Playerunknown's Battlegrounds - Nach Item-Update: Glücksspielschwemme wie bei CS:GO

Die Einführung von handelbaren kosmetischen Items und die Popularität von PUBG sorgen dafür, dass wie bei CS:GO eine Gambling-Schattenszene entsteht.

von Stefan Köhler,
24.09.2017 12:45 Uhr

Viele Spieler von PUBG wollen natürlich kosmetische Items für einen individuellen und coolen Charakter. Wie bei CS:GO entsteht rund um die Skins aber eine Glücksspielwirtschaft.Viele Spieler von PUBG wollen natürlich kosmetische Items für einen individuellen und coolen Charakter. Wie bei CS:GO entsteht rund um die Skins aber eine Glücksspielwirtschaft.

Sie beflügeln so ziemlich jeden Shooter: Zufällige kosmetische Items sind bei Spielern extrem populär und füllen die Kassen vieler Entwickler. Sei es Overwatch mit seinen Lootboxen, Counter-Strike: Global Offensive mit den Waffenskins oder im neueren Playerunknown's Battlegrounds mit Kleidungsstücken.

Allerdings hat das System auch seine Schattenseiten: Die Waffenkisten und Skins von CS:GO lassen sich untereinander tauschen und besitzen echten Geldwert, bald hatte sich eine Glücksspielwirtschaft auf Basis der Skins rund um den Shooter gebildet. Und diese Wirtschaft ist dank der ebenfalls handelbaren kosmetischen Items von Playerunknown's Battlegrounds auch beim Battle-Royale-Shooter angekommen.

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Wie funktioniert Glücksspiel bei PUBG?

Das Glücksspiel mit Skins ist schnell erklärt: Casino-Seiten bieten ganz klassisches Glücksspiel wie Roulette an, als Wetteinsatz werden die Skins von den Spielern wie Casino-Chips gesetzt. Wer richtig tippt, erhält einen Gewinn abhängig vom Wert des gesetzten Skins. Wer verliert, verliert alles.

Hier spielen PUBG-Spieler Roulette mit ihren Skins und setzen auf die nächste Farbe. Nein, mit dem Spiel hat das gar nichts zu tun.Hier spielen PUBG-Spieler Roulette mit ihren Skins und setzen auf die nächste Farbe. Nein, mit dem Spiel hat das gar nichts zu tun.

Und nein: Mit dem Spiel Playerunknown's Battlegrounds hat das eigentlich überhaupt nichts zu tun. Das Spiel und seine Inhalte werden hier nur von Drittanbietern für ihre Zwecke zum Aufbau eines Online-Casinos missbraucht. Der Login bei den Webseiten erfolgt einfach über die Steam-Webschnittstelle, also über das eigene Steamkonto.

Einen Alters-Check gibt es bei den meisten Glücksspielseiten dieser Art nicht, Kinder und Jugendliche können hier ganz problemlos (und illegalerweise) mit ihren erspielten Inhalten mitzocken. Der rechtliche Schutz der Webseiten ist oft nur die Frage, ob man über 18 Jahre alt ist. Das setzen eines Hakens reicht.

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Wie sieht die rechtliche Grundlage aus?

Ganz einfach: Es gibt keine rechtliche Grundlage. Glücksspiel mit Skins ist zu jung, als dass sich Behörden mit diesen Fällen befasst hätten. Was es bereits gab, sind Gerichtsfälle bezüglich zufälliger Items und Lootboxen, die die Entwickler verkaufen.

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Allerdings hat ein US-Gericht im Präzedenzfall »Mason gegen Machine Zone« beim Glücksspiel in Game of War entschieden, dass für Spiele ausgegebenes Geld als verbraucht gilt. Wer 50 Euro für Lootboxen ausgibt, hat eben 50 Euro für Lootboxen bezahlt und nicht für bestimmte Inhalte. Gerichte sehen die Situation also wie beim Kauf von Panini-Sammelbildchen oder Kartenpaketen von Spielen wie Magic: The Gathering, die ja gezielt für Kinder und Jugendliche beworben werden und für diese Kundschaft auch frei verfügbar sind.

