The Expendables - Die Helden meiner Jugend

Im aktuellen Action-Kinofilm The Expendables spielen mit: Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Jason Statham, Mickey Rourke, Jet Li, Dolph Lundgren und Bruce Willis. Mehr muss man dazu fast nicht sagen, wir haben trotzdem eine Kritik geschrieben.

von Christian Mester,
26.08.2010 19:01 Uhr

Jet Li, Sylvester Stallone und Jason Statham sind nur einige der namhaften Action-Schauspieler in The EpendablesJet Li, Sylvester Stallone und Jason Statham sind nur einige der namhaften Action-Schauspieler in The Ependables

Vor fünf Jahren sahen Sylvester Stallones Karten noch schlecht aus. Der ehemalige Megastar war wie viele seiner alten Kollegen verblasst. Seine letzten Filme waren gefloppt, seine wenigen neuen erschienen direkt auf DVD. Man respektierte seine beeindruckende Karriere und schätzte ihn sehr, lachte aber offen über die absurde Vorstellung, ihn irgendwann noch einmal als boxenden Opa oder Rambo mit Gehhilfe zu sehen. Bis »Sly« sich dann tatsächlich an "Rocky VI" und "Rambo IV" setzte und zwei überraschend gute (oder zumindest heiß diskutierte) Fortsetzungen draus machte.

Neugierig durfte man fragen, was er wohl als nächstes anpacken würde - weitere Fortsetzungen? Während er einen weiteren "Rocky" kategorisch ablehnte, spielte er bald mit dem Gedanken, den Stirnbandträger Rambo gegen ein mutiertes Monster antreten zu lassen. Stallone, der seit einiger Zeit immer wieder Fankontakt über Filmseiten sucht, ließ sich jedoch umstimmen und sah ein, dass er an solche Experimente besser nicht mal denken sollte. Also widmete er sich stattdessen einer anderen Idee, einem richtig typischen Stallone-Projekt alter Schule. Das Ergebnis sehe Sie ab heute in den Kinos: The Expendables.

Die Story

Barney Ross (Sylvester Stallone) ist der Anführer eines Teams knallharter Typen (Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Terry Crews, Randy Couture), die sich als Söldner darauf spezialisiert haben, die dreckigsten aller Jobs zu erledigen. Für ausreichende Entlohnung erledigen sie jeden, der irgendwem ein Dorn im Auge ist. Eines Tages trifft Ross den mysteriösen Mr. Church (Bruce Willis), der einen typischen Routine-Auftrag zu vergeben hat. Sie sollen eine südamerikanische Kleinstadt von einem fiesen Diktator (David Zayas) befreien.

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Eigentlich ein Kinderspiel, da solche Jobs für die Jungs Alltag sind, doch vor Ort merken sie, dass der hiesige Tyrann bloß Marionette eines korrupten CIA-Agenten (Eric Roberts) ist. Dieser hat vor, an einer Kokainplantage zu verdienen. Aufgrund der Zusammenhänge hält Ross den Auftrag für zu riskant und lehnt ab, bekommt dann aber doch ein schlechtes Gewissen und entscheidet sich um. Wie in Rambo 4 ist mal wieder eine attraktive, knapp bekleidete Frau in Not, die ihn erst weich werden und dann zu den Waffen greifen lässt. Die anderen wollen eigentlich nicht, sehen aber, dass der Chef allein keine Chance hat und kommen mit.

Liebesbrief an eine Action-Ära

Dolph Lundgren spielt eine der markantesten Rollen im Film. Lässt man sich das auf der Zunge zergehen, darf man schon erahnen, in welche Richtung der Rest geht. The Expendables ist ein einsilbiger, stumpfer Actionfilm, in dem durchtrainierte Machos aufeinander prallen, in dem jede Menge Zeugs explodiert und Fäuste sprechen lernen. Für manche wird das allenfalls nett bis solide Unterhaltung sein, für viele andere ist es ein legendäres Epos, ein Liebesbrief an ein ganzes Genre.

