Es gibt ein Geräusch, das jeder Spieler von Atlas Reactor mehr fürchtet als alles andere auf der Welt, nämlich das dumpfe »Tick-Tock«, mit dem das rundenbasierte Multiplayerspiel von Trion Worlds die letzten fünf Sekunden jedes Spielzugs einleitet. Atlas Reactor ist vom Spielprinzip her ein Hero-Shooter wie Blizzards Overwatch, aber anstatt in Echtzeit herumzuballern, läuft hier alles rundenbasiert ab.

In nur 20 Sekunden müssen wir und unsere drei Mitspieler uns jeweils für eine Aktion entschließen. Wer bis zum Ende des Zeitlimits keine Entscheidung trifft, dessen Held bleibt halt stehen und muss tatenlos bis zur nächsten Runde warten - und bis dahin wahrscheinlich ordentlich Dresche kassieren!

Action trotz Rundenstrategie?

Durch das knallharte Zeitlimit ist Atlas Reactor kein Spiel, bei dem man entspannt und gemütlich bei einer Tasse Tee seine Züge plant. Vielmehr entwickelt der Titel ein überraschend hohes Tempo und verlangt von uns, dass wir in kurzer Zeit taktisch sinnvolle Entscheidungen treffen. Außerdem müssen wir stets den Aufbau einer Runde in Atlas Reactor im Kopf haben, die in vier Phasen unterteilt ist. Die laufen nacheinander ab, sobald wir zu Beginn der Runde innerhalb des 20-Sekunden-Zeitlimits unsere Aktion bestimmt haben.

Atlas Reactor : Eine Beispiel-Runde
Unsere Heldin Juno hat einen Skill, der beim Gegner Schaden verursacht, sobald er sich bewegt. Diese Fähigkeit ist also ziemlich nutzlos, wenn der Feind stehen bleiben sollte, denn dann wäre ein direkter Schuss mit unserer Plasma-Flinte die bessere Wahl. Da wir aber vermuten, dass der Feind fliehen wird, nutzen wir doch Junos Spezialfähigkeit.

Und siehe da, der Gegner geht stiften! Da seine Flucht in der »Dash Phase« vor einem regulären Angriff in der »Blast Phase« kommt, hätten wir ihn mit dem Flintenschuss nicht mehr erwischt. Aber da die Falle in der »Prep Phase« vor seiner Flucht gezündet wird, kassiert der fliehende Feind mächtig Schaden.

In der »Prep Phase« zünden wir Buffs oder legen Fallen aus, in der »Dash Phase« finden Flucht- und Ausweichmanöver statt, und in der »Blast Phase« wird regulär geballert und zugehauen. Ganz am Schluss begeben sich alle Charaktere noch in der »Movement Phase« an eine vorher definierte Position. Nach diesem Muster laufen insgesamt 20 Runden ab und wer bis dahin am meisten Abschüsse oder insgesamt fünf Kills erzielt hat, gewinnt. Andere Spielmodi gibt es derzeit blöderweise nicht.

Feinschliff rockt!

Das eben beschriebene Gameplay funktionierte schon in der Beta, aber ein paar Baustellen gab es dennoch. So bemängelten wir zum Beispiel, dass die Runden arg chaotisch abliefen, da wir nie wussten, was unsere Mitspieler machten und wohin sie sich bewegten. Dadurch konnten wir unsere stärksten taktischen Skills selten optimal einsetzen.

Atlas Reactor
Rumms! Durch die bunten und spektakulären Effekte können wir die Action im Spiel stets eindrucksvoll erleben.

In der Release-Fassung von Atlas Reactor sehen wir stets über eingeblendete Symbole sowohl die gewählte Aktion unserer Verbündeten als auch deren Bewegungs- oder Angriffsvektoren. Wer hier gut aufpasst, kann auch ohne aktive Kommunikation viele Infos über unsere Gruppe erkennen und eine improvisierte Taktik anwenden. Sofern wir also schnell und dynamisch denken, kommen wir auch ohne ausgeklügelten Plan zu erstaunlichen Teamplay-Erfolgen.

Noch besser wird das alles freilich, wenn wir mit unseren Teammitgliedern direkt kommunizieren. Dazu konnten wir damals umständlich den Chat oder ein externes Voice-Chat-Tool wie Teamspeak oder Discord nutzen. Letzteres ist jetzt fest ins Spiel integriert, wenn die externe Discord-Desktop-App läuft, können wir einfach und bequem eine spontane Sitzung mit unserem Team starten.

Laser und Cyber-Kung-Fu!

Seit dem Release sind zwei neue Helden hinzugekommen, wir dürfen nun auch die taffe Laser-Braut Juno und die Kung-Fu-Meisterin Su-Ren zocken. Dadurch steigt die Heldenauswahl auf insgesamt 22 Charaktere. Jeder der recht schrägen Helden verfügt über je fünf Fähigkeiten. Diese können wir noch mit Mods weiter verändern, sodass beispielsweise unsere Schüsse an Wänden abprallen oder ein bestimmter Skill eine kürzere Abklingzeit hat, wenn er niemanden trifft - sozusagen als Trostpflaster.

