Wer war Tim K.?

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Spiegel Online Spiegel Online Spiegel Online: »Auch Martin, ein ehemaliger Mitschüler, sucht nach Antworten: "Tim war nie aggressiv oder auffällig. Er war einfach normal wie wir alle auch. Ich hab gedacht, mich trifft der Schlag, als ich hörte, dass er das gewesen sein soll. Ich habe ihn jahrelang jeden Tag gesehen, jeden Tag! Wer denkt denn, dass in dem eine tickende Zeitbombe schlummert?"«

»Bei einer Hausdurchsuchung in Tims Elternhaus beschlagnahmten die Beamten mehrere Computer. Nach Angaben von Polizeisprecher Nikolaus Brenner wurden typische Ballerspiele gefunden. "Ob das auf ein Motiv hinweist, steht noch nicht fest", sagte Brenner.«

»Der ehemalige Klassenkamerad Stefan sagt: "So viel ich weiß, stimmt das mit den Waffen. Aber Tim hat nicht mehr am Computer gespielt oder vor dem Fernseher gesessen als ich und andere Freunde von mir."«

Stern.de: »Überhaupt war Tim kein gewalttätiger Typ. Er war nie aggressiv und hat meines Wissens nach auch keine Gewalt-Computerspiele gespielt. Über seine Hobbys weiß ich nichts. Sein Musikgeschmack war aber sehr ausgefallen: Im Musikunterricht kam mal raus, dass er sich für Klassik interessiert und Opern hört. Ich habe ihn seit unserem Abschluss vor einem Jahr nicht mehr gesehen. Es hat mich vollkommen überrascht, dass er so etwas getan hat, dass hätte ich von ihm nie erwartet."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Bild.de Bild.de Bild.de: »Tim verbrachte täglich Stunden vor dem Computer. Ein Rückzug gegenüber seiner Umwelt? Ein Freund: „Er liebte Ballerspiele wie ,Counterstrike‘, schaute auf dem Computer auch Horrorfilme. Es würde mich nicht wundern, wenn er vor der Tat die ganze Nacht am PC geballert hat, morgens von dem Amoklauf in den USA gehört hat – und dann loszog zur Schule.“ Polizeisprecher Klaus Hinderer bestätigte: „Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike auf dem Computer gefunden.“«

Bild.de: »Mario H., ein weiterer Klassenkamerad: „Er hat immer mit Geld um sich geworfen, um Freunde zu bekommen.“ Jedoch: „Er hat wenig Freunde gehabt.“ Was Tim gern spielte? Ballerspiele. Was er gern sah? Horrorfilme.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Abendzeitung Die Abendzeitung Abendzeitung: Tim habe Horror-Videos besessen, mit PC- und Onlinespielen aber nichts am Hut gehabt, heißt es.

Spiegel Online: Tatsächlich machen an diesem Tag viele Gerüchte die Runde. Die "Bild"-Zeitung zitiert einen "Kumpel", Tim K. habe 30 Softair-Waffen in seinem Zimmer an der Wand gehabt und beim Spielen gern damit auf andere gefeuert; die Beretta des Vaters habe es ihm außerdem angetan. Spekulationen über eine Trennung von einer Freundin werden zitiert und über den Amoklauf in der vorherigen Nacht in Alabama, der ihn zu der Tat gereizt haben könnte. Im Radio laufen Berichte, Tim K. habe in einem vom Vater ausgebauten Kellerzimmer mit Waffen gespielt. Auch Ballerspiele am Computer soll er geliebt haben.

Spiegel Online: K. sei interessiert an einem Mädchen aus der Nachbarschaft gewesen, habe aber keine Beziehung mit ihr gehabt. Auf dem Computer des Täters seien Pornobilder und Gewaltspiele sichergestellt worden, sagte der Sprecher.

