Michael Grafs Jubiläumsrückblick : In jungen Jahren sah ich noch vergleichsweise jung aus. In jungen Jahren sah ich noch vergleichsweise jung aus. Zum Thema » 15 Jahre GameStar Tops, Flops und Highlights Ich weiß noch, wie ich meinen Eltern eine PC Player unter die Nasen hielt und erklärte: »Da will ich mal arbeiten.« Die Antwort: freundliches Gelächter, das mir damals ziemlich auf den Keks ging. Inzwischen kann ich‘s den Ollen nachsehen, mein Wunsch war – nun ja, abgehoben. Statt auf ein Spielemagazin hätte ich auch gleich auf den Mond deuten können. Der wäre damals – zumindest gefühlt – auch nicht weiter weg gewesen.

Ich weiß noch, wie ich später als Leser von der PC Player (Die ich bis heute sehr schätze!) zur GameStar wechselte, wie ich Martin Deppes herrlich trashige Flugvespa begrinste und Jörg Langers »Oh Gott, wir werden alle sterben!« lauschte, wie mich GameStar-Tests zu wundervollen Spielen führten, zu Dark Project, zu Baldur‘s Gate und natürlich zum unvergleichlichen Homeworld.

Ich weiß noch, wie ich in der Ausgabe 08/2003 (Seite 67) auf eine Stellenanzeige stieß und mich, wo ich sowieso gerade »irgendwas mit Medien« machen wollte, einfach bewarb. Nach dem Vorstellungsgespräch hatte ich das Gefühl, noch nie so viel Unsinn verzapft zu haben. Ein Woche später war ich Trainee, heute bin ich stellvertretender Chefredakteur. Ich hab‘s nicht nur auf den verdammten Mond geschafft, ich darf den Leuten dort auch noch sagen, was sie tun sollen! Meine Fresse.

Meine inzwischen neun Jahre bei GameStar haben mir so viele Erinnerungen beschert, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Vielleicht bei meiner allerersten Redaktions-Party, die Heiko geben musste, weil er eine Videokamera in einer Münchner U-Bahn hatte liegen lassen? Oder bei meinem Besuch in der Villa des Ultima-Vaters Richard Garriott, der mir stolz seine ägyptische Falkenmumie, seinen ausgestopften Gorilla und diverse ... Dinge in Gläsern präsentierte?

Vielleicht bei meinem ersten Test ( Space Colony , GS 11/2003, 80 Punkte)? Bei meiner ersten kleinen Rolle in »Raumschiff GameStar« – mit Erkältung in einer frischluftdichten Spiderman-Maske, für die ich Toni Schwaiger bis heute freundschaftlich verfluche? Bei meinem ersten Auftritt als Industrievertreter in Daniel Matschijewskys roter Lederjacke? Oder beim kollektiven Entsetzen, als die Redaktion vom Amoklauf in Emsdetten erfuhr – nur um danach entschlossen der Spieleverbots-Hetze entgegenzutreten?

Michael Grafs Jubiläumsrückblick : Das aktuelle Bild entspricht meinem jetzigen Alter. Das aktuelle Bild entspricht meinem jetzigen Alter. All das sind wertvolle Erinnerungen. Am meisten liegt mir aber am Herzen, dass ich bei GameStar immer das große Glück hatte und bis heute habe, mit großartigen Kollegen zu arbeiten, die mit Herzblut bei der Sache sind. Niemand hier hat Journalismus studiert, nur die wenigsten haben überhaupt eine Ausbildung abgeschlossen. Wir sind im Grunde ein Laienhaufen, dem es dank jahrelanger Erfahrung, dank hilfreicher Fortbildungen, vor allem aber dank großem Engagement gelingt, ein professionelles Magazin zu gestalten, sowohl in Heft- als auch in Online-Form.

Logisch, GameStar ist nicht perfekt und hinter den Kulissen manchmal ziemlich chaotisch (»Du hast welches Spiel ausgeliehen und daheim vergessen?!«). Trotzdem – oder gerade deshalb – bin ich ungeheuer stolz auf unseren Mond. GameStar zu verlassen, das hieße ja zurückkehren auf die langweilige, alte Erde. Da bleibe ich lieber noch ein Weilchen.