Spannend Scheitern?

Ouya – Hype oder Hoffnungsträger? : Nein, Ouya wird ganz sicher nicht die nächste Konsolen-Generation nach PlayStation 3 oder Xbox 360. Dazu ist die Hardware zu schwach und es fehlt die Unterstützung der großen Publisher. Und auch die Entwickler aus der Indie-Szene und dem Mobile-Bereich dürften dem Gerät zumindest zum Teil skeptisch gegenüber stehen – auch sie müssen »Miete« zahlen, und die Aussicht auf nahezu ungebremste Raubkopiererei stimmt nicht gerade optimistisch. Freuen dürften sich höchstens die ganz harten »uns ist Geld egal«-Indies sowie deren Fans.

Ich fürchte allerdings, dass diese Zielgruppe mit den rund 40.000 Kickstarter-Teilnehmern ziemlich deckungsgleich ist, User-Wachstum ist aus dieser Ecke kaum zu erwarten. Bleiben die Free-to-Play-Hersteller, die es trotz aller Versuche ja noch immer nicht geschafft haben, vom PC-Monitor auf den heimischen Fernseher zu wechseln. Sie wittern Morgenluft, brauchen aber ein vernünftiges Bezahlsystem für ihr Geschäftsmodell. Und genau da bin ich skeptisch. Weder das mehr als selbstbewusste Video (in dem erstaunlich oft und lange Holzprototypen des Joypads zu sehen sind), noch die vagen Ankündigungen der Macher wirken in Hinsicht auf ein sicheres und komfortables Bezahlmodell besonders vertrauensweckend.

Aber natürlich bin ich trotzdem bei der Kickstarter-Kampagne dabei, sogar unter den ersten 1.000 Unterstützern. Warum? Weil Ouya eine cooler Versuch ist, abseits des üblichen Industriegeflechts aus Hardware-Herstellern, digitalen Vertriebsplattformen und Groß-Publishern ein Gerät von Spielern für Spieler zu schaffen – das will ich unterstützen. Und wenn das ganze Projekt aus den oben genannten Gründen dann tatsächlich absäuft, kann keiner sagen, wir hätten es nicht wenigstens versucht!

Markus Schwerdtel
Redaktion GamePro

Ouya – Warum es fliegt, warum es scheitert

+ Preis: Mit 99 Dollar ist Ouya konkurrenzlos günstig, im Preis enthalten ist ein Joypad.

+ Grafik: Ouya benutzt einen Tegra-3-Chip von Nvidia mit vier Prozessorkernen, was die Grafik in etwa auf unteres Xbox-360-Niveau hebt – bei dem Preis nicht schlecht.

+ System: Die Konsole benutzt Android 4.0 als Betriebssystem. Damit dürften Umsetzungen von Smartphone- und Tablet-Apps ziemlich simpel sein.

+ Offenheit: Ouya versteht sich als Hackerkonsole. Das beginnt beim Verzicht auf einen harten Kopierschutz oder Region-Lock bin hin zu Standardschrauben am Gehäuse, damit sich die Hardware leichter modden lässt.

+ Entwicklerfreundlich: Die Ouya-Konsole ist zugleich ihr eigenes Entwicklersystem. Lizenzgebühren oder SDKs wie bei Nintendo, Sony oder Microsoft gibt es nicht. Die Einstiegshürde für Programmierer ist daher extrem niedrig. Das macht das Gerät interessant für Indie-Entwickler.

+Free to Play: Ouya-Entwickler sollen sich verstärkt auf Free to Play-Konzepte konzentrieren, wie man sie etwa aus Browser- und Mobile-Titeln kennt oder zumindest eine kostenlose Demo-Version ihres Spiels zur Verfügung stellen.

- Wichtige Spiele: Außer ein paar Absichtserklärungen (Canabalt) gibt es noch kaum konkrete Ankündigungen für die Konsole. Große Publisher wie EA oder Ubisoft dürften sich wegen des fehlenden Kopierschutzes von Ouya fern halten.

- Android-Flut: Die leichte Konvertierbarkeit von Smartphone-Spielen dürfte zu einer Flut schlecht gemachter Klonspiele führen, in der man Perlen erst mal finden muss.

- Joypad: Auch wenn die Macher für das Gamepad nur höchste Qualität versprechen, bleiben Zweifel. Was soll zum Beispiel das Touchpad in der Mitte? Den Touchscreen für konvertierte Handy-Titel ersetzen? Viel Glück beim Treffen von Onscreen-Buttons – Touchpad ist eben nicht gleich Touchscreen.

- Infrastruktur: Xbox Live und PSN haben viele Jahre Entwicklungszeit gebraucht, um auf dem heutigen Stand zu sein (den Nintendo noch immer nicht erreicht hat). Wie die Ouya-Macher etwas Ähnliches – mit Matchmaking, Bezahlsystem, Account-Verwaltung etc. – hinbekommen wollen, ist noch ihr Geheimnis.

- Verbreitung: Auch wenn die Kickstarter-Kampagne augenscheinlich ein Riesenerfolg ist, stehen zum Redaktionsschluss doch nicht mehr als rund 40.000 Menschen dahinter. Im Vergleich zu den millionenfachen Verkäufen anderer Konsolen ist das verschwindend wenig. Doch erst mit großer Verbreitung ist eine Plattform wirklich interessant für Entwickler.

- Raubkopien: So schön die Offenheit von Ouya auf den ersten Blick auch ist, sie wirft für Entwickler handfeste Probleme auf. Denn auch sie sind gezwungen, mit ihren Spielen Geld zu verdienen. Ohne eine sichere Möglichkeit Raubkopien und vor allem den Betrug mit In-App-Käufen einzudämmen, ist eine so offene Plattform also eher unattraktiv.