Fiesta Online - Browserspiel des Tages - Action mit Manga-Monstern

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele.

von Gerald Meyer,
24.10.2008 17:00 Uhr

Jeden zweiten Wochentag um 17:00 Uhr stellen wir Ihnen Browserspiele vor, die sich auf dem deutschen Markt etabliert haben. Dabei handelt es sich um bekannte und weniger bekannte, gute und weniger gute Browserspiele.

Fiesta Online ist im klassischen Manga-Zeichenstil gehalten, in dem - wie sollte es anders sein - auf Verniedlichungsfaktor gesetzt wird. So sehen auch die Monster nicht wirklich gefährlich aus, denn wer hat schon Angst vor hüpfdödelndem Schleim oder gelangweilt in der Ecke herumstehenden Killerpilzen, die nur darauf warten, attackiert zu werden?

Wanderlust

Es gibt vier Charakterklassen, die nicht sonderlich originell ausfallen: Krieger, Jäger, Priester, Magier. Die Lernkurve ist sehr steil gehalten, spätestens ab Level 10 müssen Sie sich mit viel Geduld die Monster aussuchen, welche die meisten Erfahrungspunkte bringen und die sie nur knapp überleben, um Ihre „Erfahrungsuhr“, die in zehn Stufen unterteilt ist, so effektiv wie möglich aufzufüllen. Da Sie jedoch nichts anderes tun, als einfache Quests bei den Gebern abzurufen und in den nächsten Wald rennen, um drauflos zu holzen, erschöpft sich der erste Spielspaß nach ungefähr 10-15 Stunden. Dafür erwartet Sie eine riesige Welten-Map, in der abwechslungsreich designte Monster herumstreunen, die aber in unterschiedlicher Kraftkonstellation schon besuchte Teilabschnitte der Welt bevölkern können. Das heißt, die Populationen stärkerer und schwächerer Gegner vermischen sich. Nicht alles, was Sie im ersten Moment angreifen, kann somit auch besiegt werden. Richtig zäh wird’s ab Level 7-8, da Sie in den Wald- und Seegebieten, die in diesem Fall für Ihre Kampfkraft angemessen sind, entweder nur wesentlich schwächere Gegner oder wesentlich stärkere wie beispielsweise die Wölfe oder die sehr missmutigen Bienchen vorfinden. Hier erscheint das Balancing noch unausgewogen.

Bis zu diesem Punkt sind Sie übrigens – bis auf den „Schnellen Schleim“, eine Sonderspezies der Wölfe und der Königskrabbe - vor eigenständigen Attacken geschützt; Sie werden erst beharkt, sobald Sie mit Ihrem Bogen oder Zauberstab das Ziel anvisiert und attackiert haben. Verlassen Sie das Seegebiet, häufen sich die hinterhältigen Angriffe schlagartig, und Sie haben den Gegnern somit erst einmal nicht viel entgegen zu setzen.

Eindeutige Angebote

Fiesta Online ist definitiv als Teamspiel ausgelegt. Der Kontakt zu anderen Spielern ist äußerst freundlich; spontane Einladungen, kurzfristig einer Party beizutreten, gibt es zuhauf, allerdings nicht vor Level 10. In der komfortablen Chatfunktion sollten Sie allerdings gleich klarstellen, welche Ziele SIE verfolgen – ansonsten helfen Sie anderen, und schon ist die Party auch wieder aufgelöst. Für solche Partygründungen sollten Sie sich gegen Abend zuschalten, da ist die Chance auf dem (über-) vollen Server am größten, Gleichgesinnte zu finden. Der frühe Morgen hingegen ist nicht zu empfehlen, es sei denn, Sie wollen vorwiegend allein unterwegs sein und suchen volle Jagdgründe.

Die Bewegungs-Piktogramme im Teammodus sind leider vollkommen überfrachtet und gehen erst nach einem kleinen Studium in Fleisch und Blut über; so kann es sein, dass Sie Ihre Party schon mal aus den Augen verlieren und ihr konfus hinterher rennen.

Ansonsten bietet Fiesta Online dieselbe, leicht abgewandelte Standardkost wie Spiele derselben Größenordnung: Gründen Sie Ihre eigene Gilde, eröffnen Sie einen Laden, kaufen Sie ein Reittier, lernen Sie einen Beruf, upgraden Sie Ihre Waffen usw.

Leichte, eingängige Musik, angesiedelt zwischen dudelnden Jahrmarktsklängen, Nintendo-Action und Schwarzwaldklinik runden das leider eintönig werdende Geschnetzel mit Kindchenschema ab.

Fazit: Fiesta Online ist ein Semi-Rollenspiel, das keinen großen Wert auf Anspruch, sondern auf stete Schlagabtäusche legt. Das Spiel wurde in der Beta-Version und in der offiziellen Version getestet; leider hat sich hier nicht allzu viel verändert. Selbst die Umlautverschiebungen in allerhand kryptische Zeichen bei angreifenden Schleimen und Co. wurden nur bedingt korrigiert. Auch der Wettlauf mit anderen Spielern in stark frequentierten Zeiten lässt zu wünschen übrig, da einem die Beute stets vor der Nase weggeschnappt wird. Somit eher ein wenig Gaga statt Manga.

Name:

Fiesta Online

Website:

http://fiesta-online.gamigo.de/

Sprache:

Deutsch

Genre:

Action

Präsentation:

+++++

Zugänglichkeit:

++++

Spielspaß:

+++

Downloadclient:

ja

Premium:

ja

Zeitaufwand:

sehr hoch

Lästerfaktor:

++++

Alle bisher getesteten Browserspiele finden Sie in der Übersicht.

Gerald Meyer, Jahrgang 1975, ist freiberuflicher Autor; zuletzt erschien von ihm Das Abandonware-Lexikon . Meyer war Gründer des "G. Meyer Taschenbuch Verlag", in dem insgesamt 52 Titel erschienen sind, u. a. Klassiker-Neubearbeitungen, vorwiegend jedoch Newcomer aus dem Underground. Er ist Mitglied im Komitee des Kurd-Laßwitz-Preises. Website: www.geraldmeyer.de


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