Parodie oder Ernst? - Petition will Far Cry 5 stoppen

Eine US-Petition gegen Far Cry 5 sorgt aktuell in den Sozialen Medien für Aufregung. Das Ziel der Bewegung: Ubisofts Open World Shooter stoppen. Allerdings weiß noch niemand so recht, ob die Urheber das wirklich ernst meinen.

von Dimitry Halley,
30.05.2017 15:05 Uhr

»Cancel Far Cry 5« sammelt auf Change.org fleißig Unterschriften. Aber was verbirgt sich hinter der Aktion?»Cancel Far Cry 5« sammelt auf Change.org fleißig Unterschriften. Aber was verbirgt sich hinter der Aktion?

Es gibt News, um die einen kein Kollege beneidet. Dabei handelt es sich in der Regel um heikle Neuigkeiten, die extrem knifflig zu schreiben sind. Man muss nur ein falsches Wort an der falschen Stelle platzieren, um zur journalistischen Dartscheibe zu werden und den Kommentarbereich in Brand zu setzen. Bei derartigen Meldungen kann man schlicht so viel verkehrt machen, weil aus allen denkbaren (und undenkbaren) Richtungen der virtuelle Kotwurf droht. Dieser Artikel hier ist solch eine News.

Aber hey, ich habe ja auch über den Penis-Slider bei Conan Exiles geschrieben, ohne dafür gelyncht zu werden - also versuch ich's mal:

Über die etablierten Social-Media-Kanäle macht aktuell eine Petition die Runde, die Far Cry 5 aufhalten soll. »Cancel Far Cry 5« heißt die Aktion der Gruppe Gamers United - und sie fordert von Ubisoft, der Publisher solle gefälligst sein Projekt ändern oder absägen, weil es im aktuellen Zustand für den US-amerikanischen Markt schlicht untragbar sei:

"Es ist Zeit, eine Grenze zu ziehen. Wir, die amerikanischen Spieler, die einen Großteil eurer (sprich: Ubisofts) Spielerschaft ausmachen, fordern das Ende von Far Cry 5 - oder eine Anpassung, damit es weniger anstößig gegenüber eurer Zielgruppe ausfällt. In der heutigen Zeit müsst ihr mit gewaltsamen Folgen rechnen, wenn ihr weiterhin so eine sinnlose Kritik vorantreibt."

Und bevor ich jetzt darauf eingehe, ob Gamers United ihren Standpunkt ernsthaft vertreten oder in Wahrheit den Satiriker mimen: So oder so bemühen sie sich zumindest um konstruktive Kritik. Denn »Cancel Far Cry 5« bietet vier Bedingungen an, unter denen das Spiel theoretisch erscheinen dürfte.

Nummer 1: Für die Schurken solle man sich bitte ein plausibleres Feindbild suchen. Gangster aus dem Ghetto beispielsweise. Nummer 2: Wenn schon amerikanische Hardcore-Christen als Schurken im Spiel auftreten, dann doch bitte mit diverseren Hintergründen. Schließlich gäbe es, so Gamers United, nationalistische Hardliner in allen menschlichen Formen und (Haut-)Farben.

Far Cry 5 - Screenshots ansehen

Nummer 3: Ubisoft solle bitte den Plot ändern und die fundamentalistischen Nationalisten als patriotische Reaktion auf eine unterdrückende Regierung darstellen. So seien am Ende beide Seiten auf dem Holzweg - sowohl die Terroristen, als auch die Regierung, die solche Menschen hervorbringt. Und last but not least: Das Setting sollte auf verschiedene Märkte angepasst werden:

"Wir verstehen, dass Anti-Amerikanismus in Ubisofts Heimatland ein Ding ist. Und wir wollen euch mit unseren Beschwerden ja gar nicht die Profite in diesen Ländern madig reden. Aber in Amerika ist Anti-Amerikanismus aktuell einfach kein gutes Thema. Bedenkt eure Märkte! Verlagert das Setting für die US-Version einfach nach Kanada. "

Man kann jetzt natürlich aus diversen Perspektiven über derlei Statements sprechen und sie durchdiskutieren - allerdings bin ich persönlich der Meinung, dass es sich hierbei ohnehin um eine Parodie auf tatsächliche Far-Cry-Kritiker handelt. Vor allem das folgende Statement offenbart das recht eindeutig:

"Wir Spieler mussten in den vergangenen Jahren ganz schön viel Mist erdulden. Die permanente Belästigung durch die Medien, aufgehangen an der Gamergate-Debatte. Der furchtbare Launch der meisterwarteten Spiele auf einem Fundament falscher Versprechungen. Die Zensur von Spielen durch lokale Jugendschutzgesetze. Und die kontinuierliche Ablehnung durch potenzielle Sexualpartner, wenn die von unserem Hobby erfahren. Und dann diese ganzen Fake-Gamer bei Twitter. Es reicht!"

Das sehe übrigens nicht nur ich so - auch bei Twitter gibt's einige Medienkollegen, die die Echtheit der Petition anzweifeln. Jüngst Chris Schilling, Autor der Zeitschrift Edge. Allerdings hat er seine Einschätzung der Petition mittlerweile zurückgezogen, weil er offenbar so viel negatives Feedback bekommen hat, dass ihm der Tweet um die Ohren geflogen ist.

Ich sag's ja: Es gibt diese News, die sind wie ein Shitstorm-Minenfeld. Vielleicht habe ich ja hier auf der GameStar mehr Glück als Chris Schilling. Nichtsdestotrotz bin ich nämlich neugierig, wie Sie zu der Aktion stehen: Schreiben Sie's mir doch in die Kommentare. Aber bitte unbewaffnet.

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