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Zeit Online Die Zeit Online Die Zeit: »Andere Bekannte oder Nachbarn sprachen laut n-tv von einer großen Sammlung mit Horror- und Gewaltvideos. Die Polizei bestätigte das allerdings nicht. Man habe seinen PC beschlagnahmt und werde die Daten nun auswerten, außerdem seine Kleidung und seine Musiksammlung.«

Die Welt: »Auf den Computern des 17-jährigen Exschülers der Realschule wurde nach seinen Angaben ein Killerspiel, eine Variante der „Counterstrike“-Spiele, gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs für den Amoklauf zu sehen.«

Wie reagieren Politik und Experten?

Spiegel Online: »Bayerns früherer Ministerpräsident und langgedienter Innenminister Günther Beckstein (CSU) weist Kritik am aktuellen Waffenrecht zurück. Problem sei nicht der Gesetzestext, sondern die Tatsache, dass offenbar geltendes Recht, also die Sicherung des Waffenschranks, nicht eingehalten worden sei. In Zukunft solle man die Einhaltung der Vorschriften "verstärkt überprüfen".
Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: "Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt", so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: "Da sollten wir nachbohren."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Stern.de Stern.de Stern.de: »"Wir können uns um Außenseiter kümmern, um Jugendliche, die in Krisensituationen sind. Aber verhindern können wir Amokläufe nicht", sagte der Leiter des Kriminologischen Instituts in Hannover, Christian Pfeiffer, der "Wetzlarer Neuen Zeitung". Auch ein stärkerer Polizeischutz für Schulen bringe nichts. "Mehr Polizeipräsenz erhöht eher noch das Risiko von Amokläufen", sagte Pfeiffer. "Es könnte sein, dass die Schule für den Täter ein Ort der subjektiven Erniedrigung war."«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Sueddeutsche.de Sueddeutsche.de Süddeutsche Zeitung: »"Das Motiv hängt mit dem Internet zusammen“, sagte Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen zur Nachrichtenagentur AP. Auf den Computern des 17-jährigen Ex-Schülers der Realschule wurde nach seinen Angaben ein Kampfspiel, eine Variante der "Counterstrike"-Spiele, gefunden. Darin sei ein Teil des Motivs für den Amoklauf zu sehen. Zu bedenken bleibt aber, dass sich solche Spiele auf zahllosen Computern finden - ohne blutige Konsequenzen.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Neue Osnabrücker Zeitung Neue Osnabrücker Zeitung Neue Osnabrücker Zeitung: »Der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung Hans-Dieter Schwind hat nach dem Amoklauf von Winnenden ein totales Verbot von Computer-Gewaltspielen sowie eine weitere Verschärfung des Waffenrechts gefordert. In einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Donnerstagausgabe) sagte der Professor für Kriminologie: „Dass der 17-Jährige auf der Flucht noch weiter um sich geschossen hat, ist ein Verhalten, das Jugendliche auch in Spielen wie Counter Strike oder Crysis lernen können.“«

Die Zeit: »Sicherlich werden auch Killerspiele wieder als Ursache genannt werden. Wie stehen Sie dazu?
Heitmeyer: Der Medienkonsum wird immer in dieses Konzert der Auslöser mit eingebunden. Meine These ist, dass Medien wie Computerspiele höchstens Verhaltensmuster und -strategien bereitstellen, aber nicht die Entscheidung zur Tat. Man verschätzt sich, wenn man meint, man könne solche Taten durch Verbote verhindern. Allerdings werden über Medien Gewaltfantasien angeregt. Gemixt mit Missachtungserfahrung und dem Wunsch, sich gewissermaßen eine unsterbliche Anerkennung zu schaffen, auch wenn es eine negative ist, können Medien eine Rolle bei solchen Taten spielen.«

Presseschau: Amoklauf in Winnenden : Die Welt Online Die Welt Online Die Welt: »Noch sei nicht klar, ob solche Spiele bei dem 17-jährigen Täter eine Rolle gespielt haben, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Es seien aber Killerspiele auf dem Markt, die „völlig unerträglich“ seien und gerade bei jungen Menschen Hemmschwellen herabsetzten. Es gebe Spiele, die den Spieler in die Rolle des Gewalttäters versetzten, um „andere Menschen hemmungslos abzuknallen“. „Solche Spiele haben meines Erachtens bei uns nichts verloren“, sagte der CSU-Politiker.«