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Geschichte in Spielen - Teil 2: Lehren der Geschichte

Spiele stellen Geschichte sehr unterschiedlich und meist nur ausschnitthaft dar – können wir trotzdem etwas daraus lernen? Und wie weit geht die Verantwortung der Entwickler, etwa wenn es um die Darstellung von Kriegen geht?

von Michael Graf, Denis Gießler,
09.07.2016 08:00 Uhr

Im ersten Teil unseres Reports haben wir illustriert, wie unterschiedlich Spiele Geschichte abbilden, vom Aufbauklassiker Kaiser bis zu Assassin's Creed Syndicate. Allerdings schneidern sich Designer die historischen Begebenheiten oft zurecht - klar, der Spaß geht vor. Können wir von Historienspielen dennoch etwas lernen? Angela Schwarz,Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Uni Siegen, sagt ja.

Spiele, erklärt sie, eigneten sich gut dazu, Interesse für geschichtliche Zusammenhänge zu wecken: »Sie vermitteln nicht so viel Wissen wie schulische oder wissenschaftliche Werke, müssen sie als Unterhaltungsangebote aber auch nicht. Trotzdem bringen sie den Spielern ›Geschichte‹ näher.« Noch gibt es zwar keine Studien, die belegen, welche Infos dabei wirklich hängenbleiben.

Folgt man unserer Umfrage zum Thema, konnten aber von rund 4.000 befragte GameStar-Leser etwa 80 Prozent etwas aus Historienspielen mitnehmen. Ein Teilnehmer erzählt gar, er verdanke Spielen seine guten Noten im Geschichtsunterricht. »Ohne Assassin's Creed Unity hätte ich mich wohl nie freiwillig mit der Französischen Revolution beschäftigt«, ergänzt ein anderer.

Allerdings kannten sich 63 Prozent der Befragten bereits vorher im jeweiligen Szenario aus: Wer schon etwas über das alte Rom weiß, ist auch eher geneigt, Rome 2 zu spiele. Die historischen Ereignisse im Spiel wecken dann aber vielleicht das Interesse, sich tiefgehender mit der Thematik zu beschäftigen. Was war noch gleich die Heeresreform des Marius?

Wer schon etwas über römische Geschichte weiß, ist auch eher geneigt, Rome 2 zu spielen.Wer schon etwas über römische Geschichte weiß, ist auch eher geneigt, Rome 2 zu spielen.

Zugleich steht die Hälfte der Befragten Historienspielen kritisch gegenüber und glaubt nicht alles: »Nur weil ein Spiel ein historisches Ereignis darstellen will, muss es sich nicht mal ansatzweise als Lehrmaterial eignen«, warnt ein Spieler. Bei der Darstellung von Geschichte nähmen sich Spiele zu viele Freiheiten, als dass man direkt etwas davon lernen könne. Und bei vermeintlich Fakten bestehe stets die Gefahr, dass sie schlampig recherchiert seien.

Knapp 80 Prozent der Befragten fanden sogar Fehler in historischen Spielen, zugleich sehen mehr als 50 Prozent Entwickler in der moralischen Pflicht, Geschichte korrekt darzustellen. Der Historiker Martin Bayer erklärt das damit, dass Geschichte ein Teil unserer jeweiligen Identität ist: Die Perspektive, aus der wir die Vergangenheit betrachten, bestimme, wie wir die Gegenwart sehen.

Gleichzeitig wollen wir nicht getäuscht werden: »Die Sehnsucht nach Authentizität und einer wie auch immer gearteten Verlässlichkeit spielt auch eine Rolle«, führt Bayer aus. Spiele seien eben nicht »nur« Filme - ihre Interaktivität gibt uns das Gefühl, tatsächlich die »echte« Vergangenheit nachzuerleben.

Doch laut Bayer seien sich viele Entwickler dieser Verantwortung nicht ausreichend bewusst: »Ja, es sind ›nur‹ Spiele, so, wie es eben auch ›nur‹ Filme gibt - aber nicht wenige Leute beziehen nun einmal ihr Wissen über historische Ereignisse aus diesen Medien.« Und dazu kommen neuerdings auch politische Inhalte.

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