Atlas Reactor : Ultimates wie das Bombardement von Söldner Blackburn richten horrende Schäden in einem großen Zielgebiet an! Ultimates wie das Bombardement von Söldner Blackburn richten horrende Schäden in einem großen Zielgebiet an!

Ebenfalls cool: Jeder Held darf drei »Katalysatoren« ins Gefecht mitnehmen. Dahinter verbergen sich Einweg-Skills, die wir einmal pro Spiel verwenden dürfen und die uns dann heilen, eine sofortige Flucht ermöglichen oder einen Buff bescheren. Durch die Auswahl an Mods und Katalysatoren können wir unsere Helden trotz vorgegebener Fähigkeiten wunderbar individualisieren. Und trotz all der Möglichkeiten kann jede Taktik und jede Maßnahme gekontert werden. Man muss nur wissen, wie.

Story und Belohnungen

Die Story von Atlas Reactor dreht sich um die neonbunte Cyber-Stadt Atlas, in der ein gigantischer Reactor alles am Laufen hält. Eine Handvoll Super-Konzerne, die Trusts, bekriegen sich gegenseitig um Einfluss. Dazu brauchen sie hochbezahlte Agenten, die Freelancer. Und dabei handelt es sich wiederum um unsere spielbaren Helden.

Atlas Reactor : Besondere Aktionen werden mit bestimmten Spottgesten und Animationen angezeigt. Hier startet Cowboy Lockwood gleich seinen Flächenangriff. Besondere Aktionen werden mit bestimmten Spottgesten und Animationen angezeigt. Hier startet Cowboy Lockwood gleich seinen Flächenangriff.

Die Story spielt in den PvP-Kämpfen von Atlas Reactor jedoch keine große Rolle, wir ballern uns mangels weiterer Spielmodi jedes Mal gegenseitig aus den Latschen. Wer jedoch in bestimmten, zeitlich begrenzten Seasons spezielle Aufgaben erledigt - beispielsweise 15 Gefechte mit einem Tank-Helden absolvieren oder insgesamt 100 Power-Ups im Gefecht einsetzen - bekommt besondere Belohnungen und schaltet kleine Schnipsel der Story frei.

Neben den Seasons können wir uns auch über tägliche Quests oder spezielle Herausforderungen Belohnungen verdienen. Diese sind weniger aufwändig als die Season-Quests und bringen daher zwar weniger, aber dafür schneller Beute. Durch die vielen optionalen Aufgaben motiviert uns das Spiel außerdem stets auf sanfte Art, auch mal neue Taktiken und Helden auszuprobieren.

Kostet das was?

In Atlas Reactor stehen Ihnen - sofern einmal für 30 Euro gekauft - alle Helden, Maps und Spielmodi sowie künftige Inhalte zur Verfügung. Wer hingegen kein Geld ausgeben will, kann sich auch in den kostenlosen »Free Mode« wagen. Darin dürfen wir lediglich sechs Helden spielen, diese werden jede Woche für jeden Spieler neu ausgewürfelt.

Atlas Reactor : Aus Beutekisten bekommen wir nützliche und schicke Goodies, beispielsweise den Ödland-Skin für Auftragskillerin Elle oder einen XP-Booster. Aus Beutekisten bekommen wir nützliche und schicke Goodies, beispielsweise den Ödland-Skin für Auftragskillerin Elle oder einen XP-Booster.

Der Echtgeld-Shop bietet hingegen nur Beutekisten an, die wir uns auch regulär im Spiel über Stufenaufstiege verdienen können. Die Boxen enthalten neben kosmetischem Kram wie Skins und Spott-Gesten auch Tokens, mit denen wir weitere Skill-Mods freischalten, und Erfahrungspunkte-Booster, mit denen wir unseren Account und die einzelnen Helden schneller leveln. Freemode-Spieler können weder den Shop nutzen noch mehr als die sechs wöchentlichen Probe-Helden freischalten.

Was bringen Erfahrungspunkte?
Nach jedem Spiel in Atlas Reactor bekommen wir Erfahrungspunkte für unseren gespielten Helden und für unseren Account. Jede Accountstufe, die wir aufsteigen, beschert uns eine Beutekiste mit Mod-Tokens, Erfahrungspunkte-Boostern, Skins und Spottgesten.

Wenn wir mit dem Helden aufsteigen, bekommen wir ab und zu ebenfalls eine Box, meist sind da aber nur Mod-Tokens drin und ab bestimmten Leveln weitere Farboptionen für unsere Skins. Spielrelevante Vorteile bringt der Stufenaufstieg kaum, lediglich die Mod-Tokens erlauben ein paar weitere Gameplay-Optionen.

Der faire und unaufdringliche Shop verbunden mit dem günstigen Preis für die Vollversion machen Atlas Reactor zu einem sehr kundenfreundlichen Spiel, das trotz oder gerade wegen des ungewöhnlichen Gameplays viele Spieler begeistert. Zumindest ist die Community auch Wochen nach dem Release noch sehr aktiv, freundlich und so zahlreich, dass wir selbst mitten in der Nacht nie länger als 40 Sekunden warten mussten, bis eine Runde zustande kam.