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Special: Presseschau: Amoklauf in Winnenden

Zitate, Stimmen, Forderungen

Während die Journalisten einen Tag nach dem Amoklauf eines 17jährigen Ex-Schülers versuchen ein Profil des Täters zu erstellen, fordern bereits einige Politiker und Experten das Verbot von gewalthaltigen Computerspielen. Wir haben die wichtigsten Stimmen aus der Presse zusammengetragen.

Von Daniel Feith |

Datum: 12.03.2009


Wer war Tim K.?

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Spiegel Online Spiegel Online Spiegel Online: »Auch Martin, ein ehemaliger Mitschüler, sucht nach Antworten: "Tim war nie aggressiv oder auffällig. Er war einfach normal wie wir alle auch. Ich hab gedacht, mich trifft der Schlag, als ich hörte, dass er das gewesen sein soll. Ich habe ihn jahrelang jeden Tag gesehen, jeden Tag! Wer denkt denn, dass in dem eine tickende Zeitbombe schlummert?"«

»Bei einer Hausdurchsuchung in Tims Elternhaus beschlagnahmten die Beamten mehrere Computer. Nach Angaben von Polizeisprecher Nikolaus Brenner wurden typische Ballerspiele gefunden. "Ob das auf ein Motiv hinweist, steht noch nicht fest", sagte Brenner.«

»Der ehemalige Klassenkamerad Stefan sagt: "So viel ich weiß, stimmt das mit den Waffen. Aber Tim hat nicht mehr am Computer gespielt oder vor dem Fernseher gesessen als ich und andere Freunde von mir."«

Stern.de: »Überhaupt war Tim kein gewalttätiger Typ. Er war nie aggressiv und hat meines Wissens nach auch keine Gewalt-Computerspiele gespielt. Über seine Hobbys weiß ich nichts. Sein Musikgeschmack war aber sehr ausgefallen: Im Musikunterricht kam mal raus, dass er sich für Klassik interessiert und Opern hört. Ich habe ihn seit unserem Abschluss vor einem Jahr nicht mehr gesehen. Es hat mich vollkommen überrascht, dass er so etwas getan hat, dass hätte ich von ihm nie erwartet."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Bild.de Bild.de Bild.de: »Tim verbrachte täglich Stunden vor dem Computer. Ein Rückzug gegenüber seiner Umwelt? Ein Freund: „Er liebte Ballerspiele wie ,Counterstrike‘, schaute auf dem Computer auch Horrorfilme. Es würde mich nicht wundern, wenn er vor der Tat die ganze Nacht am PC geballert hat, morgens von dem Amoklauf in den USA gehört hat – und dann loszog zur Schule.“ Polizeisprecher Klaus Hinderer bestätigte: „Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike auf dem Computer gefunden.“«

Bild.de: »Mario H., ein weiterer Klassenkamerad: „Er hat immer mit Geld um sich geworfen, um Freunde zu bekommen.“ Jedoch: „Er hat wenig Freunde gehabt.“ Was Tim gern spielte? Ballerspiele. Was er gern sah? Horrorfilme.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Abendzeitung Die Abendzeitung Abendzeitung: Tim habe Horror-Videos besessen, mit PC- und Onlinespielen aber nichts am Hut gehabt, heißt es.

Spiegel Online: Tatsächlich machen an diesem Tag viele Gerüchte die Runde. Die "Bild"-Zeitung zitiert einen "Kumpel", Tim K. habe 30 Softair-Waffen in seinem Zimmer an der Wand gehabt und beim Spielen gern damit auf andere gefeuert; die Beretta des Vaters habe es ihm außerdem angetan. Spekulationen über eine Trennung von einer Freundin werden zitiert und über den Amoklauf in der vorherigen Nacht in Alabama, der ihn zu der Tat gereizt haben könnte. Im Radio laufen Berichte, Tim K. habe in einem vom Vater ausgebauten Kellerzimmer mit Waffen gespielt. Auch Ballerspiele am Computer soll er geliebt haben.

