Selbstmordanimationen in DayZ - Selbstmord ist kein Spiel!

Brutale Selbstmordanimationen wie in DayZ haben in einem Spiel nichts zu suchen, findet Johannes Rohe. Doch sie sind nur die neusten Auswüchse einer sehr bedenklichen Entwicklung des Survivalspiels.

von Johannes Rohe,
29.01.2015 12:00 Uhr

Über Suizide berichtet man nicht. Und wenn, dann nur in möglichst geringem Maß. Boulevardmedien treten diese journalistische Richtlinie zwar regelmäßig mit Füßen, und doch gilt sie in Deutschland und vielen anderen Ländern. Der Grund dafür ist der sogenannte Werther-Effekt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass Berichte über Selbsttötungen Nachahmer inspirieren und die Suizidzahlen in die Höhe schnellen lassen. Genau deshalb sind die neuen Selbstmordanimationen in DayZ nicht nur überflüssig, sondern vollkommen daneben.

Ich sehe zwar die spielerische Notwendigkeit für eine Respawn-Funktion, die Selbsttötung gleich mit mehreren abstoßenden Animationen zu zelebrieren, ist jedoch absolut unnötig. Eine einfache Schwarzblende im rechten Moment hätte es auch getan und der Atmosphäre mit Sicherheit nicht geschadet.

Selbstmordanimationen und Kannibalismus-Feature sind aber nur die neusten Auswüchse einer sehr bedenklichen Entwicklung, die DayZ schon seit geraumer Zeit durchmacht. Aus der einstigen Survival-Simulation wird eine Foltersimulation, ein Spiegel menschlicher Abgründe. Ging es früher wirklich noch darum, irgendwie in der Zombie-Apokalypse zu überleben - und dafür notfalls auch auf amoralische Mittel zurückzugreifen - sind die Spieler heute nur noch damit beschäftigt, andere Überlebende auf möglichst perfide Arten zu misshandeln.

Die Selbstmordanimationen: Pistole Sofern eine Pistole in der Hand ausgerüstet ist, schießt sich unsere Spielfigur auf Knopfdruck damit in den Kopf.

Messer Mit einem Messer wiederum geht es einmal quer durch die Kehle. Kein schöner Anblick.

Gewehr Das Gewehr wird unterhalb ans Kinn gehalten. Blut spritzt beim Abdrücken (noch) keines. Ein mulmiges Gefühl bleibt aber dennoch.

Mit dem Argument der totalen Freiheit schieben die Entwickler den Schwarzen Peter dabei stets den Spielern zu. Dabei haben sie selbst doch alle Fäden in der Hand. Gefährlichere Zombies und mehr Ziele, die nur im Team erreicht werden können, würden nicht nur die Zusammenarbeit deutlich attraktiver machen sondern auch der Langzeitmotivation und damit dem Spielspaß zugutekommen.

Doch über ein Jahr nach dem Release der Early-Access-Version von DayZ Standalone sind weder Housing noch persistente Fahrzeuge im Spiel. Stattdessen gibt es die Möglichkeit, Spieler zu fesseln, ihnen verdorbenes Essen einzuflößen und eben Selbstmorde und Kannibalen. Da läuft was falsch bei euch, Bohemia Interactive.

DayZ - Screenshots der Standalone-Version ansehen


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