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Seite 3: Das Goldgeschäft - Ist Goldfarming legal?

Erschwindeltes Spielgold

Über die Hälfe wird mit illegalen Bots gesammelt, also mit automatisierten Programmroutinen für Spielcharaktere. Das ist nicht nur unfair gegenüber anderen Spielern, sondern lässt auch das Händlerargument, Goldfarmer würden für ihre Arbeitszeit bezahlt, ziemlich wackelig dastehen. Ein weiterer Teil des verkauften Goldes kommt laut Davis von Hackern, die in fremde Accounts eindringen, um Spielgeld und Gegenstände zu stehlen.

»Für Publisher führen Goldfarmer, Betrüger und Account-Verkäufer zu immens erhöhten Kosten bei der Kundenbetreuung«, sagt Davis über die Schattenseite des Goldgeschäfts. Denn wer Gold von Gaunern kauft und eine Woche später vor einem gehackten Account sitzt, wendet sich an den Hersteller. Die Lösung solcher Probleme kostet Zeit und Geld.

»Allerdings tragen die Spielehersteller die wahre Schuld daran«, führt Davis aus. »Der Erfolg im Kampf gegen die ersten Goldfarmer hat die Hacker und die Betrüger erst angelockt. Wenn du es erschwerst, ohne Betrug Geschäfte zu machen, dann kommen die richtig üblen Typen. Und die Spieler? Wenn die Gold oder Charaktere kaufen wollen, dann ist es denen doch egal, woher die Ware kommt. Die Hersteller befriedigen die Nachfrage ja nicht.«

Laut Michael Singer ist der Markt inzwischen überlaufen von dubiosen Händlern. »Wir versuchen, Lösungen ohne Bots zu finden. Es ist aber schwer, sich als saubere Firma am Markt zu platzieren. 99,99 Prozent aller Händler stammen nun mal aus Fernost oder sind irgendwelche Scheinfirmen.«

Interview mit Steven Davis

Wenn Steven Davis angerufen wird, ist es meistens schon zu spät. Denn Davis stopft Sicherheitslücken, die sich gar nicht erst hätten öffnen sollen. Wenn es also mal wieder heißt, dass Hacker die Kundendaten eines Online-Spiels gestohlen haben, dann muss Steven Davis helfen. In seiner Freizeit bloggt er über seinen Beruf unter Free2secure.com.

GameStar Was machen Publisher falsch, wenn es um den Umgang mit Goldhändlern geht?
Steven Davis Es macht wohl weniger Spaß, eine stabile Wirtschaft zu programmieren, als coole Kämpfe und hübsche Partikeleffekte. Dabei sind Wirtschaft und Handel oft der wahre Kern eines Online-Spiels. Aber kaum jemand testet das Wirtschaftssystem, meist landet es erst spät im Spiel. Selbst Diablo 3 ist ohne funktionierendes Auktionshaus gestartet! Wenn diese Systeme schlecht gemacht sind, werden sie von Goldfarmern, Betrügern und natürlich auch ganz normalen Spielern ausgebeutet. Publisher ignorieren das oft, bis es große Probleme gibt. Das führt zu erhöhten Kosten für den Kundensupport. Und für Goldfarmer ist es ein riesiges Geschäft, die geben sich richtig Mühe.

Und wenn die Publisher den Handel legalisieren? Bringt das etwas?
Selbstverständlich bringt das etwas. Als Sony Online sein Echtgeld-Auktionshaus Station Exchange für Everquest 2 online gestellt hat, sind die Kosten für den Kunden-Support um 50 Prozent gesunken. Die Spielehersteller müssen von der Bannhammer-Taktik wegkommen, verdächtige Accounts einfach zu sperren. Sie bannen damit meist sowieso keine Menschen, sondern Bots. Stattdessen müssen die Publisher in effektive Sicherheitssysteme investieren.

Was kannst du Entwicklern raten, die es richtig machen wollen?
Entwickle deine Wirtschaft als Allererstes – und teste sie dann bis zum Erbrechen. Bis sie läuft. Du möchtest, dass deine Spieler Wert daran finden. Und wenn das klappt, dann werden Leute kommen, um deinen Service auszunutzen. Kümmere dich also um deine Kunden. Du bist nicht die Regierung, du bist nicht die Polizei. Du bist eine Firma. Wenn guter Service einen Spieler auch nur einen Monat länger spielen lässt, wie viel mehr Geld bringt dir das ein? Das ist keine Magie, das ist Business!

