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Microsoft Windows Phone 8 im Test - Schöner als die Smartphone-Konkurrenz und genauso gut, aber noch zu wenige Apps

Mit Windows 8 hat Microsoft auch Windows Phone 8 veröffentlicht. Wie schneidet das stark verbesserte Handy-Betriebssystem im Test gegen Apples iOS und Googles Android ab?

von Markus Schwerdtel,
12.12.2012 12:05 Uhr

Nach den ersten Bildern von Windows 8 kursierte im Internet der Flachwitz von Microsoft als der größten Fliesenleger-Firma der Welt. Dabei waren die vielen Kacheln Benutzern von Windows Phone 7 schon länger vertraut. Konsequent setzte Microsoft bei diesem Handy-Betriebssystem auf einfarbige Flächen, klare Schriften und schlichtes, elegantes Design.

Vor allem die Typografie spielt eine wichtige Rolle: Statt auf Buttons tippen wir oft direkt auf ein Wort oder einen Schriftzug. Das gibt den Windows-Telefonen einen unverwechselbaren Look, der sie deutlich von den symbollastigen Oberflächen der Android-Geräte oder gar den realen Gegenständen nachgebildeten Elementen wie Notizblöcken aus der Apple-Welt unterscheidet. Erfolgreich waren die damit ausgerüsteten Smartphones wie etwa das Nokia Lumia 800trotz gelungenem Gesamtkonzept nicht. Vermutlich auch, weil Microsoft frühzeitigt klargestellt hatte, dass es keine Updates auf Windows Phone 8 geben wird.

Update 19. Juli 2013: In den letzten zwei Jahren hat sich die Qualität von Smartphones deutlich erhöht, während viele ältere Modelle noch immer erhältlich sind. Deshalb haben wir das Nokia Lumia 920 nach den aktuellen Maßstäben neu bewertet, auch um die Platzierung in der Smartphone-Bestenliste im Einkaufsführer zu korrigieren.

Mit Windows Phone 8 hat Microsoft die – ehemals Metro genannte – Kacheloberfläche weiter entwickelt und ihre Fähigkeiten an neue Telefone wie dem Nokia Lumia 920oder dem HTC Windows Phone 8xangepasst. Unter der Haube benutzt Windows Phone 8 viele Elemente des »großen« Windows 8, unter anderem den Kernel, den Kern des Betriebssystems und das Dateisystem NTFS. Außerdem unterstützt es endlich auch CPUs mit mehreren Rechenkernen, braucht keinen PC mehr für System-Updates und beherrscht neue Sprachkommandos. Uns interessiert jedoch hauptsächlich, wie sich Windows Phone 8 im Alltagstest und im Vergleich zur Konkurrenz schlägt.

Smartphones mit Windows Phone 8

Nokia Lumia 920 Das Lumia 920 ist das Windows-Phone-8-Flaggschiff von Nokia und hat einen 4,5 Zoll großen Bildschirm und ist wie die anderen Lumias auch in verschiedenen Farben erhältlich.

Nokia Lumia 820 Wie das Lumia 920 hat auch das kleinere Lumia 820 mit 4,3-Zoll-Display zwei 1,5 GHz schnelle Spadragon-S4-Rechenkerne.

Nokia Lumia 620 Das kleinste aktuelle Lumia, das Lumia 620, hat ein 3,8-Zoll-Display und die gleiche CPU wie die teureren Modelle, aber nur den 512 statt 1.024 MByte Speicher.

Samsung Ativ S Samsungs Ativ S ist bislang noch nicht erhältlich, soll mit 4,8 Zoll großem Display und zwei 1,5-GHz-Rechenkernen aber ganz vorne mitspielen. Das Ativ S ist zudem 53 Gramm leichter als das Lumia 920.

HTC 8x HTCs Windows Phone 8x hat ein 4,3-Zoll-Display mit HDready-Auflösung und wird von einer Dual-Core-CPU und 1.024 MByte Speicher angetrieben.

