Allods Online im Test
Himmelssturm im Spielerschiff
Bereits im Betatest war das Free2Play-Online-Rollenspiel um Klassen besser als viele »fertige« Konkurrenten. Nun ist Allods Online endlich gestartet.
Von
Martin Deppe
|
Datum:
23.05.2011
Zum Thema
» Test-Video zu Allods Online
Kommentierte Spielszenen
Bevor wir nun lang und breit erklären, was das Free2Play-Abenteuers
Allods Online
anders macht als andere Online-Rollenspiele, erzählen wir lieber eine kleine Geschichte.
Treffen sich also zwei Online-Helden auf einer Flugreise. Der erste zeigt auf seine Flatterechse und protzt mit amerikanischen Akzent: »Look, mein Brutaler Netherdrache. Habe ich in
World of Warcraft
gefarmt!« Sein asiatischer Kollege winkt ab: »Das ist doch gar nix. Mein Flugtier kann sogar zwei Helden befördern!
Runes of Magic
ist viel cooler!« Plötzlich schiebt sich ein Schatten über die beiden Streithähne.
Erstaunt schauen sie nach oben – und klatschen samt ihren Reittieren an einen gewaltigen Schiffsbug. »Aus dem Weg, Towarischtschi!« tönt es von oben, während die beiden benommen vom Rumpf gleiten.
Die Spielerschiffe: Lange bauen, gemeinsam fliegen
Was das war? Ein Spielerschiff aus Allods Online, dem Free2Play-Online-Rollenspiel made in Russia – with Love. Wo herkömmliche Internet-Abenteuer immer neue Varianten von Flugpferden auspacken, dürfen Allods-Helden mit Stufe 35 ein komplettes Luftschiff bauen.
Spielerschiff
Ein Astraldämon greift unser Schiff an, wir müssen uns mit unseren Kanonen wehren.
Kanonen
Die Geschütze auf dem Oberdeck lassen sich um rund 90 Grad schwenken, außerdem nach oben und unten ausrichten.
Unterdeck
Hier stehen ebenfalls Kanonen, die wegen der schmalen Luken aber einen kleineren Feuerbereich haben. Im Hintergrund sehen Sie die durchschlagkräftige, starr montierte Artillerie.
Visier
Zeigt die nähere Umgebung Ihres Schiffes und die Position zu Gegnern und Allods. Navigator und Steuermann müssen eng zusammenarbeiten.
Steuerung
Der Antrieb bietet drei Geschwindigkeiten plus Sektorsprung, das Steuerrad zwei Wendegeschwindigkeiten, die Turbine dient zum Auf- und Absteigen.
Schilde
Die Energiehüllen schützen Steuer- und Backbord, Bug und Heck. Alle lassen sich separat herunterfahren, was Energie spart.
Reaktor
Wenn Sie zu viel Energie verbraten, geht vorübergehend der Saft aus. Der Stromkern lässt sich manuell herunterfahren.
Astralscanner
Zeigt die weitere Umgebung und angrenzende Sektoren. Hier scannen Sie nach Allod-Inseln und Wurmlöchern und geben die grobe Route vor.
Der Pott sieht aus wie ein Segelkahn im Jules-Verne-Look, fliegt aber durch den sogenannten Astralraum: Ein wabernder Kosmos, in dem Dämonen herumfliegen sowie die »Allods« – Insel-Bruchstücke einer Fantasy-Welt, mal so groß wie eine Handvoll Fußballfelder, mal mehrere Quadratkilometer umfassend. Zwischen bestimmten Allods gibt’s Portal- und Fährverbindungen, andere Trümmer erreichen Sie ausschließlich per Spielerschiff.
Tolle Atmosphäre: Die imperialen Gebäude erinnern an sozialistische Architektur, dazu kommt eine dicke Prise Steampunk.
Doch bis Sie so ein Ding selber gebaut haben, vergehen Monate. Zum einen ist Level 35 viel langsamer erreicht als bei der Konkurrenz, zum anderen braucht das Schiff dermaßen viele Ressourcen, dass Sie bis zu 100 Tage Bauzeit einplanen müssen – etwas schneller geht’s, wenn Sie fleißig tägliche Quests abarbeiten.
Spätestens wenn der Kahn fertig ist, sollten Sie sich zudem Freunde zulegen. Denn Antrieb, Steuer, Geschütze, Nahkampf-Visier und andere Stationen sind quer übers Schiff verteilt, nur eine gut eingespielte Crew aus bis zu sechs Spielern kann gegen die Astraldämonen bestehen. Oder gegen andere Spielerschiffe, es gibt nämlich auch PvP-Gefechte zwischen zwei verfeindeten Fraktionen.
Eingefleischte Solisten bleiben in Allods Online augrund des Teamwork-Zwangs also eher auf dem Boden. Falls Sie jedoch einer Gilde beitreten, nimmt Sie bestimmt jemand mit auf seinen Himmelskahn. Das lohnt sich nämlich, weil neben dem Kapitän auch die Matrosen in bessere Ausrüstung investieren können, etwa in durchschlagskräftigere Kanonen.
Rassen und Klassen: Psioniker im Dreierpack
Und was passiert zwischen Level 1 und 35? Sehr viel. Aber auch sehr viel Konventionelles. Denn Allods Online spielt sich vor allem zu Beginn wie einer der vielzitierten World of Warcraft-Klon, was unter anderem an der comichaften Optik und am Interface liegt.
Der Klon-Vergleich ist aber kein Vorwurf, ganz im Gegenteil. Denn Allods schüttelt das Klischee der billig produzierten Gratis-Rollenspiele ab. So wählen Sie anfangs aus immerhin sechs Völkern, das ungewöhnlichste davon sind die Gibberlinge, die stets zu dritt unterwegs sind.
Unsere Späherin nebelt sich ein, um weniger Treffer abzukriegen. Es gibt recht wenige Fertigkeiten, aber tolle Effekte.
Außerdem entscheiden Sie sich für eine von acht Klassen, von Kriegern über Heiler bis zu Psionikern. Danach werden Sie nicht nur gut ins Spiel eingeführt (für die beiden Fraktionen Liga und Imperium gibt’s jeweils eine eigene Tutorial-Instanz), sondern auch schwungvoll auf Trab gehalten. Blöd nur, dass Allods Online seine Handlung vorrangig in schnöden Textfenstern erzählt.