Free2Play gegen virtuelle Schwarzarbeit

Das sieht ein Mitarbeiter eines europäischen Item-Händlers, der anonym bleiben will, ähnlich: »Es gibt genügend Anbieter, die in Deutschland sitzen, aber an der Steuer vorbei arbeiten. Wenn sich User beschweren, sagen die einfach: ›Ich bin in China, verklag mich doch!‹«

Wird der Handel mit Credits und Lichtschwertern aufhören wenn Star Wars: The Old Republic zum Free2Play-Titel wird?Wird der Handel mit Credits und Lichtschwertern aufhören wenn Star Wars: The Old Republic zum Free2Play-Titel wird?

Ein Blick auf die Branche scheint das zu bestätigen. Der laut eigenen Angaben größte »europäische« Händler MMOGA etwa sitzt paradoxerweise in Hong Kong – gemeinsam mit Seiten wie GameLaden, iBay24, Goldsender und MMO4K.

Was können Publisher also tun, wenn der Kampf gegen die »sauberen« Goldhändler nur noch mehr zwielichtige Firmen anlockt? Eine Antwort findet sich in einem größeren Wandel im MMO-Sektor. Immer mehr Online-Rollenspiele steigen von einem Abonnement- zu einem Free2Play-Geschäftsmodell um. Selbst Biowares Star Wars: The Old Republic hat bereits den Kostenlos-Betrieb aufgenommen. So vergrößert sich nicht nur die Zielgruppe, Free2Play kann auch gegen unerwünschten Item-Handel helfen. Wenn die begehrenswerten Gegenstände direkt vom Entwickler verkauft werden, sind private Geschäfte logischerweise sinnlos.

Auch rechtlich scheint die Lage dann klarer zu sein. Erst Mitte 2011 hat das Landgericht Hamburg die Betreiber des Forums ElitePvPers zu Schadensersatz verurteilt, weil dort Wege diskutiert wurden, mit Gold aus dem Free2Play-Rollenspiel Runes of Magic von Gameforge zu handeln. Ausschlaggebend war unter anderem ein Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb: Händler, die Free2Play-Güter verkaufen, würden sich in einen verbotenen Wettbewerb mit dem Betreiber begeben – weil sie billiger verkaufen wollen als dieser. Das Urteil des Landgerichts könnte Publishern die Werkzeuge in die Hand geben, rechtlich gegen Item-Händler vorzugehen.

Legaler Handel als Alternative

Zumindest RandyRun sieht sich auf der sicheren Seite. »Wir halten uns aus Free2Play raus«, begründet Michael Singer. Trotz Singers Angaben finden sich auf RandyRun inzwischen auch Angebote für Free2Play-Titel wie Age of Conan oder Silkroad Online.

Bereits sieben Jahre vor dem Auktionshaus von Diablo 3 konnte man über Sonys Station Exchange Items aus dem (heute auf Free2Play umgestellten) Everquest 2 gegen Echtgeld handeln.Bereits sieben Jahre vor dem Auktionshaus von Diablo 3 konnte man über Sonys Station Exchange Items aus dem (heute auf Free2Play umgestellten) Everquest 2 gegen Echtgeld handeln.

Sicherheitsexperte Steven Davis bleibt bei Free2Play als Allheilmittel gegen fallende Abo-Profite und Goldhändler aber skeptisch: »Entwickler machen selten ›echte‹ Free2Play-Spiele. Oft gibt es dennoch Gegenstände, die man kostenlos erspielen kann, damit sich die Gratiskunden nicht benachteiligt fühlen. Es wird immer einen Schwarzmarkt geben, wenn es etwas gibt, das man legal nicht kaufen kann. Entwickler sollten einen Weg finden, diese Transaktionen zu legalisieren.«

Die Legalisierung von Echtgeldhandel mit virtuellen Gütern ist für Publisher aber nicht ganz einfach. »Bei einer Erlaubnis würde der Publisher ein großes Risiko eingehen, da er damit den Fortbestand des Spiels in gewisser Weise garantieren müsste«, sagt der Anwalt Stephan Mathé. »Sonst kauft jemand ein Schwert für viel Geld und muss dann irgendwann feststellen, dass das Spiel abgeschaltet wurde.« Dann könne der Item-Käufer versuchen, vom Publisher Schadensersatz zu fordern. Zugleich sei aber verständlich, dass Publisher derartige Risiken eingingen – zumal sie beim Handel durch Dritte keinen einzigen Cent abbekämen.

