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Spielen als Therapie - So funktionieren Health Games

Spiele sind mehr als nur Unterhaltung und haben vielfältige Einsatzgebiete. Zum Beispiel als Health Games. Wir erklären, was sich dahinter verbirgt und ob auch klassische Spiele eine Therapie sein können.

von Elena Schulz,
03.05.2017 18:18 Uhr

Health Games und Spiele als Medizin: Wir erklären, wie das funktioniert.Health Games und Spiele als Medizin: Wir erklären, wie das funktioniert.

Dungeons and Dragons als Verhaltenstherapie, Tetris als erste Hilfe nach einem traumatischen Erlebnis und eine Spielesammlung, die Demenzkranken helfen soll. Spiele und Gesundheit sind enger verknüpft als man denkt. Das Medium kann Therapie und Medizin zugleich sein. Das fasziniert uns so sehr, dass wir den sogenannten »Health Games« einmal auf den Grund gegangen sind.

Was sind Health Games?

Health Games sind eine Teilsparte der Serious Games, also ernsthafte Spiele, die einen bestimmten Effekt beim Spieler auslösen sollen und nicht primär zur Unterhaltung konzipiert wurden - beispielsweise eine Operations-Simulation für einen Chirurgen. Health Games werden wiederum dazu eingesetzt, eine bestimmte Therapie, Medizin oder einen Heilungsprozess zu unterstützen. Sie sind kein Heilmittel, aber haben erwiesenermaßen eine unterstützende Wirkung für den Patienten.

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Wo werden sie angewendet?

Bekannte Beispiele sind zum Beispiel die Spielreihe Re-Mission oder das VR-Spiel SnowWorld. Re-Mission soll Krebspatienten motivieren und ihnen eine positive Botschaft vermitteln: Im Spiel schießt man auf quallenartige Tumorwesen. Übersetzt soll das heißen: Du kannst deinen Krebs besiegen.

SnowWorld lässt den Spieler eine virtuelle Schneeballschlacht in einer Eislandschaft erleben. Diese frostige Erfahrung soll tatsächlich den Schmerz bei Verbrennungsopfern lindern. Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist wie bei der Memore-Box gezieltes Training, um die eigene Motorik mithilfe von Spielen zu verbessern.

Sogenannte »Exergames« (aus dem Englischen: Exercise = Übung) werden hier dazu eingesetzt, Stand- und Gangsicherheit der demenzkranken Senioren zu verbessern, indem sie durch Verlagerung ihres Körpergewichts zum Beispiel ein Motorrad steuern. Eine weitere Möglichkeit ist die Traumatherapie. Hier kommen unter anderem speziell entwickelte VR-Spiele für Soldaten zum Einsatz, die posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) bekämpfen sollen.

Spiele können aber auch bei der direkten Behandlung von physischen Krankheiten helfen. Ubisoft arbeitet gemeinsam mit mit dem Medizin-Unternehmen Amblyotech und Forschern der McGill-Universität an einem therapeutischen Videospiel gegen die Augenkrankheit Amblyopie.

Was bewirken Health Games?

Health Games sollen in erster Linie sinnvolle Übungen mit Spielspaß verbinden und damit die Motivation bei einer Therapie steigern oder ein gewünschtes Verhalten hervorrufen: Eine Wirksamkeitsstudie der Stanford University bestätigte Re-Mission, dass Krebspatienten tatsächlich motivierter an ihre Chemotherapie herangehen und regelmäßiger ihre Medikamente einnehmen. Ähnlich verhält es sich mit dem Spiel Packy & Marlon, das sich an Diabetes-Typ-1 Patienten richtet. Die Krankheit ist nicht heilbar, das Spiel schult die Jugendlichen aber im Umgang damit und senkte die krankheitsbedingten Notaufnahmen um 77 Prozent.

In Re-Mission bekämpfen wir Krebszellen.In Re-Mission bekämpfen wir Krebszellen.

SnowWorld wiederum senkt laut einer weiteren Wirksamkeitsstudie nachweislich das subjektive Schmerzempfinden der Verbrennungsopfer - teilweise sogar um bis zu 50 Prozent. Das Spiel wird als Ablenkung beim schmerzhaften Verbandswechsel eingesetzt. Spiele wie die Memore-Box geben wiederum ihren Patienten die Sicherheit sich zu bewegen zurück, die sie im Alltag verloren haben, indem sie sie spielerisch Bewegungsübungen machen lassen.

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Psychologische Unterstützung für an Depressionen erkrankte liefert das Fantasierollenspiel SPARX. Hier lernen Betroffene gemeinsam über Aufgaben im Spiel positiver zu denken, ihren eigenen Wert zu schätzen und die eigenen Selbstheilungskräfte zu stärken. Natürlich ersetzt das Spiel keine Therapie, unterstützt sie aber effektiv: 44 Prozent der Patienten, die begleitend spielten, konnten laut einer Studie sogar vollständig geheilt werden. Bei den Nicht-Spielern waren es nur 26 Prozent. Die Ergebnisse dieser Studien fasst Linda Breitlauch in ihrem Paper zum Thema Computerspiele als Therapie zusammen.

Ein extremes Beispiel ist die VR-Erfahrung Bravemind, die von der US-Armee und der University of Southern California entwickelt wird. Als Konfrontationstherapie lässt die Soldaten potenziell traumatische Kriegsrlebnisse wie den Tod eines Kameraden in der virtuellen Spielwelt nacherleben und dort unter Anleitung zu verarbeiten. Das Projekt gilt als vielversprechend, allerdings befürchten Kritiker eine mögliche Verstärkung des Traumas durch das erneute Durchleben.


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