Kommentar zum Beckstein-Rücktritt - Rückschlag für »Killerspiele«-Gegner

Rückschlag für »Killerspiele«-Gegner

von Rene Heuser,
01.10.2008 15:32 Uhr

(Noch-)Ministerpräsident von Bayern: Günther Beckstein (CSU)(Noch-)Ministerpräsident von Bayern: Günther Beckstein (CSU)

Auch wenn der Rücktritt des bayerischen Minsterpräsident Günther Beckstein (CSU) in Spielerkreisen sicherlich für Schadenfreude sorgen dürfte, könnte die Hoffnung auf ein endgültiges Ende der leidigen »Killerspiele«-Diskussion verfrüht sein. Beckstein hatte sich in den vergangenen Jahren zwar mit markigen Worten in die Debatte eingemischt und galt als treibende Kraft hinter dem bayerischen Gesetzentwurf eines Herstellungs- und Verbreitungsverbotes von gewalthaltigen Computerspielen. Spätestens aber seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im vergangenen Herbst überließ er das Feld anderen Mitstreitern wie dem bayerischen Innenminister Joachim Hermann und dem Bundestags-Abgeordneten Hans-Peter Uhl (CSU).

Das desaströse Abschneiden der CSU in Bayern wird zumindest für eine längere Pause in der »Killerspiele«-Debatte sorgen. Zum einen zeigt das Wahlergebnis, dass mit populistischen Verbotsforderungen keine Stimmen zu gewinnen sind. Bei den jungen Wählern verlor die CSU 25 Prozentpunkte – wobei gerade Frauen Beckstein & Co. die Gefolgschaft verwehrten. Zum anderen dürfte die CSU bis auf weiteres vor allem mit einem beschäftigt seinen: mit sich selbst. Mit Blick auf die nun auch in Deutschland angekommene Finanzkrise (Stichwort: Hypo Real Estate) und die Bundestagswahlen im Herbst 2009 wird das »Killerspiele«-Thema massiv an Bedeutung verlieren. Wenn Banken künstlich am Leben gehalten werden müssen, die Wirtschaft lahmt und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen, wollen die Wähler kaum etwas über neue Medien-Verbote hören.

Geschlagen, aber nicht besiegt

Spiele wie GTA 4 sollten laut CSU-Plänen in Deutschland verboten werden.Spiele wie GTA 4 sollten laut CSU-Plänen in Deutschland verboten werden.

Das bedeutet aber nicht, dass die Gegner von gewalthaltigen Computerspielen wie GTA, Counter-Strike oder Der Pate ihre Verbotspläne für immer ad acta legen werden. Der umtriebige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, Dr. Christian Pfeiffer, wird sicherlich weiterhin versuchen, die Unwirksamkeit des deutschen Jugendschutzes und die Gefährlichkeit von Computerspielen nachzuweisen.

Dieser altbekannte Singsang wird im unruhigen Umfeld zwischen Wirtschaftkrise und Politikverdrossenheit erst einmal weniger Zuhörer als bisher finden. Aber sollte es wieder zum Amok-Lauf eines Jugendlichen wie in Erfurt oder Emsdetten kommen, werden spätestens dann Bayerns Innenminister Hermann oder Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann wieder zum Thema auf der Matte stehen und ihre alten Lösungsvorschläge herunterbeten.

Es wird immer weitergehen

Die komplette CSU-Führung muss gehen: Parteichef Erwin Huber (links), Generalsekräterin Christine Haderthauer und Minister Präsident Günther Beckstein (rechts).Die komplette CSU-Führung muss gehen: Parteichef Erwin Huber (links), Generalsekräterin Christine Haderthauer und Minister Präsident Günther Beckstein (rechts).

Es wäre wohl auch naiv anzunehmen, dass mit einer neuen Politiker-Generation die Debatte um Gewalt in den Medien und deren Folgen einfach so verschwinden wird. Egal ob es Rock’n‘Roll, Comics, Horror-Filme, Reality-Shows oder jetzt Computerspiele waren oder sind, immer gab und gibt es Menschen, die neue Entwicklungen im Medienbereich für gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht haben -- manchmal differenzierter, meist aber in stark vereinfachender und polarisierender Art und Weise. Den Teufel an die Wand zu malen, ihm einen einprägsamen Namen zu verpassen und gleichzeitig seine Verbrennung und damit die Lösung aller Probleme in Aussicht stellen zu können, war und ist für die Denkschemata von Politikern und Lobbyisten einfach zu verlockend.

Und das wird sich auch in Zukunft nicht ändern, egal ob Beckstein ein politisches Amt bekleidet oder nicht. Daher ist es umso wichtiger Computerspiele weiter in die Mitte der Gesellschaft zu rücken – was bereits auch in Bayern durch Veranstaltungen wie Munich Gaming, den Runden Tisch der bayerischen Spieleentwickler und das Bemühen um die Ausrichtung des von der Bundesregierung ausgeschriebenen Spielepreises getan wird. Denn trotz aller Erfolge von Games Convention, Wii , Die Sims und World of Warcraft, für viele Menschen nicht nur jenseits der 40 sind Spiele immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Erst wenn sich das ändert, werden sich auch die Politik und die Debatte ändern. Auch wenn das bedeutet, dass dann ein neuer Sündenbock für die Fehlentwicklungen in der Gesellschaft gesucht werden muss -- es wird sich schon einer finden...


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