Update 16:50 Uhr: Die Aktionärsversammlung wurde offiziell abgeschlossen - und Vivendi hat keine Forderungen gestellt. Einen Sitz im Aufsichtsrat wird es also vorerst nicht geben. Ob das bedeutet, dass Vivendi schlicht mit der feindlichen Übernahme über Aktienkäufe fortfährt, müssen die nächsten Wochen zeigen.

Laut der Kollegin Cloé Woitier von Le Figaro zeigte sich Geschäftsführer Yves Guillemot beim Applaus zum Schluss der Veranstaltung sichtlich erleichtert:

Originalmeldung: Es klingt wie ein echter Wirtschaftskrimi: Ubisoft wehrt sich gegen mögliche feindliche Übernahme durch Vivendi; Guillemots wollen Übernahme mit weiteren Anteilskäufen verhindern; Mitarbeiter wehren sich gegen Vivendi-Übernahme - seit Wochen beherrscht die drohende Akquisition von Ubisoft durch den französischen Medienkonzern Vivendi die Schlagzeilen. Nun geht die Übernahmeschlacht in die finale Runde.

Auf der am heutigen Donnerstag, den 29. September 2016 stattfindenden Jahreshauptversammlung von Ubisoft wird der Übernahme-Showdown mit Vivendi erwartet. Erstmals treffen Ubisoft und Vivendi dort in aller Öffentlichkeit aufeinander - und werden voraussichtlich bei den Aktionären um Unterstützer für ihre jeweiligen Pläne werben.

Feindliche Übernahme geplant

Vivendi auf der einen Seite strebt hinter vorgehaltener Hand eine Mehrheitsbeteiligung am französischen Entwickler und Publisher an. 23 Prozent der Anteile besitzt der Konzern bereits - für einen weiteren Ausbau der eigenen Stimmrechte müssten andere Aktionäre und Investoren davon überzeugt werden, ihre Anteile zu verkaufen.

Offen geäußert haben die Vivendi-Verantwortlichen ihre Übernahmepläne bisher noch nicht. Ein solcher würde aber in die Strategie des Konzerns passen. Zuletzt kaufte man etwa den Mobile-Entwickler Gameloft auf. Pikant: Das Unternehmen befand sich ebenfalls im Besitzt der Guillemots und wurde von Michel Guillemot geführt - dem Bruder des Ubisoft-Chefs Yves Guillemot.

Ubisoft wehrt sich

Die Gründerfamilie Guillemot hält ihrerseits 19 Prozent der Anteile an Ubisoft. Drei Großinvestoren sagten den Guillemots im Vorfeld der Aktionärsversammlung bereits ihre Unterstützung zu. Das Bündnis kommt damit auf rund 40 Prozent der Stimmanteile.

Die Unabhängigkeit von Ubisoft sei entscheidend für den weiteren Erfolg des Unternehmens, ließ der Ubisoft-CEO Yves Guillemot zuletzt in einem Interview mit der englischsprachigen Webseite GameSpot wissen. Und machte damit gleichzeitig deutlich, dass man sich auf keinerlei Kompromisse einlassen werde.

Ganz im Gegenteil: Bereits mehrfach bezeichneten die Guillemots die Vivendi-Einmischung als unerwünscht und unternahmen von der Aufstockung der eigenen Anteile, über die Übernahme des Mobile-Games-Entwicklers Ketchapp bis hin zur Investorensuche in Kanada alles, um die drohende Übernahme abzuwenden.

Nur geringe Chancen - es sei denn, das Geld stimmt

Da die Aktionäre bislang die notwendige Unterstützung Vivendis vermissen lassen, sehen Branchen- und Wirtschaftsexperten derzeit nur wenig Chancen für eine feindliche Ubisoft-Übernahme. Bei einem ausreichend hohen Angebot könnte sich die Stimmung jedoch wenden.

Analysten von Exane BNP Paribas schätzen etwa, dass 45 Euro bis 50 Euro pro Aktie einige Aktionäre zum Verkauf bewegen könnten. Das würde einen Aufschlag von 32 bis 47 Prozent zum aktuellen Aktienkurs von Ubisoft bedeuten.

Als momentan größtem Anteilseigner an Ubisoft würde Vivendi übrigens auch ein Platz im Aufsichtsrat zustehen. Auch das möchten die Guillemots möglichst verhindern, würde es dem Mediekonglomerat doch mehr Einfluss bescheren. Und auch das dürfte im Rahmen der Aktionärsversammlung noch ein heikles Thema werden.

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