Spiegel Online: K. sei interessiert an einem Mädchen aus der Nachbarschaft gewesen, habe aber keine Beziehung mit ihr gehabt. Auf dem Computer des Täters seien Pornobilder und Gewaltspiele sichergestellt worden, sagte der Sprecher.

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Zeit Online Die Zeit Online Die Zeit: »Andere Bekannte oder Nachbarn sprachen laut n-tv von einer großen Sammlung mit Horror- und Gewaltvideos. Die Polizei bestätigte das allerdings nicht. Man habe seinen PC beschlagnahmt und werde die Daten nun auswerten, außerdem seine Kleidung und seine Musiksammlung.«

Die Welt: »Auf den Computern des 17-jährigen Exschülers der Realschule wurde nach seinen Angaben ein Killerspiel, eine Variante der „Counterstrike“-Spiele, gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs für den Amoklauf zu sehen.«

Wie reagieren Politik und Experten?

Spiegel Online: »Bayerns früherer Ministerpräsident und langgedienter Innenminister Günther Beckstein (CSU) weist Kritik am aktuellen Waffenrecht zurück. Problem sei nicht der Gesetzestext, sondern die Tatsache, dass offenbar geltendes Recht, also die Sicherung des Waffenschranks, nicht eingehalten worden sei. In Zukunft solle man die Einhaltung der Vorschriften "verstärkt überprüfen".
Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: "Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt", so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: "Da sollten wir nachbohren."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Stern.de Stern.de Stern.de: »"Wir können uns um Außenseiter kümmern, um Jugendliche, die in Krisensituationen sind. Aber verhindern können wir Amokläufe nicht", sagte der Leiter des Kriminologischen Instituts in Hannover, Christian Pfeiffer, der "Wetzlarer Neuen Zeitung". Auch ein stärkerer Polizeischutz für Schulen bringe nichts. "Mehr Polizeipräsenz erhöht eher noch das Risiko von Amokläufen", sagte Pfeiffer. "Es könnte sein, dass die Schule für den Täter ein Ort der subjektiven Erniedrigung war."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Sueddeutsche.de Sueddeutsche.de Süddeutsche Zeitung: »"Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen“, sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen zur Nachrichtenagentur AP. Auf den Computern des 17-jährigen Ex-Schülers der Realschule wurde nach seinen Angaben ein Kampfspiel, eine Variante der "Counterstrike"-Spiele, gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs für den Amoklauf zu sehen. Zu bedenken bleibt aber, dass sich solche Spiele auf zahllosen Computern finden - ohne blutige Konsequenzen.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Neue Osnabrücker Zeitung Neue Osnabrücker Zeitung Neue Osnabrücker Zeitung: »Der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung Hans-Dieter Schwind hat nach dem Amoklauf von Winnenden ein totales Verbot von Computer-Gewaltspielen sowie eine weitere Verschärfung des Waffenrechts gefordert. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe) sagte der Professor für Kriminologie: „Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können.“«

Die Zeit: »Sicherlich werden auch Killerspiele wieder als Ursache genannt werden. Wie stehen Sie dazu?
Heitmeyer: Der Medienkonsum wird immer in dieses Konzert der Auslöser mit eingebunden. Meine These ist, dass Medien wie Computerspiele höchstens Verhaltensmuster und -strategien bereitstellen, aber nicht die Entscheidung zur Tat. Man verschätzt sich, wenn man meint, man könne solche Taten durch Verbote verhindern. Allerdings werden über Medien Gewaltfantasien angeregt. Gemixt mit Missachtungserfahrung und dem Wunsch, sich gewissermaßen eine unsterbliche Anerkennung zu schaffen, auch wenn es eine negative ist, können Medien eine Rolle bei solchen Taten spielen.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Welt Online Die Welt Online Die Welt: »Noch sei nicht klar, ob solche Spiele bei dem 17-jährigen Täter eine Rolle gespielt haben, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Es seien aber Killerspiele auf dem Markt, die „völlig unerträglich“ seien und gerade bei jungen Menschen Hemmschwellen herabsetzten. Es gebe Spiele, die den Spieler in die Rolle des Gewalttäters versetzten, um „andere Menschen hemmungslos abzuknallen“. „Solche Spiele haben meines Erachtens bei uns nichts verloren“, sagte der CSU-Politiker.«