Bedienung und Live-Kacheln

Wer bislang iOS, Android oder gar Nokias altes Betriebssystem Symbian gewohnt war, muss sich bei Windows Phone 8 gehörig umstellen. Statt fitzeliger Symbole gibt es für jede App oder Anwendung großzügige Kacheln, die sich auf dem Bildschirm schnell nach unten beziehungsweise nach oben durchwischen lassen. Die Anordnung dieser Fliesen ist wie schon bei WP7 frei wählbar. Wenn wir lange darauf drücken, lassen sie sich ähnlich wie die Android- oder iOS-Icons verschieben und – und das ist neu in WP8 -- sogar in meist drei Größen variieren. Letzteres ist bitter nötig, denn wer viele Apps auf seinem Telefon hat, rubbelt sich bei allzu vielen großen Kacheln die Finger wund, bis er das Ende der Liste erreicht.

Die Größen der Kacheln sind jetzt flexibel, die Farben können allerdings nur für alle auf einmal festgelegt werden.Die Größen der Kacheln sind jetzt flexibel, die Farben können allerdings nur für alle auf einmal festgelegt werden.

Weil ein Ordner-System wie bei der Konkurrenz immer noch fehlt, verkleinern wir im Test alle Kacheln im sichtbaren Bereich, um Platz zu sparen – damit sieht der Homescreen dann doch wieder so ähnlich aus wie der eines mit App-Symbolen vollgepflasterten Android-Telefons wie etwa dem Samsung Galaxy S3. Ein Rechtswischer vom Homescreen aus führt zu einer alphabetischen App-Liste mit Suchfunktion. Schön übersichtlich, doch auch die wird unter Umständen viel zu lang, weil jede Hierarchie fehlt. Durch die alphabetische Anordnung finden wir aber auch alte, lange nicht mehr benutze Apps wesentlich schneller, als müssten wir wie in Android oder iOS von Homescreen zu Homescrenn springen oder gar in Ordnern suchen.

Eine Besonderheit von Windows Phone 8 sind die so genannten Live-Kacheln, die sich am ehesten mit den von Android bekannten Widgets vergleichen lassen. Damit zeigt etwa die Wetter-App in jeweils einer eigenen Kachel das Wetter in München und Tokio an, oder Termine werden direkt in der Kalenderkachel angezeigt, ohne extra die zugehörige App öffnen zu müssen. Klingt klasse, steht und fällt allerdings mit der Unterstützung der App-Entwickler. Werden die Live-Kacheln der vorinstallierten Apps von Microsoft oder Nokia noch fleißig genutzt, gibt es etwa bei der Facebook-App nur eine schnöde Zahl für neue Nachrichten oder Kommentare – das schafft iOS mit seinen altmodischen roten Ziffern-Badges beim App-Icon auch.

Neu und nützlich bei Windows Phone 8 ist die Möglichkeit für Apps, sich auch auf dem Sperrbildschirm auszubreiten, um dort etwa Kalendertermine (jedoch immer nur einen Termin) oder wechselnde Bilder aus Facebook-Alben darzustellen. Kleines, aber potenziell nerviges Detail: Auf dem Homescreen werden die Anzeigen für Datenverbindung, Akku und GPS-Ortung standardmäßig ausgeblendet und sind nur per kleinem Nach-unten-Wisch zu erreichen. Lediglich die Uhrzeit ist immer sichtbar. Grundsätzlich ist Windows Phone 8 in erster Linie auf den Hochkantbetrieb ausgelegt, nur wenige der mitgelieferten Programme wie der Browser oder der Medienplayer bieten Unterstützung für das Querformat.

Nur mit den beiden Buttons links und rechts können wir uns durch Videos bewegen, der feine Balken unten dient unverständlicherweise nur zur Orientierung und ist kein Steuerelement (Video: »Sach was« mit Nino Kerl auf unserem Youtube-Kanal High5).Nur mit den beiden Buttons links und rechts können wir uns durch Videos bewegen, der feine Balken unten dient unverständlicherweise nur zur Orientierung und ist kein Steuerelement (Video: »Sach was« mit Nino Kerl auf unserem Youtube-Kanal High5).


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