Die Pionierehre im legalisierten Item-Handel gebührt Sony Online, das 2005 die Station Exchange eröffnet hatte. Auf dieser Online-Plattform konnten die Spieler Gegenstände aus Everquest 2 gegen echtes Geld versteigern. Ab 2008 liefen die Auktionen über die Handelsplattform Live Gamer, mit der Free2Play-Umstellung von Everquest 2 wurden sie Ende 2011 eingestellt.

Auch laut Ramak Molavi sind solche herstellereigenen Angebote riskant. Blizzard könnte aufgrund der Auszahlungen aus dem Diablo 3-Auktionshaus als so genannter E-Geld-Emittent eingeordnet werden, weil das Battlenet-Konto eine virtuelle Währung darstellt. »Dann müsste Blizzard bei der Ausgabe des E-Geldes die Identität des Zahlungsempfängers feststellen. Die Online-Registrierung reicht für eine solche Feststellung nicht aus.«

FidelisPay

Glaubt man dem Werbevideo, dann könnte FidelisPay die Online-Wirtschaft revolutionieren. Entwickler können diesen Bezahlservice in ihr Spiel integrieren und damit eine Echtgeld-Wirtschaft unterstützen. Spieler müssen sich verifizieren, bekommen ein virtuelles Bankkonto zugewiesen und können damit dann im Spiel Items und Gold kaufen. Der Clou: FidelisPay ist ein geschlossener Kreislauf. Das soll der Inflation vorbeugen, denn es wird nicht einfach künstlich Spielgeld in die virtuelle Welt gebracht.

Alles, was über FidelisPay gehandelt wird, muss erspielt werden. Das setzt natürlich voraus, dass besonders hart gegen Bots und Hacker vorgegangen wird, damit die Balance gewahrt bleibt. Entwickler dürfte das trotzdem freuen: Sie verdienen an jedem Verkauf mit. Für das Zukunftspotenzial dieses Geschäftsmodells spricht, dass nicht irgendein Kleinunternehmen dahinter steht, sondern Bertelsmann, einer der mächtigsten Medienkonzerne Europas.

Banksystem für die Spielewirtschaft

Nicht zufällig wird schon jetzt an Alternativen gearbeitet. Das virtuelle Bezahlsystem FidelisPay der Münchener Bank Fidor soll externe Goldhändler einschränken und ab 2013 virtuelle Spielewirtschaft mit einem Banksystem verknüpfen und somit sicherer machen. Bis es soweit ist, greift man nach wie vor zu den althergebrachten Werkzeugen: Anwälten. Erst vor kurzem hat Blizzard den Verkauf von Bots des beliebten Anbieters Bossland gerichtlich verbieten lassen.

Das Auktionshaus von Blizzard wird von Goldsellern gemieden.Das Auktionshaus von Blizzard wird von Goldsellern gemieden.

Die Luft wird also dünn für Goldhändler, seriöse wie unlautere. Das sieht auch Michael Singer so: »Die Barrieren zum Markteintritt sind inzwischen zu hoch.« Also versucht er, auch in anderen Marktbereichen Fuß zu fassen. »RandyRun ist weit mehr als ein reiner Item-Händler. Wir verkaufen ja auch Spiele-Keys, also ganz normal gültige Lizenzen aus dem Großhandel.«

Dennoch möchte Singer auch im Gold-Handel tätig bleiben –idealerweise Hand in Hand mit den Herstellern: »Wenn die Publisher mit einer seriösen Firma zusammenarbeiten und das ohne Heimlichtuerei, ganz sauber, ganz legal, dann kann man diese China-Klitschen vergessen und den Usern echte Sicherheit bieten.«

Wer die letzte Gelegenheit vor dem möglichen Ende des Goldhandels doch noch nutzen will, um Diablo-Millionär zu werden, dem gibt Michael Singer einen nicht ganz uneigennützigen Rat: »Schau, dass das Impressum aus Deutschland ist. Schau, dass die Preise in Ordnung sind. Es dürfen keine Dumpingpreise sein, aber auch keine Mondpreise. Und: Vertraue nicht auf ominöse Facebook-Likes oder Bewertungszahlen. Darüber stellen viele Seiten Pseudo-Seriosität her. 1.000 Facebook-Freunde kosten bloß 50 Euro.«

Ob die Kombination aus Anwälten, neuen Gesetzen und Geschäftsmodellen solchen Geschäftspraktiken Einhalt gebieten kann, wird sich zeigen. Bis es so weit ist, werden die Farmer weiterhin das tun, was sie auch sonst tun: Gold sammeln, als ginge es um ihr Leben. Oder zumindest ihren Lebensunterhalt.


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