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Avatar drake_x
drake_x
#1 | 12. Mrz 2009, 15:01
Der Pfeiffer hat die Gelegenheit mal wieder genutzt : http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content /1792390
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Avatar sempeR fi
sempeR fi
#2 | 12. Mrz 2009, 15:13
Nun, einige Aussagen kann man gut nachvollziehen - unter anderem auch die letzten beiden Artikel in "Die Zeit" und "Die Welt"... Medien können durchaus als Anregung dienen - aber nur wenn man ohnehin zu Gewalt neigt, leicht psychopatisch ist oder subjektive Erniedrigung im näheren sozialen Umfeld verspürt (Schule, Familie etc.) und sich keineswegs zu helfen weiß... nur traurig, daß sich solche Gedanken nie bei über 40jährigen Famielenvätern/-müttern macht, die ebenso Amok laufen und die ganze Familie aus einer Laune heraus "abschlachten" - und das passiert nicht selten in Deutschland...

Auch gehe ich damit konform, daß es tatsächlich Spiele gibt, die dem Spieler NICHTS außer der Lust an Gewalt und Erniedrigung präsentieren (z.B. P****L - was im Namen schon die Bedeutung Amoklauf in sich trägt)- das brauchen wir wirklich nicht - der Rest gehört in meinen Augen einfach ganz klipp und klar unter strengste Alterskontrollen etc.

Hab heute schon ne Diskussion hinter mir, in der ich ne Mitvierziger-Frau ganz gut davon überzeugen konnte, daß gewalthaltige PC-Spiele durchaus ein Ventil sein können, Anregung bieten - ähnlich wie viele Filme (man erinnere an Kinokracher wie Hostel oder Saw), die die Qualen anderer Menschen als Befriedigung für den Täter zelebrieren - Nie aber wird ein Film oder PC-Spiel solch unterbewußte Neigungen in einem Menschen hervorrufen - das geschieht schon in Früher Kindheit - Lust am Tiere quälen o.ä. ... - mehr als eine Idee schnappt man in den Medien schlußendlich nicht auf - wobei die Ideen manchmal recht grausam sein können - aber wer solche Neigungen hat, der findet auch von alleine einen Weg, seiner Lust/Frust freien Lauf zu lassen

Eigentlich schon sehr traurig, daß solche Taten die Spielebranche hier in Deutschland immer wieder zurückwerfen und wir immer wieder für unser Recht als normaler Computerspieler kämpfen müssen... Stattdessen gehören wir alle in die Schublade "potentieller Amokläufer"... weiß ni - aber vielleicht sollte man doch mal anfangen, die Ursachen zu erkennen und anzugehen (vorrangig soziale Ursachen), und NICHT die Auslöser - den einen Auslöser wird es IMMER geben (und wenns eben ne Stunde GTA zocken is oder ein Film oder das eigene Miterleben, wie ein Freund zusammengeschlagen wird), aber es wird immer der Auslöser da sein - verhindern kann man nur etwas, wenn man die Ursachen bekämpft...
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Early
#3 | 12. Mrz 2009, 15:29
Zitat von sempeR fi:
Auch gehe ich damit konform, daß es tatsächlich Spiele gibt, die dem Spieler NICHTS außer der Lust an Gewalt und Erniedrigung präsentieren (z.B. P****L - was im Namen schon die Bedeutung Amoklauf in sich trägt)- das brauchen wir wirklich nicht - der Rest gehört in meinen Augen einfach ganz klipp und klar unter strengste Alterskontrollen etc.


Was es "braucht" und "nicht braucht" sollte aber bitte noch jedem selbst überlassen werden. Da brauchen wir keine staatliche Vorbemundung. Ich zocke auch gerne Spiele wie Manhunt oder Dead Space und sehe eigentlich keinen Grund, warum das zB verboten werden sollte.

Mit solchen Amokläufen haben diese Spiele nämlich ganz gewiss nichts zu tun.

