Starttermin: 2. August 2012 - Laufzeit: 100 Minuten - Format: 3D - FSK: ohne

Zum Thema » Filmkritiken auf GameStar.de Unser Kanal zu aktuellen Kinofilmen » Merida Spiel zum Film Animationsfilme boomen. Generationsübergreifend und kunterbunt finden sich Fans allen Alters. Ice Age 4 konnte am vergangenen Wochenende beispielsweise auch nach einigen Wochen in den Kinos noch 660 000 Besucher in die deutschen Kinos locken und war damit auf Platz 1. Auch Der Lorax konnte mit 120 000 Kinogängern immer noch den dritten Platz belegen. Aber nun kommt der wohl am sehnlichsten erwartete Animationsstreifen des Sommers: Merida: Legende der Highlands. Der Film trägt eine Widmung an Pixar-Gründer Steve Jobs und begibt sich, wie alle Produkte aus dem Hause Apple oder Pixar sogleich an die Front des technisch Möglichen.

Von Disney und Pixar wurde eine perfekt animierte Welt geschaffen, deren Figuren lebendig wirken und deren Detailgenauigkeit und schon das eine oder andere Mal zum Staunen anregt. Auch die Geschichte selber, rund um die Prinzessin, die aus der begrenzten Welt ihres Schlosses herausbrechen will und sich an ganz modernen und feministischen Wertvorstellungen orientiert, wird gerne als sehr fortschrittlich gepriesen. Dass unabhängige weibliche Charaktere im ›Kinderkino‹ eigentlich längst überfällig sind und nicht mehr als etwas äußert Besonderes erwähnt werden sollten, lassen wir mal außer Acht.

Die Story

Die rotschöpfige Prinzessin Merida (auf Deutsch gesprochen von Nora Tschirner) ist die älteste Tochter des Königs von Schottland. Vor allem aber ist sie ein äußerst freiheitsliebender Geist. Am liebsten reitet sie mir ihrem Kaltblüter durch die schottischen Highlands, erklimmt steile Felsen und schießt den einen oder anderen Pfeil haargenau ins Ziel. Sogar riesigen Bären sieht sie eiskalt ins Gesicht. Dann soll sie aber ganz traditionsreich verheiratet werden. Und zwar an den besten jungen Bogenschützen des Landes.

Dass diese ihr allesamt nicht das Wasser reichen können, ist noch nicht das Schlimmste an der Sache. Denn Merida hat ihre eigenen Prinzipien, möchte selbst bestimmen und unabhängig sein. Und eine Hochzeit hat das junge Mädchen ganz und gar nicht auf dem Plan. Damit treibt die Prinzessin ihre traditionstreue Mutter regelrecht zur Weißglut. Und als nichts mehr zu helfen scheint, greift Merida zu waghalsigen Mitteln.

Merida
Selbst König Fergus schießt kaum so gut wie Tochter Merida.

Das ist allerdings eine folgenschwere Entscheidung und plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Da wird dem Mädchen bewusst, dass sie die einzige ist, die die heikle Situation noch retten kann. Plötzlich muss sie gegen böse Mächte kämpfen und eine potentielle Heirat ist längst nicht mir ihre größte Sorge...

Disneys modernste Prinzessin?

Neben seiner wirklich hohen visuellen Qualitäten, wird für den Film Merida vor allem wegen der hochmodernen und charakterstarken Prinzessin geworben. Merida ist keine Schickimicki-Prinzessin. Hier wird durch die Wildnis geritten, mit Bären gekämpft und wenig Wert auf traditionell ›weibliches‹ Benehmen gelegt. Und dazu beherrscht das junge Mädchen die Kunst des Bogenschießens auch noch besser als sonst jemand im Land. Vor allem besser als die gleichaltrigen Jungs. In der heutigen Zeit wäre Merida ein Tomboy, ein Mädchen, das sich wie ein Junge benimmt und wenig typisch mädchenhaftes Verhalten an den Tag legt. Eine Figur, die dem Kino und dem Kinderfilm an sich nicht fremd ist. Da braucht man nur an George von den Fünf Freunden denken. Obwohl Disney seine Prinzessinnen in der Vergangenheit nicht gerade untergebuttert hat, war da doch immer ein konkreter Love Interest mit im Spiel. Das Leben von Rapunzel, Pocahontas, Arielle und Co. war stets immer erst mit dem Traumprinzen komplett.

Merida: Legende der Highlands : Selbst König Fergus schießt kaum so gut wie Tochter Merida. Selbst König Fergus schießt kaum so gut wie Tochter Merida. Bei Merida ist das anders. Sie ist Disneys erste Prinzessin, die sich rein gar nicht um Jungs schert. In den US-Medien kamen da sogar schon Diskussionen auf, ob Merida vielleicht lesbisch wäre. Diese Theorien sind etwas weit hergeholt und der Film liefert keinerlei Indikationen, die darauf hinweisen, dass Merida als neue Ikone der Homosexuellen gepriesen werden sollte.

Vielmehr ist es so, dass die Prinzessin unabhängig sein möchte. Die Liebe an sich lehnt sich nicht ab. Eine immer wiederkehrende Aussage ihrerseits ist es, ihr Schicksal selbst bestimmen zu wollen. Da lehnt sie sich dann auch mal gegen ihre Eltern auf, liefert sich Teenager-typische Wortgefechte mit der herrischen Mutter oder ruiniert ein ganzes Fest, das nur ihretwegen gegeben wird.