Lootboxen sind also - zumindest vor dem US-Recht - absolut okay. Zum Thema Casino-Glücksspiel mit Skins gab es aber noch kein Urteil. Bisher hat die US-Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission Anbieter nur gerügt. Und nicht wegen des Glücksspiels, sondern weil es sich um YouTuber handelte, die sich in Videos als Glücksspieler ausgaben und nicht offenlegten, dass sie die Portale selbst betreiben. Die britische Glücksspielbehörde hat zumindest mehr als eine Rüge verteilt und zwischen 105.000 und 190.000 Euro an Strafzahlungen angeordnet. In Deutschland wurde noch kein Fall dieser Art bekannt und verhandelt.

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Steam und Valve selbst weisen jegliche Schuld von sich, sie könnten nicht die Polizei spielen und Steam habe auch sowieso kein System, um Ingame-Gegenstände in eine Echtgeld-Währung umzuwandeln. Wer auf dem offiziellen Steam-Markt handelt, kann seine Gewinne auch nur wieder in Steam-Inhalte und -Spiele stecken. Mit dieser Anwaltsaussage versteckt sich Valve hinter dem »Mason gegen Machine Zone«-Urteil, für sie ist einmal bei Steam für Inhalte ausgegebenes Geld verbraucht. Dass Drittanbieter über die Steam-Webschnittstelle echtes Geld für Inhalte wie Skins bieten, dafür soll Valve nichts können.

Der Markt wird befeuert

Die Casinos leben von drei Dingen: Von vielen Spielern (und damit vielen potentiellen Kunden), von wertvollen Skins (damit sich Glücksspiel für die Casinos finanziell lohnt) und ein massiges Angebot an Skins, die untereinander getauscht und gehandelt werden können.

Vorhang auf für PUBG, den derzeit größten Steam-Hit und mit Skins im Wert zwischen wenigen Cent bis fast 1.400 Euro zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung. Nach dem Hype um CS:GO ist es der nächste Kandidat für illegale Casinos und tatsächlich finden sich bereits genug Portale im Internet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Steam-Gruppen rund um Gambling entstehen und Spam-Anfragen an Spieler verschicken, die damit eigentlich gar nichts zu tun haben wollen. Und bis die nächsten YouTuber und Streamer Glücksspiel mit PUBG-Skins für sich entdecken und es Kinder und Jugendlichen mit ihren Videos schmackhaft machen.

Ebenfalls äußerst beliebt bei den Glücksspielern: Münzwurf. Zwei Spieler wetten ungefähr gleichwertige Items, ein Spieler erhält beim Gewinn alles.Ebenfalls äußerst beliebt bei den Glücksspielern: Münzwurf. Zwei Spieler wetten ungefähr gleichwertige Items, ein Spieler erhält beim Gewinn alles.

Bis zum September-Update hatte PUBG außerdem immer mehr und mehr mit AFK-Bots zu kämpfen, die einfach nur in Spiele sprangen, um die Ingamewährung BP für den Kauf neuer Lootboxen anzuhäufen. Damit wurde auch schnell der Markt mit Massen an Skins zugeschüttet, derzeit finden sich hunderttausende Items im Handel und Millionen von Skins im Umlauf. Es wird sicher immer jemand finden, der bei einem solchen Marktvolumen schnell mit einer eigenen Geschäftsidee um die Ecke kommt.

Das Spiel ist längst Reif für die Geier der Skin-Wirtschaft. Stellt sich nur die Frage, wie viel sie eigentlich zum Verkaufserfolg von PUBG beigetragen haben. Es könnte - wie bei CS:GO - ein signifikanter Anteil sein.

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