Sly schart hier Actionstars seiner und moderner Zeiten um sich, um genau die Art von Actionfilmen abzuliefern, die vor allem in den 80er und 90ern größte Beliebtheit erlebten. Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis und Sylvester Stallone im gleichen Raum zu sehen, ist schier – und ja wir jubeln an dieser Stelle - unglaublich. Darauf hatte manch einer seit 25 Jahren gewartet und nicht mal mehr im Traum damit gerechnet, es noch zu erleben.

Es macht auch einfach Spaß, diese Jungs, die privat schon seit langem Freunde sind, endlich, wenn auch bloß kurz zusammen agieren zu sehen. Im Grunde ist das Ganze ein Klassentreffen alter Busenfreunde, die ein paar Neulinge dazu holen und ein letztes Mal das zusammen tun, was sie am besten können – in diesem Fall, Dinge in die Luft jagen, Sprüche reißen und Leute erschießen.

Genau das gibt's auch zur Genüge, denn Stallone greift auch als Regisseur immer wieder in die Vollen. Egal ob er Jet Li gegen Dolph Lundgren kämpfen lässt, selbst in eine halsbrecherische Verfolgungsjagd gerät oder mit einem Flugzeug einen ganzen Hafen angreift. In Sachen Action ist The Expendables ein Fest, das selbstredend in einem furiosen Finale voller Nahkämpfe, Schusswechsel und Explosionen endet.

Splitter im Rücken

Wo viel explodiert, hageln oft aber auch Splitter, und da gibt’s Schelte für Stallone. Das Maß der Action ist klasse, keine Frage, allerdings darf man sich fragen, wieso er unbedingt versuchen musste diese so modern einzufangen. Anstatt sich an den ruhigen Kameras alter Filme zu orientieren, versucht er händeringend, die Wackelkamera der Bourne-Filme zu imitieren. Das schlug schon in Ein Quantum Trost gehörig fehl und stört hier ebenfalls, da es einem andauernd die Übersicht nimmt. Nicht ganz so auffällig, aber ebenfalls störend sind einige Computereffekte.

Das sind bloß kleinere Macken, wesentlichere Probleme finden sich woanders. Da wäre die Tatsache, dass das Team nicht wie ein Team wirkt. Barney ist zwar Chef und Statham der Messerexperte, der Rest aber fast nicht der Rede wert. Wushu-Legende Jet Li wird ständig nur vorgehalten, dass er klein sei, Dolph Lundgren kann sich nicht beherrschen, Terry Crews hat eine Supershotgun und Randy Couture ein Blumenkohlohr. Viel mehr an Charakterisierung gibt es nicht und auch in den Actionszenen kommen sie fast alle zu kurz.

Anstatt ein Team zu zeigen, in dem jeder in irgendetwas besonders gut ist und das perfekt aufeinander eingestimmt zusammenarbeitet, verschwendet Sly lieber viele Minuten damit, Hintergründe seiner und Stathams Figur zu zeigen. Die beiden harmonieren dann auch prächtig miteinander und sind die klaren Stars des Films, aber was mit ihren Freundinnen los ist und dass sie über den Sinn und Unsinn ihres Daseins reflektieren, interessiert uns hier gar nicht. Viele Szenen hinterlassen den Eindruck, als wüssten die Macher nicht, ob sie nun etwas Ernstes oder Lustiges auf die Leinwand bringen wollen. Witzige Sprüche gibt es einige, viele davon sitzen aber nicht; das Ernste ist für Ernstgemeintes zu stumpf, für herrlich amüsant Stumpfes aber nicht stumpf genug.

Richtig schwach ist Brian Taylors Soundtrack, der es vollkommen verfehlt, dem Film hörbar Charakter zu verleihen. Das lieblose Gedudel funktioniert zwar halbwegs, eine denkwürdig starkes Expendables-Thema sucht man jedoch vergebens.

Fazit

Christian Mester (bereitsgesehen.de): Distanziert betrachtet ist The Expendables ein gerade mal guter Actionfilm, der längst nicht über die ganze Laufzeit mitreißen kann. Genrefans kommen trotz der Macken natürlich nicht drum herum, sich den Streifen im Kino anzusehen. Jeder, der die Actionfilme der Stallone- und Schwarzenegger-Ära kennt und mag, ist es beiden einfach schuldig, ihr Zusammentreffen im Kino zu sehen.


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