, diese durften nicht mehr die Rolle des In-Game Leaders übernehmen und während des laufenden Matches mit den Spielern reden. Die Strategie, den Coach als In-Game Leader zu nutzen und die fünf Spielerplätze mit reiner Firepower aufzufüllen, ging absolut nach hinten los. Heute gilt das Team als chaotischer Haufen, ein echter Kapitän wird dringend gebraucht. Im Rahmen des jüngsten Meisterschaftsturniers kam Na'Vi nicht aus der Gruppenphase heraus, Kaderveränderungen wurden bereits angekündigt. Wer dieses Mal gehen muss, ist noch nicht bekannt - größere Veränderungen werden durchaus spekuliert.

Unsere Meldung vom August 2016: Valve streicht den Coach als »sechsten Mann«

Göttervater Zeus, ein Hobbit oder X-God als Graffiti?

Im Finale gegen Immortals war es dann aber nicht Zeus, der einen Gang zulegte. Beeindruckende Leistungen gab es vom Gambit-Spieler Dauren »AdreN« Kystaubayev, der auch zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde. Er gilt als besonders konstanter Spieler und erreichte auf den zwei gewonnen Karten Train und Inferno jeweils 22 und 24 Abschüsse. Auf Train hatte nur sein Teamkollege Rustem »mou« Telepov mehr Kills (28), auf Inferno lief Abay »HObbit« Khassenov mit 26 Kills heiß.

Nach dem großen Finale diskutiert nun die CS:GO-Community, wer vielleicht ein Graffiti verdient hätte. Mit den Wandverzierungen werden die außergewöhnlichsten Leistungen und Szenen von Meisterschaftsturnieren auf den Counter-Strike-Karten verewigt, sie sind selten und werden nicht bei jedem Major vergeben. Das letzte Graffiti ging ausgerechnet an Oleksandr »s1mple« Kostyliev, der Zeus bei Na'Vi ersetzt hat.

Derzeit sind für Graffiti drei Optionen im Gespräch, alle drehen sich um Gambit-Spieler

Die Wutrede von Zeus im Halbfinale auf Train, mit der er sein Team quasi zum Sieg zwang:

Zweitens: Die Killserien von HObbit auf Inferno, die wahrscheinlich das Match entschieden haben:

Die extrem klug eingesetzte Granate des Spielers Mikhail »Dosia« Stolyarov, der in der CS:GO-Szene auch als »X-God« bekannt ist:

Zur Einordnung: Die 11. Runde auf Inferno gilt bereits als verloren, Dosia wirft aber noch in den letzten Sekunden vor dem Hochgehen der Bombe seine Handgranate auf die Gegenspieler. Zwei Gegner verlieren dabei so viel Leben, dass die Druckwelle der Bombe sie in den Tod reißt - ohne den Schaden durch die Granate wären sie mit wenigen Lebenspunkten davongekommen. Die Folge: Immortals gewinnt zwar die Runde gegen Gambit, hat aber vier statt nur zwei Spieler verloren und das Team kann sich in der anschließenden 12. Runde kein Equipment für alle fünf Spieler leisten. So geschwächt ging die nächste Runde dann wieder an Gambit. Einen so smarten Einsatz einer Granate haben CS:GO-Fans seit Jahren nicht gesehen.

Es bleibt abzuwarten, ob Valve und die Kartenmacher sich tatsächlich auf ein Graffiti einigen. Gut möglich, dass auch im Rahmen des jüngsten Majors kein neues Graffiti auf den Maps von Counter-Strike: Global Offensive auftauchen wird. Sei's drum: Den Titel und das Preisgeld von 500.000 Dollar hat Gambit sicher in der Tasche.

Die Übersicht: Alle Graffitis, Schilder und Map-Bemalungen in CS:GO erklärt

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