Virtuelle Gewalt - »Kein Beweis, dass Videospiel echte Gewalt auslöst.«

Wissenschaftlerin berichtet über Forschung zum Thema Gewalt in Videospielen.

von Daniel Raumer,
29.09.2009 15:27 Uhr

Dr. Cheryl Olsen, Forscherin am Center for Mental Health and Media der Harvard Medical School am Massachusetts General Hospital, spricht in einem Interview mit dem ORF-Magazin Futurezone über virtuelle Gewalt in PC- und Konsolenspiele. Im Verlauf des Gesprächs widerspricht Sie der Aussage manch ihrer Kollegen, die der Meinung sind, dass Spiele Auslöser realer Gewalt sind.

Zusammen mit ihrem Mann, dem Psychologen Lawrence Kutner, forscht Olsen zu den Wirkungen und Effekten von Gewalt in Computerspielen. Sie ist auch Autorin des Buches »Grand Theft Childhood?«, das sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt.

Cheryl OlsenCheryl Olsen

An ihren Forscherkollegen kritisiert Olsen, dass diese teilweise selber gar nicht zum Controller greifen und so wenig eigenes Wissen über PC- und Konsolenspiele haben. »Ich halte es für eine ethische Verpflichtung, dass ich, wenn ich Videospiele untersuche, sie entweder selbst spiele oder zumindest Leuten dabei zuschaue, wie sie spielen. (…) Und viele Forscher respektieren Kinder und Jugendliche ebenfalls nicht. «

Besonders brisantes Detail: Ihre Studie wurde von einem republikanischem US-Abgeordneten finanziert, der eigentlich nachweisen wollte, dass Spiele einen negativen Effekt auf tatsächliche Gewalt haben. Umso höher ist es Olsen anzurechnen, dass sie ihre Ergebnisse so darlegt, wie sie tatsächlich waren und eine Meinung in der Öffentlichkeit einnimmt, die dem Tenor der meisten anderen Medien widerspricht: »Es gibt keinen Beweis, dass ein Videospiel jemals echte Gewalt ausgelöst hat.«

Counter StrikeCounter Strike

Totzdem spricht sich Frau Olsen dafür aus, Jugendlichen nicht bedingungslos Zugang zu allen Gewaltspielen zu gewähren. Die letzte Entscheidungsbefugnis müsse immer noch bei den Eltern liegen. »Eltern sollten sich damit beschäftigen und sie nicht von vornherein ablehnen. Es ist heute nicht schwierig, im Internet nach Beschreibungen und Screenshots zu suchen und dann zu entscheiden, ob man seinem Kind den jeweiligen Inhalt zumuten möchte. Nur weil ein Videospiel ein Spiel ist, heißt es nicht, dass es auch unbedingt immer für Kinder passend ist.«


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