Michael Jackson - This is it! - Making-Of einer Konzert-DVD

Im Sommer hat eine der größten und sonderbarsten Persönlichkeiten der Popkultur, Michael Jackson, seinen leider letzten Moonwalk zelebriert. Ein Portrait seiner letzten Tage erreicht nun in Dokumentarform die Kinos. Ob sie sich lohnt?

von Christian Mester,
30.10.2009 14:51 Uhr

Michael Jackson war ohne Frage einer der bedeutendsten Künstler aller Zeiten. Er war ein Weltstar, der Millionen Menschen wie kaum ein anderer zu begeistern wusste. Seine unvergleichlichen Bewegungen, seine unsterblichen Hits und sein fast immer außerweltliches Auftreten faszinierten und machten ihn zur Legende. Der wohl bekannteste Sänger der Popgeschichte fiel jedoch nicht nur positiv auf. Jackson, der als Kind von seinem Vater schwer misshandelt und zur Karriere gezwungen worden war, war zugleich ein extrem introvertierter Mensch, der sich oftmals ins Kindliche zurückzog und für einen Erwachsenen merkwürdiges Verhalten an den Tag legte. Ein gefundenes Fressen für die Presse, die sich im Laufe der Jahre die verrücktesten Gerüchte einfallen ließ, um das leicht Seltsame an Jackson reißerisch ins Bizarre zu drehen.

Copyright: Sony PicturesCopyright: Sony Pictures

"This is it!" sollte nach vielen Jahren Bühnenabstinenz die finale Konzertreihe des beliebten Megastars werden. Ursprünglich auf gerade einmal zehn Auftritte ausgelegt, sorgte massiver Fanandrang rasch für eine Ausweitung auf 50 Konzerte. Jackson sah dieses mit Skepsis entgegen. Er war zwar körperlich relativ gesund, fühlte sich aber ausgelaugt und bezweifelte, alle Auftritte zu schaffen. Seinen Fans zuliebe wollte er es dennoch versuchen - deswegen setzte er alles daran, seine letzte Show zum unvergesslichen Spektakel zu machen. Diesen Entstehungsprozess greift die nun anlaufende Dokumentation "This is it!" auf, die sich in erster Linie an Fans und Nostalgiker richtet.

Smooth Criminal

Trotz merklich ausgemergelter Physis und stolzen 50 Lebensjahren beweisen die Aufnahmen zur Tourvorbereitung, dass er noch immer seine unbeschreibliche Magie besaß. Mit unvergleichlichem Gefühl inszeniert er einen Klassiker nach dem anderen, lässt seine ausgebildeten Berufstänzer über Moves staunen und zeigt einmal mehr, wieso er den Titel des King of Pops auch in diesem Jahr noch verdient gehabt hätte.

Die Show wäre sicherlich bombastisch geworden. Jackson scheute keine Mühen, die Bühnenbilder hochmodern und mit grandioser Dynamik zu versehen. Thriller, dessen Musikvideo Geschichte schrieb, wäre mit Hilfe umwerfender 3D-Optik zu einem echten Highlight des Abends geworden. Aufwendige Tanzroutinen und visuell abwechslungsreiche Bühnenmotive hätten dazu beigetragen, dass es technisch das vermutlich beste Konzert des Jahres geworden wäre.

Die Dokumentation befasst sich hauptsächlich mit den Songs und der technischen Umsetzung der Bühnenshow. Dennoch erlaubt die Doku aber auch den ein oder anderen kleinen Blick in intimere Momente.
Handwerklich gibt es kaum etwas auszusetzen. "This is it" ist hochqualitativ umgesetzt und fällt zum Glück recht gelassen aus. Andere Konzertdokumentationen versuchen ja oft, durch rasante Schnittfolgen und schräge Kamerawinkel Dynamik ins Bild zu bringen. Hier spart man sich derartigen Mumpitz. Das Resultat: Das Geschehen wird übersichtlich eingefangen.

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Beat it

So gut der Blick hinter die Kulissen auch gemacht sein mag, es lässt sich kaum übersehen, dass es eigentlich nur als Beilage gedacht war. Jackson wollte seine Konzertreihe im Anschluß an die Tournee auf DVD und Blu-ray veröffentlichen. Über hundert Stunden Material ließ Jackson aufzeichnen. Besprechungen, Choreographien, Show-Konzepte, der Austausch zwischen Jackson und all denen, die seinen letzten Traum verwirklichen sollten, all das ist Stoff dieser als Making-Of gedachten Aufnahme.

Dennoch: Da sich einiges noch in Produktion befand und es zur eigentlichen Generalprobe erst gar nicht mehr kam, wirkt vieles unfertig. Leinwandszenen fehlen, diverse Spezialeffekte sind unstimmig und auch die Aufnahmen der Songs werden öfters unterbrochen. Jackson singt zudem nicht alles live, da er seine Stimme verständlicherweise schonen wollte. Man merkt ihm an, wie er unentwegt Optionen durchgeht, was an der Show noch alles verbessert werden kann. Wer sich allerdings ein klares Konzert erhofft, wird sicherlich ein wenig enttäuscht sein.

Für Fans dürften vor allem die nebensächlichen Szenen interessant sein - Szenen, in denen man Jackson im Kontakt mit seinem Team sieht. Statt einer schüchternen Medienfigur sieht man Jackson als äußerst freundlichen Künstler, der entgegen vieler Kollegen sehr respektvoll mit allen Leuten umgeht. Der Einblick in den Charakter Jacksons bleibt trotz der Laufzeit von fast zwei Stunden allenfalls oberflächlich. Die Dokumentation befasst sich letztendlich hauptsächlich mit der Vorbereitung der Show.

Sehr zwiespältig bleibt die Intention des Films. Zum einen vermittelt "This is it" einen ausführlichen Blick auf eine Show, die man auf diese Weise zumindest nochmals zu sehen bekommt. Zum anderen ist es das indirekte Projekt eines Perfektionisten, der eine so unfertige Umsetzung vermutlich niemals genehmigt hätte. Alleine die Tatsache, dass der Film nur zwei Wochen in den Kinos zu sehen sein wird, bleibt ein fader Nachgeschmack. Schließlich soll die DVD ja bereits in der Vorweihnachtszeit vermarktet werden....

Fazit

Christian Mester (bereitsgesehen.de): »“This is it!“ ist das gut gemachte Making-Of einer Konzert-DVD. Pflicht für Fans und relativ interessant für Nostalgiker, allerdings bleibt fraglich, ob man sich das im Kino ansehen muss.

Kinokritik in Kooperation mit bereitsgesehen.de.

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