Anno 1404 : Christopher Schmitz Christopher Schmitz GameStar: Anno 1404 wird von Related Designs entwickelt, aber von Blue Byte produziert. Warum diese Zusammenarbeit?
Christopher Schmitz: Die Marke Anno gehört Ubisoft, und Blue Byte ist der deutsche Entwicklungsarm von Ubisoft. Alle deutschen, österreichischen und schweizer Spiele laufen über Blue Byte. Das Spiel wird bei Related Designs gebaut. Beim Design sprechen Blue Byte und Ubisoft Frankreich mit.

GameStar:Warum trägt das Spiel die Jahreszahl 1404?
Christopher Schmitz: Weil die Quersumme 9 ist, wie bei allen Anno-Spielen.

GameStar: Lass es uns anders formulieren: Warum habt ihr euch für diese Epoche entschieden?
Christopher Schmitz: Wegen unserem Thema: Begegnung der Kulturen, der Orient trifft den Okzident. Wenn wir nach 1701 ein Jahrhundert weiter gegangen wäre, hätte das schlecht funktioniert, denn im 19. Jahrhundert kannten sich die Völker der Welt schon untereinander. Außerdem kommen wir da in die Ära der Dampfschiffe, und das passt nicht zur Anno-Serie. Also sind wir in der Zeit zurückgegangen ins 15. Jahrhundert, die Zeit, als man in Europa begonnen hat, um die Welt zu segeln.

GameStar: Wie viele Kulturen begegnen sich denn in Anno 1404?
Christopher Schmitz: Zwei, der Orient und der Okzident. Es stand auch im Raum, fünf oder sechs Kulturen einzubauen. Aber zum einen wäre das bei dem grafischen Detailreichtum, den wir in Anno haben, extrem aufwändig, zum anderen hat es keinen echten Mehrwert. Also machen wir nur zwei Kulturen, aber die richtig.

GameStar: Wie unterscheiden sich die?
Christopher Schmitz: Der Orient sieht völlig anders aus, die Gebäude haben weichere Formen und warme Farben, statt einem Marktplatz gibt es einen Bazar, und so weiter. Das Spielprinzip ist das gleiche, aber die Produktionsstätten unterscheiden sich. Der Orient hat zum Beispiel Mandelhaine oder Ziegenfarmen. Diese Waren benötigt der Okzident, um die höchste Entwicklungsstufe zu erreichen und eine Metropole zu errichten. Die Adligen fordern Luxusgüter, und die gibt’s nur aus dem Orient -- entweder durch Handel oder über eigene Produktionsstätten, deren Nutzung man aber erst erlernen muss.

GameStar: Wie funktioniert das?
Christopher Schmitz: Wenn du mit dem Orient handelst oder Aufgaben erfüllst, sammelst du Ruhmpunkte, durch die du wiederum nach und nach neue Technologien erwirbst.

GameStar: Funktioniert das auch umgekehrt -- kann ich den Orient spielen und vom Okzident lernen?
Christopher Schmitz: Nein. Man spielt immer das Abendland.

GameStar: Ihr wollte das Militärsystem strategischer machen. Wie?
Christopher Schmitz: Das wissen wir selbst noch nicht. Im Moment experimentieren wir mit mehreren Prototypen. Aber wir wollen auf jeden Fall weg von Echtzeit-Strategie-Modell von Anno 1701, in dem man einzelne Einheitengruppen steuert.

GameStar: Was ist noch neu?
Christopher Schmitz: Der Hauptkritikpunkt an Anno 1701 war, dass das Spiel gegen Ende hin zu flach wurde. Anno 1503 war zu schwer, Anno 1701 zu leicht, da hatten viele Spieler zum Schluss schier endlos Geld und Rohstoffe und haben aus Langweile ihre eigene Siedlung abgerissen und wieder aufgebaut. In Anno 1404 wird es wesentlich mehr Herausforderungen geben. Wir erschaffen spezielle Bedürfnisse und erweiterte Aufgaben für das Endspiel. Außerdem bauen wir Elemente für den Wettbewerb zwischen Spielern ein.

GameStar: Welche Art von Elementen?
Christopher Schmitz: Die Fans der Anno-Serie haben schon immer Screenshots ihrer Städte ausgetauscht. Wer eine tolle Siedlung baut, will auch ein wenig damit angeben. Wir institutionalisieren das. Anno 1404 wird an Ubi.com angebunden, die Spieler können Screenshots hochladen. Da sind dann auch Gewinnspiele denkbar. Außerdem gibt es ein Achievement-System, das Buch führt über Dinge wie die Spielzeit oder die Zahl der besiedelten Inseln.

GameStar: Gibt’s einen Multiplayer-Part?
Christopher Schmitz: Sorry, dazu sagen wir noch nichts.