Viel problematischer sehe ich die Medienberichterstattung über diesen Vorfall. Alleine die halbe BILD-Zeitung ist voll davon. Da macht man es Nachahmungs-Tätern erst so richtig schmackhaft. Denn in so gut wie alle Fällen sind das Menschen, die einfach nur groß rauskommen wollen - und sei es mit so einer abscheulichen Aktion.
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BonSchott
#4 | 12. Mrz 2009, 15:35
Lest Euch mal das Interview in der FAZ durch, das ist interessant:

[url]http://tinyurl.com/bedod7[/url]
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MannidonnaXT
#5 | 12. Mrz 2009, 15:36
Der kann mir gestohlen bleiben
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Ciocco
#6 | 12. Mrz 2009, 15:37
Ich muss sagen beim ZDF sind die recht gut bis jetzt mit dem Thema Killerspiele in Bezug auf die Tragödie umgegangen. Sie haben sehr neutral berichtet: Zwar wurde zb Counterstrike genannt und auch das es einen Einfluss auf den Täter gehabt haben könnte aber auch einige Experten zu Wort kommen lassen die das entkräftet haben.
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ElChupacabra
#7 | 12. Mrz 2009, 15:37
Die "Bild.de"-Artikel zeigen mal wieder genau das, was ich erwartet habe. Ich würde mal gerne bei so einer Interviewsituation dabei sein.
Da werden die Interviewpartner mit Sicherheit gezielt zu Aussagen wie "Es würde mich nicht wundern, wenn er vor der Tat die ganze Nacht am PC geballert hat, morgens von dem Amoklauf in den USA gehört hat – und dann loszog zur Schule.“ hingeleitet. Hauptsache am Ende kommt eine Aussage raus, die dann wieder als Kampfkeule benutzt werden kann.

Die Süddeutsche Zeitung machts auch nicht viel besser.
Aussagen wie - eine Variante der "Counterstrike"-Spiele - zeigen wieder, wie wenig Hintergrundwissen bei den Redakteuren vorhanden ist.
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Avatar MannidonnaXT
MannidonnaXT
#8 | 12. Mrz 2009, 15:37
Zitat von drake_x:
Der Pfeiffer hat die Gelegenheit mal wieder genutzt : [url]http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/co ntent/1792390[/url]

Der gehört eingesperrt!
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GuitarHero
#9 | 12. Mrz 2009, 15:40
gott ich liebe die bild! das ist doch journalismus vom feinsten... ;) ja ein freund sagte er habe nur das gespielt 24/7 er hat für nichts anderes mehr gelebt ausser counterstrike zu spielen und seinen amoklauf dadurch zu planen.. dass er de-dust 50 mal gespielt hat...

aber im endeffekt ist die frage nach dem konsum welcher computerspiele mittlerweile die erste die journalisten stellen, bei "freunden" und sonstigen angehörigen aller amokläufer... bin jetzt 23 jahre alt, und habe damals Doom, und noch so nen anderen shooter von der selben firma (die festung des hundesteins ;) gespielt mein gott wie alt war ich da... 6 oder so... und bin ich heute gewalttätig... ich habe wirklich schon jeden einzelnen FPShooter gesehen den es nur gibt oder gab... und ja manchmal sind schon ein paar kranke sachen dabei. man sollte viel mehr nach dem auslöser in der sozialen umgebung des jungen suchen... da lob ich die SZ... zwar sagen die auch das er CS gespielt hat, aber betonen auch dass es auch auf vielen anderen PC's installiert ist ohne das wir alle Amok Laufen...
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GuitarHero
#10 | 12. Mrz 2009, 15:43
Zitat von ElChupacabra:

Die Süddeutsche Zeitung machts auch nicht viel besser.
Aussagen wie - eine Variante der "Counterstrike"-Spiele - zeigen wieder, wie wenig Hintergrundwissen bei den Redakteuren vorhanden ist.


das muss gar nichts heissen... bedenke mal das Alter der Leser der SZ...
und diese leute würden vermutlich nicht mal wissen was UT oder Quake 4 oder HL2
sind, deswegen versucht man das ja zu verallgemeinern.... damit das auch jeder versteht, CS ist sozusagen ein Synonym für alle FPS...
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